Manchmal fällt mir ein einzelnes Zeichen innerhalb eines typographischen Fundstücks ganz besonders auf. Oder ich begegne einer Schrift bzw. einem Schriftzug mit mehreren schönen oder sonderbaren Details.
Typo-Schnappschuss zwischendurch am Mittwoch: Gestern beim Einkaufen im feinen Stadtteil Harvestehude/Eppendorf fiel mir über einer Toreinfahrt an der Adresse Eppendorfer Baum 10 diese stilvolle weiß-rote 3D-Schriftzug auf, den ich natürlich sofort fotografieren musste.
Das historische Stadthaus an dieser Adresse wurde um die Jahrhundertwende (ca. 1898) erbaut, ist bestens erhalten und beherbergt heute im Erdgeschoss die Filiale eines Delikatessengeschäftes mit Bäckerei. Auf den ersten Blick passen die Lettern mit ihrer tiefliegenden horizontalen Mittelachse perfekt zur Gründerzeit-/Jugendstil-Optik des Hauses, doch der Schriftzug sieht optisch und technisch zu neu aus, um authentisch historisch zu sein. Und siehe da – lässt man sich die Adresse auf Google Maps anzeigen, bestätigt sich, dass die Einfahrt auf einem StreetView-Foto vom August 2022 noch unbeschriftet war. Hier wurde also mit gutem Stilgefühl und Gespür für die Epoche der Erbauung ein stimmiger Retro-Schriftzug angebracht. Es kann natürlich sein, dass ein anders oder gar nicht beleuchteter Hinweis auf die Garage bereits früher schon einmal existierte. Online einsehbare Belege dafür entdeckte ich jedoch nicht.
Für die Schriftart finden sich im Netz bei kommerziellen wie kostenlosen Anbietern etliche sehr ähnliche Referenzen. Am dichtesten heran kommt aus meiner Sicht die »Sevastian« von Adam Fathony (AFStudio, 2018). Und passend zur 3D-Umsetzung über der Einfahrt bietet die komplette Schriftfamilie verschiedene »Layer«-Varianten an, mit denen man auch bei der zweidimensionalen Anwendung eine solche Optik simulieren kann. 🤓 🔠 🅿️
Und immer noch liegen hier schöne Fundstücke aus Regensburg. Als typographisches Fundstück zwischendurch zeige ich heute einen hinreißenden Neonschriftzug an der Fassade eines alteingesessenen Kinos im Norden der Stadt, geknipst bei herrlichem Pfingstwetter.
»Das Regina Filmtheater ist nicht nur in Regensburg bei Kinofans beliebt, sondern weit über die Grenzen hinaus, sogar deutschlandweit bekannt. Anfang der 1940er errichtet, diente das Gebäude zuerst als Getreidespeicher. Nach einem Umbau 1948 öffnete am 18. Februar 1949 ein Kino im Regensburger Norden erstmals seine Tore, in schickem Theaterambiente mit Garderobe und einem einzelnen Saal mit 600 Plätzen.«
An dem Schriftzug gefallen mir insbesondere die eleganten Schwünge am Beginn und Ende des Wortes und der formale Kontrast dieser weit gespannten Bögen zu den engen Sägezahnspitzen von i und n in der Mitte. Ich habe mal interessehalber die Gesamtform der Neonröhren um 180° gedreht und über das Original gelegt – und man sieht gleich, wie gekonnt die Kurven vorne und hinten aufeinander abgestimmt sind.
Ich finde, ganz unabhängig davon, welche Arthouse-Filme oder Blockbuster gerade im »Regina«-Kino laufen – das rote Kunstwerk über dem Eingang ist auf jeden Fall schon mal ganz großes Neon-Kino. 🤓 🔠 📽️ 🍿
Auch bei der Ergründung der Geschichte des heutigen Fundstücks haben mir Digitalisate historischer Hamburger Adressbücher wieder gute Dienste geleistet. Fotografiert habe ich dieses edle Buchstabenrelief an der Fassade eines Hauses in Hamburg-Altona an der heutigen Adresse Bernstorffstraße 143.
Der ungewöhnliche und eher seltene Nachname des Firmeninhabers machte es vergleichsweise einfach, Informationen zu sammeln, obgleich eine herkömmliche Suchmaschinenanfrage nur sehr spärliche Fakten erbrachte. Zum Gebäude kam immerhin zutage, dass das lichtblaue Etagenhaus in den Jahren 1865/1866 erbaut wurde und in der »Liste der Kulturdenkmäler in Hamburg-Altona-Altstadt« aufgeführt wird.
