verknallt in Schrift und Buchstaben

Kategorie: Antiquitäten (Seite 1 von 19)

Von Vintage über historisch bis antik, in Stein gemeißelt, gemalt, als Relief oder traditionell gedruckt – in dieser Kategorie landet alles, was garantiert schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat.

23.10.2026

Am heutigen Freitag hole ich noch einmal ein Fundstück aus Uelzen aus meinem Bestand. Fotografiert wurde das Motiv Anfang August 2026. Die interessante Neonreklame an der Ladenfassade eines einst dort ansässigen Juweliers und Uhrmachers weckte mein Interesse zunächst recht allgemein, aber bei näherer Betrachtung ergaben sich noch mehrere interessante Details beim Design und der Umsetzung dieses Schriftzuges.

Die erste der beiden zuerst auffallenden Besonderheiten bei der Schriftart ist der ungewöhnlich starke Neigungswinkel der Buchstaben von ungefähr 34°. Üblicherweise bewegt sich die Schrägstellung für eine Kursivschrift zwischen 8° und 15°, wenn man von Ausnahmen wie experimentellen Schriften oder Hand- und Schreibschriften absieht. Die zweite Besonderheit sind die Verbindungen zwischen den Buchstaben, die eine Schreibschrift andeuten, aber der Grundcharakter der Schrift ähnelt dennoch eher einer schmalen serifenlosen Linear-Antiqua, wie beispielsweise der – nicht kursiven – »DIN Condensed Demibold« (Isabella Chaeva für Paratype, 2020) oder der »Opinion Pro ExtraCondensed Bold Italic« (Oleh Lishchuk, Mint Type, 2017).

Erst als ich nachfolgend den Schriftzug nachzuzeichnen begann, entdeckte ich dann die dritte Besonderheit. Diese fällt nämlich erst in dem Moment so richtig ins Auge, wenn die Neonschrift aktiviert wird: Im Gegensatz zu den schreibschriftartig miteinander verbundenen Buchstaben des Schriftzugs der Metalleinfassung sind die aus den Leuchtröhren geformten Buchstaben nicht miteinander verbunden. Im folgenden Bild habe ich zur besseren Ansicht die Form des Gehäuses sowie die Neonbuchstaben einmal separat nachgezeichnet.

Eine aktuell erhältliche und zeitlich passende Schriftart, die der »Schreibschrift-Variante« des Schriftzuges entspricht, konnte ich nicht finden. Eine sehr entfernte Ähnlichkeit sehe ich bei der erst jüngst erschienenen Schrift »Badwill« des indonesischen Designers Febrie Setiawan (Marvatype, 2026), wobei insbesondere G und s jedoch stark abweichen und die Schrift insgesamt »schreibschriftiger« wirkt.

Leider konnte ich im Internet auch kein Foto der Ladenfassade bei Nacht finden. Es hätte mich nicht nur interessiert, wie der beleuchtete Schriftzug im Dunkeln aussieht, sondern auch, in welcher Farbe die Buchstaben leuchten. Ich würde vermuten, dass ein Geschäft mit dem Titel »Goldhaus« keine blauen, grünen oder roten Neonröhren wählt, sondern eher ein passendes Gelb oder Goldgelb. Aus Neugier habe ich auch eine solche nicht auffindbare nächtliche Ansicht gemäß meiner Vermutung einmal simuliert – zunächst anhand der Form der innen freiliegenden Neonröhren.

Wäre dies die ursprünglich angebrachte Leuchtschrift-Installation, entspräche der Schriftzug einem »Hybrid«, bei dem tagsüber eine Schreibschrift-Anmutung zu sehen ist und nachts unverbundene Einzelbuchstaben. Sicherlich ist diese Umsetzung der Neonbuchstaben auch technisch bedingt – vielleicht, weil es teurer oder komplizierter gewesen wäre, die Röhren in Form des verbundenen Schriftzuges zu formen oder zu installieren.

