Heute hole ich zwei nostalgische typographische Fundstücke aus Uelzen aus meiner Montagsbonbon-Schublade, die nicht nur interessante Vertreter der Glanzzeit der (Neon)-Schreibschrift-Fassadenschriftzüge darstellen, sondern noch etwas anderes gemeinsam haben. Ja, es gibt sogar noch ein drittes Fundstück, das ich vor gut einem Jahr, im Beitrag vom 22.09.2025, gepostet hatte und das ebenfalls diese spezielle Eigenheit aufweist.


Die Gemeinsamkeit aller drei Fundstücke ist das besonders dynamisch wirkende k, dessen Bein außergewöhnlich weit unten angesetzt ist und das deshalb extrem flach nach rechts ausschwingt. Ich mag diese Form, sie assoziiert bei mir Tatkraft, Engagement, Aufbruch und Fortschritt – typische Zeitgeist-Attribute der Wirtschaftswunderjahre, aus denen diese Werbeinstallationen sehr wahrscheinlich stammen.
Bei den Buchstaben der Apotheke mag ich auch den unkonventionellen Bogen am p, der – so ganz anders als üblich – nach unten statt nach oben zeigt und sich fast ein wenig bockig zu weigern scheint, die ihm eigentlich zugewiesene Verbindung zum o herzustellen. Auch das zackig in einem Zug »hingeschriebene« t passt gut dazu.
Mit der Gesamtwirkung bei Dedekind hingegen fremdele ich ein wenig. Am meisten stören mich die beiden Lücken hinter D und i. Ich vermute, dafür waren die installierenden Handwerker*innen verantwortlich, denn das »nd«-Element sitzt nicht nur zu weit rechts, sondern auch etwas zu tief. Auch, dass die vertikalen Striche in fast allen Buchstaben unterschiedliche Neigungswinkel haben und die Enden der Striche mit verschiedenen Rundungen und Winkeln abschließen, irritiert. Und nicht zuletzt könnte das D ebenfalls ein bisschen größer sein; es wirkt in meinen Augen neben dem Rest des Schriftzuges etwas zu schüchtern.
Aber wie sagt man – »Nobody’s perfect«. Und so ein schickes progressives k ist ja an sich auch schon was. 🤓 🔠 ✍️

Schreib einen Kommentar