Der Inhaber, August Bluthardt, wird in den alten Hamburger Adressbüchern bis einschließlich 1911 als angestellter Prokurist bei der Firma »Paulsen Bohde Nfg. [= Nachfolger], Eisenguss- und Tonwaren, Heizungsverkleidungen« geführt. Ab 1912 erscheint er dann in weiteren Registern namentlich als Einzelinhaber eines eigenen Unternehmens mit dem Geschäftsfeld »Öfen u. Herdlager-Dauerbrand-Öfen, Majolika [farbig glasierte Tonwaren, vgl. Wikipedia], weiße Schmalzkacheln, Herd- u. Wandplatten, sämtliche Ofenersatzteile, Baumaterial«. Bei den »Schmalzkacheln« scheint es sich um einen Druckfehler zu handeln, denn diese Vokabel konnte ich im Feld des Ofenbaus nirgends antreffen, wohl aber tauchen »Schmelzkacheln« bei den textlichen Beschreibungen historischer Öfen in Museen auf. Ab 1921 findet sich dann in den Verzeichnissen die Firmierung »Aug. Bluthardt & Co. G. m. b. H«, die im Anschluss dann wohl in gekürzter Form, wie im Foto zu sehen, am Gebäude angebracht wurde.
Diese Zeitangabe deckt sich auch mit meiner Vermutung, wo die Ursprünge der für die Beschriftung genutzten Schriftart liegen könnten. Eine der Schriften, die sich überraschend gut mit den weißen dreidimensionalen Lettern in Deckung bringen ließ, ist die »Gotham« von Tobias Frere-Jones und Jesse Ragan, entstanden 2000–2002 für die Hoefler Type Foundry (HTF). Weltbekannt wurde die Schrift im Jahr 2007, als das Wahlkampfteam um Barack Obama sie zur Schriftart für seine Präsidentschaftskampagne erkor. Das ikonische »HOPE« Poster mit dieser Schriftart kennt wohl noch fast jede*r. Die Ursprünge einer ganzen Gruppe alter Schriftzüge, welche die Schriftdesigner zu dieser modern anmutenden Grotesk-Familie inspirierten, sind jedoch fast 100 Jahre früher zu suchen. Auf der Website Jonathan Hoeflers findet sich dazu unter der Überschrift »The History of the Gotham Typeface« ein ausführlicher, sehr lesenswerter Artikel.
»Gotham was inspired by a style of bold capital letters that evolved outside the typographic tradition in the early twentieth century, common to lithographed posters, enamel signs, and commercial facades throughout New York City.«
Ich habe den Text des Schriftzuges aus dem Foto einmal in der »Gotham Bold« nachgesetzt und farbig markiert, wo ich nachträglich grafisch noch etwas »umbauen« musste, damit die Zeichen ungefähr in Deckung kommen. Die einzige Glyphe, die komplett andersartig ausfällt, ist das »&«-Zeichen. Dessen leicht ausgezogene Ecken in dem fotografierten Relief, die deutlich anders anmuten als die Buchstaben mit ihrer nüchternen Linienführung, lassen jedoch ohnehin vermuten, dass dieses Zeichen bereits zur Zeit der Anbringung der Beschriftung aus dem Repertoire einer separaten Schriftart hinzugefügt wurde.
Nur die farbigen Elemente in diesem Bild mussten »zurechtgebastelt« werden bzw. stimmten beim Zeichensatz der Schriftart »Gotham« nicht mit der Fassadenbeschriftung überein.
Wie ging es dann weiter mit dem Ofengeschäft August Bluthardts? 1929 taucht ein neuer Inhaber der Ofenhandlung in den Adressbüchern auf – ein gewisser Carl Mollwitz führt nun die Geschäfte. Zwischen 1943 und 1950 wurde die Adresse der Niederlassung geändert – ohne dass ein Umzug erfolgte. Zur Zeit der Gründung hieß die Straße noch »Adolphstraße« (oft auch »Adolfstraße«). Ab 1950 wird das Unternehmen dann in den Branchenbüchern unter dem neuen Straßennamen »Bernstorffstraße« gelistet, obwohl die Umbenennung laut einigen Quellen bereits einige Jahre früher stattfand:
»Bereits in der NS-Zeit wurde die Bernstorffstraße als neuer Straßenname (alter Straßenname: Adolfstraße, benannt 1857 nach Hans Adolph Wieck, Bauunternehmer, (…) in der Liste ›Umbenannte Straßen‹ aufgeführt. Die Liste wurde im Hamburger Adressbuch von 1943 veröffentlicht und listet alle in der NS-Zeit umbenannten Straßen auf, auch diejenigen, bei denen die konkrete Umbenennung noch nicht vollzogen wurde.«
Als Namensgeber der umgetauften Straße werden in derselben Quelle die dänischen Staatsminister Johann Hartwig Ernst Graf von Bernstorff (1712–1772) und Andreas Peter Graf von Bernstorff (1735–1797) genannt.
Nach 1957 übernimmt dann laut der Brancheneinträge eine »Frau L. Mollwitz« die Leitung, vermutlich die Ehefrau des Inhabers. Dessen Name taucht jedoch bis 1968 weiterhin als Mitarbeiter auf. 1974 gibt es erneut einen innerfamiliären Wechsel: Der neue Name des Inhabers lautet jetzt Georg Mollwitz. Es ist plausibel, anzunehmen, dass der Staffelstab der Firmenleitung an die jüngere Generation weitergereicht wurde, aber eindeutige Informationen dazu fand ich nicht, insofern könnte es eventuell auch ein Bruder oder sonstiger Verwandter sein.