Viel wahrscheinlicher ist es jedoch, dass die Frontseite der Metallumhausung zu einem früheren Zeitpunkt mit einer gelben diffusen Plexiglasabdeckung in Form des Schreibschrift-Logos versehen war. In diesem Fall hätten die Neonbuchstaben einfach weiß leuchten können, die Farbe wäre durch die gelbe Abdeckung entstanden und durch das Streulicht im Inneren des Leuchtkastens würden die Verbindungen zwischen den Lettern ausgeleuchtet werden. Einen Beleg für diese Vermutung habe ich nicht, hier könnten nur alteingesessene Uelzener helfen. Diese Variante hätte dann wie folgt ausgesehen.

Leider ist das Geschäft inzwischen dauerhaft geschlossen. Im Internet finden sich bezüglich der Chronik des Unternehmens kaum noch detaillierte Informationen, auch eine archivierte Website existiert offenbar nicht. Gegründet wurde der Betrieb am 01. Oktober 1892 von dem damals 28-jährigen Uhrmachermeister und Juwelier Johannes Ohmstede. Bei eBay wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags eine historische Ansichtskarte von 1931 angeboten, auf der das Ladenschild für das Geschäft »J. Ohmstede« – damals in einem Fachwerkhaus, aber bereits an derselben Adresse – deutlich erkennbar ist.

Im Laufe der Jahrzehnte ging die Geschäftsführung zunächst auf einen Hans Ohmstede, später auf einen Werner Ohmstede über. Auf einem Foto des Ladens, das laut der enthaltenen Metadaten Ende Juli 2016 angefertigt oder gespeichert wurde, ist ein Plakat neben dem Schaufenster zu sehen, auf dem das 100-jährige Firmenjubiläum erwähnt wird. Auf diesem Foto ist übrigens auch die blaue Markise vollständig zu sehen, die mein Foto nur in eingefahrenem Zustand zeigt. Die Markise ist in Mattgold mit der Schreibschrift-Variante des Ladenschriftzuges bedruckt und auf den Schaufenstern kleben Flatterbänder und Texthinweise auf einen »RÄUMUNGSVERKAUF«. Wie es scheint, übernahm ungefähr in der Zeit (Anfang 2015), in welcher dieses Foto entstanden sein könnte, ein neuer Juwelier die Geschäftsräume, der den Betrieb unter anderem Namen, aber mitsamt der Beschriftungen an der Fassade weiterführte. Doch mit Datum Mai 2023 taucht bei Google Maps dann ein Foto des Juwelierladens auf, das wahrscheinlich die endgültige Schließung ankündigt. Auf vorgehängten roten Bannern mit gelber Schrift über den Schaufenstern steht dort zu lesen »Wir schließen – Alles muss raus! Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe«.

Im Anschluss hatte eine Wohnungsverwaltung die Räume im Erdgeschoss als Bürofläche bezogen und entsprechend an den Fenstern beschriftet, doch als ich das Foto knipste, standen die Räume leer. 🤓 🔠 💍

16.10.2026

Noch einmal Potsdam. Das fotografierte typographische Fundstück besteht heute aus zwei gerahmten Kassetten an der Fassade eines Hauses in der Heinrich-Mann-Allee 23. Vor 1950 hatte die Straße einen anderen Namen und eine leicht abweichende Nummerierung, damals lautete die Adresse Saarmunder Str. 21 a.

Die beiden Inschriften auf den Flächen sind durch Verwitterung und Abblätterungen leider arg ramponiert und ein dahinter aufgetragener, älterer Schriftzug beginnt ebenfalls durchzuscheinen. Trotzdem möchte ich heute versuchen, dieses Relikt wieder lesbar zu machen und zu rekonstruieren.

Relativ gut erkennbar sind noch Fragmente des Namens und der Art des Betriebes. Der Inhaber hieß offenbar »Robert Rie…« und übte hier einst eine »Steinmetz…«-Tätigkeit aus. Ich habe im Netz nach weiteren Fotos des Hauses gesucht und wurde in der Tat fündig, wenngleich die weiteren Fotos nur aus Bildausschnitten bzw. stark verpixelten Bilddateien bestehen. In dem schlecht aufgelösten Titelbild eines Beitrags vom April 2011 im Tagesspiegel über eine angekündigte Sanierung des Gebäudes und dessen Umgestaltung zu einem Wohnprojekt ist in der Tat die komplette Beschriftung zu lesen: »Robert Riese. Steinmetz-Geschäft.« – die Punkte hinter den beiden Texten gehören tatsächlich dazu. Dass Herr Riese seine Werkstatt an dieser Adresse eröffnete, kam gewiss nicht von ungefähr, denn an der Heinrich-Mann-Allee 25 liegt direkt nebenan der 1867 eröffnete »Neue Friedhof«, geschaffen nach Plänen des berühmten preußischen Gartenkünstlers Peter Joseph Lenné. Ein Stück weiter, an der Hausnummer 106 derselben Straße, befindet sich der »Alte Friedhof« von 1736. Riese konnte seine prospektiven Kunden somit direkt in der Nachbarschaft akquirieren.