Im »Wirtschafts- u. Firmenhandbuch Hamburg + Schleswig-Holstein Ausgabe Großraum Hamburg 1976/77« erscheint der Eintrag des Unternehmens zum letzten Mal. Ich vermute, dass der Einzug moderner Zentralheizungen und platzsparender elektrischer Küchenherde den Traditionsbetrieb vom Markt verdrängt hat. Was blieb, ist dieser kunstvoll gefertigte Schriftzug an einem alten Haus in Hamburg Altona. 🤓 🔠 🏠
Original-Bildquelle: Hamburger Adressbücher Digital | Public Domain. Die mutmaßliche Farbigkeit habe ich anhand gleichartiger antiquarisch erhältlicher Bände aus den 1970er-Jahren rekonstruiert.
Zur Abwechslung poste ich heute mal ein typographisches Montagsbonbon, das ich nicht selbst fotografiert habe, sondern auf das ich bei der Recherche zum Beitrag über die »GARAGE SAUERBERG« in einem digitalisierten historischen Altonaer Adressbuch aus dem Bestand der Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek entdeckt habe. Ich fand den Spruch (aus heutiger Sicht) und die Honig-Geld-Metapher einerseits putzig, die Umsetzung aber durchaus elegant und handwerklich gekonnt. Die vollständige Anzeige, aus der das Motiv stammt, ist im zweiten Bild zu sehen.
»Unterstützungs-Institut« klingt für heutige Leser*innen ungewöhnlich, fast wie ein Schwesterwort zu »Sozialamt«. War die damals werbende Instanz solch eine Behörde? Dazu fand ich schnell eine kundige Erläuterung:
»Das am 28. Januar 1799 gegründete Altonaische Unterstützungs-Institut AUI setzte sich für Sozialfürsorge und Gewerbeförderung ein. Neu war das Prinzip der überkonfessionellen Fürsorge. Hilfe für sozial Schwache war zuvor eine Aufgabe der Religionsgemeinschaften. Nun konnten in Not geratene Einwohner*innen unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit unterstützt werden. Ebenfalls unabhängig von Glauben und Konfession erhielten Schulen, Vereine und die Kinderfürsorge zinsfreie Darlehen und Spenden.
1801 gründete das AUI eine Sparkasse. Sie entwickelte sich zu ihrem wichtigsten Betätigungsfeld. Sparguthaben sollten es Menschen ermöglichen, eine Existenz aufzubauen. Über die Erträge des Bankgeschäftes konnten wohltätige Vorhaben finanziert werden. 1939 wurde das AUI aufgelöst und in die Hamburger Sparkasse überführt.«
Bemerkenswert an der Schriftgestaltung des Motivs fand ich zum einen die bewussten Verbindungen zwischen den gebrochenen Buchstaben, am deutlichsten bei »are«, »ie« und »iene«. Zum anderen ist auch eine Kursivstellung, wie hier zu sehen, bei historischen gebrochenen Schriften deutlich seltener und spielte nicht dieselbe Rolle wie die Kursiven bei Antiqua-Schriften. Die meisten Fraktur-Schriftfamilien verfügten – von Ausnahmen abgesehen – gar nicht über kursive Schnitte. Sollte in einem in Fraktur gesetzten Text ein Wort oder Abschnitt besonders hervorgehoben werden, wurde dies nicht durch eine Kursive – wie z.B. oft bei in Antiqua gesetzten Texten –, sondern zumeist mit anderen Mitteln erreicht, etwa durch einen deutlichen Wechsel zu einer 𝔷𝔴𝔢𝔦𝔱𝔢𝔫 gebrochenen Schrift (oder zu einer 𝙰𝚗𝚝𝚒𝚚𝚞𝚊), durch S p e r r s a t z mit größeren Buchstabenabständen, mittels fetterer Schriftschnitte (seltener) oder durch einen deutlich anderen Schriftgrad. Zudem ist auch die ungewöhnlich starke Schrägstellung der kursiven Buchstaben – hier mit ca. 25° Neigung – auffällig; die meisten Nicht-Schreibschriften arbeiten gewöhnlich mit Winkeln zwischen 7° und 12°. Selbst eine der seltenen, kursiv gezeichneten Frakturschriften, »Deutsche Schrägschrift« (Rudolf Koch für Gebr. Klingspor, 1912) hat einen Neigungswinkel von »nur« 16°. Extremere Schräglagen von bis zu 45° findet man eher bei Kurrentschriften und anderen, oftmals dekorativen Schreibschriften.
Die dritte Besonderheit in dem Werbemotiv sind die individuell gestalteten Zeichen, wie die große geschwungene S-Initiale und das kleine w, das nach oben verlängert ist und sich mit dem S gezielt überlappt. Alle drei Stilmittel verleihen dem Schrift-Arrangement eine fast handschriftliche Anmutung und plakative Eigenständigkeit. Vergleicht man die sechs Vorkommen des kleinen e, so fällt auf, dass diese alle unterschiedlich aussehen, mal breiter, mal schmaler und mit verschieden großen Innenräumen. Ich gehe aufgrund all dieser Merkmale davon aus, dass die Illustration der Biene nebst Münze inklusive aller Textzeilen als Gesamtgebilde von Hand gezeichnet wurde.
Die etwa weiteren Schriftarten bzw.-schnitte in der Anzeige lasse ich heute einmal außen vor, da sie – mit Ausnahme der kantigen Type bei den Wörtern »Geschäftsstellen« / »Annahmestellen« wenig Besonderes zu bieten haben. 🤓 🔠 🐝
Ein Werbe-»Mural« aus Regensburg habe ich heute als typographisches Montagsbonbon ausgewählt. Und obwohl der Farbauftrag noch relativ neu und unverwittert aussieht, hat das beworbene Produkt bereits eine über 300-jährige Geschichte.
Die Wandmalerei befindet sich an der Außenwand des Karmelitenklosters St. Joseph, Ecke Adolph-Kolping-Straße und Pfluggasse – an der Adresse, wo der Geist auch produziert wird.
»P. Ulrich Eberskirch OCD*, der als gelernter Apotheker in den Karmelitenorden eintrat, erfand im Jahre 1721 den echten Karmelitengeist. Das Geheimnis wird bis heute streng gehütet und immer nur von zwei Karmeliten weitergegeben.«
Typographisch fand ich das Motiv insofern interessant, dass es zum einen rein schriftlich für das Produkt wirbt – es gibt keinerlei Abbildung eines Mönches, einer Flasche, eines eingeschenkten Glases, einer Verpackung o.ä. Und zum anderen nutzt es in nur drei Zeilen Text vier verschiedene Schriftarten. Zwei davon konnte ich problemlos bestimmen, bei den beiden anderen war das etwas schwieriger bis erfolglos.
Das Wort »REGENSBURGER« ist in der Schriftart »ITC Avant Garde Gothic« im Schnitt »Demi Bold« gesetzt. Die Schrift wurde zunächst 1968 exklusiv für das Logo und die Headlines des US-amerikanischen Lifestyle-Magazins »Avant Garde« entworfen. Erst ab 1970 arbeitete Lubalin zusammen mit Tom Carnase – einem Partner in seinem Designbüro – daran, eine komplette Schriftfamilie gleichen Namens daraus zu entwickeln, die nachfolgend zu einer der populärsten Schriften der 1970er-Jahre wurde.
Für die Unterzeile »seit 1721 hier im Kloster hergestellt« wurde die Schrift »Palette« genutzt. Sie stammt aus dem Jahr 1951 und ihr Urheber war der Grafiker und Schriftgestalter Martin Wilke.
Die Schrift bei dem Wort »Echter« würde ich ebenfalls in den 1950er-Jahren verorten, allerdings konnte ich sie nicht verlässlich identifizieren. Das etwas zu eng stehende letzte Buchstabenpaar »er« könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Buchstaben hier individuell gestaltet wurden.
Ebenfalls knifflig war die Recherche zur Schrift im Produktnamen »KARMELITERGEIST«. Das auffälligste Merkmal ist in jedem Fall das rechtwinklig abknickende Bein des K, das sich etwas dezenter auch im R noch einmal wiederfindet. Die älteste Referenz, die ich zu dieser Buchstabenform finden konnte, reicht zurück in die Jahre 1929–1934, zu einer eleganten Art-Déco-Schrift namens »Corvinus«, entworfen vom ungarisch-schweizerischen Designer Imre Reiner für die Bauersche Schriftgießerei. Im Umfeld eines experimentelleren Formenrepertoires trifft man ein ähnliches K auch bei der Schrift »Altona« von Albert-Jan Pool, Julia Uplegger und Antonia Cornelius an, die auf Hamburger Straßenschildern Ende der 1920er-Jahre beruht, sowie in der serifenbetonten Linear-Antiqua »City« (Georg Trump für Berthold, um 1930). Alle drei Verwandten verweisen somit auf etwa dieselbe Zeit, obwohl sie nicht exakt mit der Type im Werbeschriftzug auf der Fassade übereinstimmen. Eine modernere Variante, entstanden 2002–2014, findet sich in Form der Schriftfamilie »Compass Next« von Ramiz Guseynov/TipografiaRamis.
Im Netz konnte ich zudem in einem Pressebericht aus dem Jahr 2021 zum Jubiläum der klösterlichen Spirituose ein Foto ausfindig machen, das deren Verpackungs-Evolution dokumentiert. Das »K mit dem Knick« taucht darin ausschließlich in den beiden linken der sechs abgebildeten Exemplare auf, offenbar zeitgleich mit der Einführung einer auffälligen purpurnen Kennfarbe beim Packaging. Zeitlich datieren konnte ich diese Umstellung leider nicht. Immerhin lässt sich sagen, dass das Konglomerat aus verschiedenen Schriftarten nicht älter sein kann als die jüngste der vier (»Avant Garde«).