Die geisterhaft dahinter erkennbare Version benennt auf der ersten Tafel denselben Inhaber, auf der zweiten lese ich in zwei Zeilen »Ste[inme]tz Wer[kstatt]«. Der Betrieb scheint also dort eine längere Zeit tätig gewesen zu sein, zumindest lange genug, um sein Aushängeschild mindestens einmal erneuert zu haben. Anhand meines Fotos der linken Tafel habe ich einige noch einigermaßen gut erkennbare Buchstaben grob nachgezeichnet.

In historischen Adressbüchern der Stadt Potsdam taucht Herr Riese mit seiner Werkstatt – ausschließlich in Form textlicher Kurz-Einträge – erstmals im Jahr 1885 auf. Bis 1928 firmiert er unter »Riese, Robert, Steinmetzmeister«, 1930 lautet der Eintrag »Riese, Martha, Witwe« und 1934 wechselt er zu »Riese, Berta, Steinmetzgeschäft«. Wie schon öfter hier im Blog erzählen diese Einträge in kürzestmöglicher Form von dahinterstehenden familiären Schicksalsschlägen, Herausforderungen bei der Fortführung des Unternehmens und den damit verbundenen Nachfolgeregelungen bei der Geschäftsführung.

Zur Bestimmung bzw. Einordnung der Schriftart habe ich sowohl meine beiden eigenen Fotos herangezogen als auch das Titelbild einer Facebook-Gruppe zu dem zuvor bereits genannten Wohnprojekt namens »23 Riesen«.

»Der Verein 23 Riesen e.V. ist eine undogmatische, bunt gemischte Gruppe von alten und jungen Menschen, die in Potsdam ihren Traum vom bezahlbaren Wohnen in Gemeinschaft und im Einklang mit der Natur verwirklichen. Neben den beiden Wohngebäuden gehört zum Projekt ein großer Garten am Waldesrand.«

Quelle: martinswerk.de – »Projekte« | 23 Riesen e.V.

Zwar sind beide Tafeln eindeutig von Hand beschriftet worden, denn man kann noch schemenhafte Pinselstriche erkennen, aber der ausführende Schildermaler nahm sehr wahrscheinlich eine kommerziell vertriebene Schriftart vom Anfang des 20. Jahrhunderts als Vorlage. Es handelt sich um die »Behrens-Schrift«, entworfen im Jahr 1901 vom Designer und Typograf Peter Behrens (1868–1940). Behrens gilt u.a. als Erfinder der Idee des Corporate Design, die er seit 1907 in seiner Funktion als »Künstlerischer Beirat« für AEG umsetzen konnte, war 1915/1916, gemeinsam mit seiner Schülerin Anna Simons, beteiligt an der Gestaltung des Schriftzugs »DEM DEUTSCHEN VOLKE« am Berliner Reichstagsgebäude, gestaltete 1904 den amtlichen deutschen Katalog anlässlich der Weltausstellung in St. Louis/USA und entwarf auch mehrere Schriftarten. Die populäre Behrens-Schrift wurde zunächst von der Rudhard’schen Gießerei, später Gebr. Klingspor, vertrieben und fügt Elemente der Antiqua und der Fraktur zu einer eigenwilligen Jugendstil-Hybridschrift zusammen, die weiterhin den Schreibduktus eines Federkiels erahnen lässt.