(Nachtrag – 09. Juni 2026: In dem weiter unten im Beitrag verlinkten Video schwenkt die Kamera beim Timecode 12:28 über ein Bildtableau mit Fotos aus dem Jahr 1971, als das Elixier sein 250-jähriges Jubiläum beging. Auch darauf sind sowohl das komplette Werbemotiv als auch die orange-purpurviolette Farbgebung der Verpackung bereits zu sehen!)
Das Produkt ist nach wie vor erhältlich, es gibt sogar Pralinés, die mit einer damit aromatisierten Trüffelmasse gefüllt sind. Laut Hersteller hilft das Elixier innerlich, auf Zucker geträufelt oder mit Wasser bzw. Tee verdünnt, »… bei Grippe, Erkältung, Unwohlsein, Magenbeschwerden, Blähungen, Schlaflosigkeit«, sowie unverdünnt äußerlich »… zum Einreiben bei Ohnmacht, Herzschwäche, Rheumatismus, neuralgischen Schmerzen und zur Desinfektion von Wunden«.
Die Ursprünge dieser Heilspirituose aus (karmelitischen) Klöstern lassen sich sogar zurückverfolgen bis ins 14. Jahrhundert. Eines der ersten kommerziell vertriebenen Produkte tauchte 1611 in Frankreich unter dem Namen »L’Eau des Carmes« auf und war offenbar über Apotheken erhältlich. Das Rezept, aus Melisse, Engelwurz, Zitronenschale, Lavendel und weiteren Pflanzenessenzen gebraut, soll ursprünglich aus einem Kloster der Unbeschuhten Karmeliterinnen einer Abtei namens St. Just[e] stammen (die ich leider nicht eindeutig lokalisieren konnte) und wurde anfänglich wohl u.a. auch für den französischen König Karl V. (1338–1380) hergestellt. Andere Überlieferungen sprechen von Pariser Karmelitermönchen als Urheber der Rezeptur.
Das in Deutschland deutlich bekanntere Konkurrenzprodukt »Klosterfrau Melissengeist« kam übrigens erst im Jahr 1826, gute 100 Jahre später als der Regensburger Geist, auf den Markt. 🤓 🔠 🌿 👻
Das typographische Fundstück kommt heute aus Hamburg und befindet sich an der Adresse Beim Grünen Jäger 11. Fotografiert habe ich es, weil ich die Schriftwahl und die Farbigkeit der Beschriftungen in Verbindung mit der typischen dunkelroten Hamburger Klinkermauer als ausgesprochen passend für eine Autogarage empfand. Im Moment der Entdeckung war für mich nicht ersichtlich, ob es sich um eine reine Parkgarage oder eine Kfz-Werkstatt handelt, und auch, ob das beworbene Unternehmen noch tätig ist, konnte ich nicht erkennen. Links und rechts des vergitterten Rolltores befinden sich eine Galerie und kleine Kioske bzw. Imbisse. Ansonsten gibt es keine Hinweise auf einen Gewerbebetrieb. Der letzte Hinweis auf eine Aktivität in dem Gebäude war die Ankündigung eines »Weihnachts-ART-Marktes« im Dezember 2023, veranstaltet von der benachbarten Galerie.
Das zweigeschossige Ziegelgebäude scheint in der Übergangszeit zwischen der Fortbewegung mit Pferdefuhrwerken und der automobilen Ära entstanden zu sein, so ist es zumindest in einem schon etwas älteren Zeitungsartikel zu lesen:
»… am Schulterblatt 92 (…) auf einem weiteren großflächigen Wandgemälde ist der Neue Pferdemarkt zu sehen: Fuhrwerke auf dem ovalen Platz, im Hintergrund flanieren einige Menschen – das Bild erinnert an die Jahrhundertwende.
Entstanden sind die Wandmalereien jedoch frühestens Ende der 20er Jahre. Denn am Pferdemarkt existiert schon die ›Shell Garage Sauerberg‹, auch wenn kein einziges Auto die Idylle mit Pferd trübt. Diese erste Hochgarage Deutschlands wurde Ende der 20er Jahre eröffnet, ihre Bauzeichnungen datieren vom 11. April 1926. Heute steht der Klinkerbau (…) unter Denkmalschutz.«
Auch auf die gelbe und rote Farbgebung der Schriftzüge an dem Gebäude könnte der in dem Artikel genannte Name »Shell Garage Sauerberg« ein Hinweis sein, denn sie entspricht den Unternehmensfarben des weltbekannten, 1907 als »Royal Dutch Shell Group« gegründeten Mineralölkonzerns und ohne eine offizielle Lizenz oder Partnerschaft hätte er dessen Namen wohl kaum für seinen Betrieb nutzen dürfen.
Diese Kooperation könnte auch einen Bezug zu den rechteckig-abgerundeten Formen der Buchstaben in beiden Schriftzügen haben. Im Jahr 1971 ließ Shell sein Logo vom US-amerikanischen Designer Raymond Loewy neu gestalten und in diesem Zuge änderte auch die Wortmarke sowohl ihr Aussehen als auch ihre Platzierung im Logo. Bis dahin war der Firmenname SHELL zentriert innerhalb der stilisierten gelb-roten Kammmuschel platziert. Nach Loewys Überarbeitung war er unterhalb der neuen, minimalistischen Bildmarke angesiedelt. Auch die Schriftart änderte sich: Statt der zuvor genutzten serifenlosen Linear-Antiqua, die an die »Gill Sans Condensed Bold« (Eric Gill, um 1928) erinnert, wurden die Buchstaben technischer, mit rechteckigen Proportionen und abgerundeten Ecken – nicht unähnlich den Lettern an der Hamburger Hochgarage.
Bei der Bestimmung des oberen Schriftzugs »GARAGE« wurde ich zunächst in die Irre geführt, denn ich hielt die Schriftart auf Anhieb ganz klar entweder für die »Eurostile Extended Bold« (1962) oder ihre ausschließlich großbuchstabige Vorgängerin »Microgramma« (1952), beide entworfen von den Schriftgestaltern Alessandro Butti und Aldo Novarese. Doch der zusätzliche senkrechte Abstrich am G und das im Vergleich zu schmale A der Neonbuchstaben widersprachen dieser Vermutung. Ich konnte tatsächlich keine Schrift ausfindig machen, die exakt den Buchstabenformen an der Fassade gleicht.
Auch die untere Beschriftung »SAUERBERG« scheint eigens für den Garagenbetrieb gestaltet worden zu sein. Insbesondere A, R und G weisen sehr individuelle Details auf, die sich mit keiner mir bekannten kommerziellen Schrift in Deckung bringen ließen. Die weißen Flecken im Foto, links und rechts des Leuchtkastens (vielleicht Mörtel, Heißkleber o.ä.?), die in etwa dieselbe Breite wie die Neonschrift auf dem Dach andeuten, lassen vermuten, dass anstelle der heutigen dort früher eine andere werbetechnische Installation angebracht war. Aber auch hier ließen sich leider keine historischen Fotos finden, die diese Vermutung bestätigen. Auch die »wiederentdeckten Wandgemälde« aus dem oben zitierten taz-Artikel, welche die Garage in früherem Zustand zeigen sollen, sind online leider nirgends auffindbar.
Und so bleibt auch diesmal nur die Gewissheit, dass das Baudenkmal mit der offiziellen Identifikationsnummer 12752 unter der Bezeichnung »Großgarage am Neuen Pferdemarkt, Typ: Garage; Parkhaus; Tankstelle; Werkstatt« weiterhin an seinem angestammten Platz erhalten bleiben wird – und das hoffentlich mitsamt der interessanten Beschriftung. 🤓 🔠 🚗 🔧
Schon mehrfach gab es hier im Blog Beiträge zu neuen und alten Beschriftungen an Gebäuden und Bahnsteigen an Bahnhöfen. Bedingt durch die weit zurückreichende Geschichte der Eisenbahn sind allerorten neue und alte, vergessene, teils verwitterte, teils aber auch erstaunlich gut erhaltene Schilder und Schriftzüge zu entdecken. Eines dieser Schilder habe ich heute aus der Deutsch-Luxemburgischen Grenzregion vom Regionalbahnhof Wasserbillig mitgebracht.
»Der Bahnhof Wasserbillig in der gleichnamigen Ortschaft Wasserbillig ist ein luxemburgischer Grenzbahnhof zwischen Luxemburg und Deutschland. Der Bahnhof Wasserbillig liegt an der Bahnstrecke Luxemburg–Wasserbillig. Der Bahnhof wird von RB- und RE-Zügen angefahren. (…) Der Bahnhof wurde 1861 mit dem Bau der Bahnstrecke von Luxemburg Stadt eröffnet. 1911 wurde die Strecke bis Oetringen zweigleisig ausgebaut und von 1956 bis 1959 elektrifiziert.«
Spontan erinnerten mich die abgerundeten rechteckigen Lettern an die beiden Schriftklassiker »City« (Georg Trump für Berthold AG, 1930), die allerdings Serifen aufweist – und die deutlich breiter laufende »Bank Gothic« (Morris Fuller Benton für ATF, ebenfalls 1930). Bei der Recherche fiel mir dann auf, dass es interessanterweise auch große Ähnlichkeiten mit Schriften gibt, die historisch im Straßenverkehr genutzt wurden. So zum Beispiel mit der nach ihrem Gestalter benannten Schriftfamilie »Charles Wright«, die seit 1935 (und bis heute in weiterentwickelter Form sowie unter anderem Namen) in Großbritannien für Kfz-Nummernschilder verwendet wird. Man findet Varianten davon als »Mandatory« oder »UK Number Plate« im Netz und es gibt auch eine Info-Seite dazu von der »British Number Plate Manufacturers Association«.
Eine andere »Straßenverkehrsschrift« mit einer vergleichbaren Anmutung ist die »Route 66« von Nick’s Fonts, die auf Schriftarten beruhen, welche auf US-Highway-Schildern aus den 1930er bis 1950er Jahren anzutreffen waren.
Dennoch sind diese Schriften nicht mit jener auf dem deutsch-luxemburgischen Stationsschild identisch. Unter anderem der tiefliegende Querstrich des 𝐴, die beiden unterschiedlich breiten Bögen des 𝐵 sowie der kurze horizontale Abschlussstrich am Bein des 𝑅 machen den Schriftzug einzigartig. Das gleiche 𝑅 findet sich auch auf dem Schild, das am Bahnhof Wasserbillig auf den Ausgang verweist:
»Luxembourg, commune de Mertert: la gare CFL de Wasserbillig« | Foto: GilPe, via Wikimedia Commons, lizenziert unter CC BY-SA 4.0
Es ist nicht ganz einfach, die Zeit der Anbringung der Schilder zu ergründen. Formal sind sie, den o.g. Ähnlichkeiten nach, in den 1930-er bis 1950-er Jahren verwurzelt. Das Stationsschild »WASSERBILLIG« scheint aus Metall gefertigt zu sein, das Hinweisschild »SORTIE« weist Risse auf, wie sie im Lauf der Zeit bei Emaille oder Keramik entstehen könnten. In einer kommerziellen Bilddatenbank entdeckte ich immerhin ein historisches Schwarzweißfoto vom 16. August 1968, auf dem das Stationsschild bereits dokumentiert ist. Weitere alte Abbildungen mit eindeutig erkennbaren Hinweisen fand ich online nicht. Da öffentliche Beschilderungen meist entweder unmittelbar beim Bau oder zum Zeitpunkt späterer Sanierungen, Renovierungen oder Ausbauten angebracht oder ausgetauscht werden, würde ich die Tafeln auf 1959 (s.o.) oder früher datieren.
Wer mehr dazu weiß, kann sich natürlich sehr gerne melden! 🤓 🔠 🛤️
Aus Trier kommt das heutige typographische Montagsbonbon, und zwar in Form eines schnittigen Neonschriftzuges am »Stahlwarenhaus Schmelzer«. Küchen-, Koch-, Taschen- oder Sammlermesser sucht, ein Maniküreset oder sonstige Haushaltswaren wie Gläser, Kochgeschirr oder Küchenwerkzeuge, wird nach eigenen Angaben bei diesem Familienunternehmen fündig. Tatsächlich gibt es dieses Geschäft – in den Gründerjahren vermutlich mit einem etwas überschaubareren Sortiment und noch ohne den leuchtenden Namen an der Fassade – bereits seit 1734.
»Das Stahlwarenhaus Schmelzer in Trier wird bereits in der neunten Generation von unserer Familie geführt, kann auf über 285 Jahre Unternehmensgeschichte zurückblicken und zählt damit zu den ältesten Fachgeschäften Deutschlands. Der Name Schmelzer wird in der städtischen Chronik Triers sogar schon 1552 zum ersten Mal urkundlich erwähnt.«
Wieder einmal, wie oft bei derartigen Klassikern aus der Blütezeit der Neon-Lichtwerbung, begeistern die einzelnen Buchstabenformen mit feinen Details: Die teilweise doppelt angelegte, gerade Basis des 𝑆. Die oben leicht begradigte Form der 𝑙-Schlaufe, die mich tatsächlich an eine Messerklinge erinnert. Der gekonnte Übergang mit gebogenem Auf- und waagerechtem Querstrich von dort aus zum 𝑧, das zudem oben links eine Art kleine Serife aufweist, die dann im 𝑟 ein formales Echo findet.
Zurück nach Barcelona. Wieder habe ich aus dem aktuellen Fundus ein Vierer-Potpourri kreativer Ladenbeschriftungen zusammengestellt, die ich überschaubar kommentiert zur Ansicht bringen möchte. Allen vier ist wieder ein besonderer »Do-it-yourself«-Charme eigen, der mich dazu bewog, sie zu fotografieren. Und auch, wenn aus grafischer Sicht durchaus nicht alles daran perfekt umgesetzt ist, so verdienen sie doch aus meiner Sicht eine wohlwollende Würdigung des Ideenreichtums ihrer Urheber*innen …
Der erste Schriftzug fand sich an der Fassade eines Restaurants nahe der Altstadtpromenade La Rambla, das laut Speisekarte orientalisch-spanische »Fusion-Tapas« kredenzt. Auf der Markise ist der Name unspektakulär in grünen Versalien in der vom Jugendstil inspirierten Schrift »ITC Benguiat« (Ed Benguiat für ITC, 1977) aufgebracht. Darunter findet sich aber auch noch ein interessanter Versuch, den Namen im Duktus arabischer Schrift umzusetzen und trotzdem für nichtarabische Betrachter*innen lesbar zu halten. Ich nahm zuerst an, »Narin« sei der Name einer Stadt oder Region im arabischen Kulturkreis, aber meine Suche erbrachte stattdessen das Ergebnis, dass es sich um einen Vornamen handelt.
»Der Name Narin ist ein geschlechtsneutraler Vorname, der besonders in der kurdischen und türkischen Kultur vorkommt. Er bedeutet im Kurdischen so viel wie ›fein‹, ›zart‹ oder ›anmutig‹. Im Türkischen kann er auch als ›hell‹, ›leuchtend‹ oder ›Feuer‹ interpretiert werden.«
Motiv Nr. 2 entdeckte ich an einem Laden, der für sein Gewerbe wirbt mit den Worten »Verkauf und Anbringung von Farben und Tapeten«. Der Schriftzug ist für mein Empfinden alles andere als ausgewogen – der i-Punkt zu groß, das a zu hoch, die Strichstärken uneinheitlich. Das g und seine Verbindung zum abschließenden l lese ich als Analogie für eine Tapetenbahn, die sich links von einer Rolle nach rechts abwickelt (und rechts an einer Wand haftet?). Aber irgendwie war mir diese wilde Mischung trotzdem einen Schnappschuss wert. Darunter übrigens in goldenen Lettern auf dem Schaufenster der gleiche Name in einer populären Jugendstil-Schriftart (schon wieder): »Arnold Böcklin« (Otto Weisert/Linotype, 1904).
»iocs i regals« – Spiele und Geschenke – nennt sich der Laden hinter dem Schriftensemble Nummer 3. Auch hier spielt sich die Typographie wieder auf zwei Ebenen ab: oben geometrische Buchstabenformen, die an streng konstruktivistische Schriftarten wie z.B. »ITC Bauhaus« erinnern, die 1975 von Ed Benguiat und Vic Caruso (Photo-Lettering, Inc.) für ITC gezeichnet wurde. Sie wiederum basiert auf dem 50 Jahre zuvor entstandenen expreimentellen Entwurf der Schrift »Universal« des Bauhaus-Professors Herbert Bayer. Weitere verwandte Schriften sind »Blippo Black« (Joe Taylor/Robert Trogman für Bitstream, 1969) und »Pump Bold« (Bob Newman/Philip Kelly für Linotype/ITC, 1970).
Auch die Schriftart auf der Markisenkante darunter weist interessante Details auf, insbesondere die Idee, Buchstaben nach Möglichkeit – hier bei P, T, E und R – oben mit einem Bogen abzuschließen. Bei U und I klappt das dann schon nicht mehr ganz so gut und das J sowie die 2 fallen dann komplett aus dem Konzept. Eine kommerzielle Schriftart, die diese Idee konsequenter aufgegriffen hat, ist etwa die »Fonquero« von Arwan Sutanto (2014).
Das vierte und letzte Motiv ist für mein Empfinden handwerklich bzw. gestalterisch am gelungensten umgesetzt. Das Wort »ferreteria« bezeichnet auf Katalanisch ein Eisenwarengeschäft, was auch der Text »Alles für den Heimwerker – Sanitärartikel, Beleuchtung, Haushaltswaren« in der Schriftart »Eras« (Albert Boton/Albert Hollenstein für ITC, 1976) über dem Schaufenster bestätigt.
Die nur mit geraden Linien konstruierten Buchstaben in den beiden großen Textzeilen halte ich für individuell gestaltete Schriftzüge. Obgleich die erste Zeile der Schrift »Acton One« von Rian Hughes (Device Fonts, 1994) verblüffend ähnlich sieht, gibt es doch Unterschiede im Detail. Für die zweite Zeile gilt dasselbe – es gibt etliche zum Verwechseln ähnliche Schriften, am nächsten kommt dem Schriftzug die »Motordrome One« (Gustavo Piqueira für T-26, 2006), aber auch hier sind – z.B. beim v – Abweichungen zu sehen.
Beide Zeilen passen perfekt zum bauhandwerklichen Sortiment des Ladengeschäfts und ziehen mit ihrem markanten Signalgelb (u.a. auch eine bevorzugte Farbe bei Baggern und Baufahrzeugen, z.B. bei den Marken Caterpillar, Komatsu oder John Deere) die Blicke auf sich.
Es verdichtet sich bei mir allmählich das Gefühl, dass ich um so mehr typografische Fundstücke auf meinen Wegen, Reisen und Ausflügen erspähe, je mehr ich hier im Blog poste. Deshalb werde ich in dieser Woche die »Schlagzahl« noch einmal ein bisschen erhöhen und jeden Tag ein Typo-Häppchen servieren.
Das heutige stammt auch wieder aus Trier. Nach einem Einkauf nahe dem Trierer Hauptmarkt sah ich zufällig durch einen Torbogen (Pfeil im unteren Bild) dieses schöne Hausnummern-Relief an einem Eingang im Hof des Gebäudekomplexes der Markt- und Stadtkirche St. Gangolf. Und die interessante Ziffer 4 darin erforderte natürlich umgehend, dass ich durch das zufällig offenstehende Hoftor ging und sie für meine Sammlung dokumentierte. 🤓 🔠 ⛪️