Das digitalisierte Schriftmusterbuch der Rudhard’tschen Gießerei zur Behrens-Schrift beginnt mit einem ausführlichen Vorwort des Gestalters, in dem sich bereits Gedanken wiederfinden, die auf die Philosophie der 1919 gegründeten Bauhaus-Schule hindeuten:

»Es wird sich wohl heute kaum jemand mehr dem Eindruck verschließen können, daß auf allen Gebieten, die irgend eine Beziehung zu einer künstlerischen Fürsorge zulassen, sich neues Leben regt, daß alle Dinge unserer Umgebung, auch solche, die nur ganz äußeren Zwecken zu dienen scheinen, nach einer künstlerischen Berücksichtigung rufen. Wir haben das Verlangen, den überflüssigen Tand von uns weg zu tun und an seine Stelle das Praktische, Gediegene zu setzen, das seine Zweckmäßigkeit deutlich zur Schau trägt und seine Brauchbarkeit und Tüchtigkeit kennzeichnet.«

Quelle: »Behrens – Schrift und Zierat« (1902), Digitalisat der Universitätsbibliothk Heidelberg, S. 8

Und tatsächlich arbeitete Behrens wenige Jahre später mit einigen der bedeutendsten Wegbereiter des Bauhaus in seinem eigenen Berliner Architekturbüro zusammen.

»1907 zieht Behrens nach Berlin und eröffnet ein Architekturbüro, in dem alle bedeutenden Architekten der Moderne zusammen arbeiten: Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier. Im Oktober 1907 gründet er mit anderen Künstlern in München den Deutschen Werkbund. Anspruch ist es, eine ebenso standardisierte und sachliche wie ästhetische und qualitätvolle Formensprache für Industrieprodukte zu entwickeln.«

Quelle: visitberlin.de – »Architekten der Moderne«

Von der Behrens-Schrift existieren mehrere digitalisierte Fassungen unterschiedlicher Qualität und Formtreue, zum Beispiel von Solotype (Dan X, 2003), URW (Ralph Michael Unger, 2007), ingofonts (Ingo Zimmermann, 2008), Tipografos (Paulo Heitlinger, 2012) und als Freefont von Dieter Steffmann (2002).

Da der Schriftzug »Steinmetz-Geschäft« bei der Übermalung des ersten Schriftzuges in der rechten Fassadentafel statt in zwei Zeilen in einer untergebracht wurde, benötigte der Schildermaler eine passende, sehr eng laufende Schrift, mit welcher der Text auf dem begrenzten Platz unterzubringen war. Dafür scheint er selbst eine »Compressed«-Variante der Behrens-Schrift ausgearbeitet zu haben, denn die Formen der Buchstaben bleiben dem Original aus der linken Tafel sehr ähnlich, am besten zu erkennen ist das bei den Zeichen e, S/s und t.

Ich habe auf Basis der Behrens-Schrift und aller verfügbaren Fotos versucht, eine ungefähre Rekonstruktion der beiden Tafeln anzufertigen. Bei genauer Betrachtung der Fotos kann man außerdem erkennen, dass beide Schriftzüge mit etwas Abstand mit einer Art linearem Schatten in einem helleren Farb-/Grauton hinterlegt sind. Auch dieses dekorative Element floss in meinen Wiederherstellungsversuch ein.

Zur Zeit der Veröffentlichung der Behrens-Schrift wurden eine ganze Reihe ähnlicher Hybrid-Typen zwischen Fraktur und Antiqua, teils mit Elementen des Jugendstils, gestaltet. In dem Buch »Ausgewählte Druckschriften in Alphabeten« aus dem Jahre 1912 finden sich jedenfalls etliche Verwandte, unter anderem »Neudeutsch« (Otto Hupp, Genzsch & Heyse, 1900), »Augsburger Schrift« (Peter Schnorr, Berthold, 1901/1903), »Neugotisch« (Willi Wegener, Flinsch, 1903/1907), »Reichsdeutsch« (Wilhelm Gronau, 1904) und »Salzmannschrift« (Max Salzmann, Schelter & Giesecke, 1907).

Ich gehe daher davon aus, dass auch die neu gemalten Aushängeschilder der Steinmetzwerkstatt von Robert Riese etwa im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts angefertigt wurden. Und damals lag ihr Design mit Sicherheit voll im typographischen Trend. 🤓 🔠 ⚒️ 🪦

09.10.2026

Bezüglich des heute präsentierten typographischen Fundstücks möchte ich Kritik und Lob in der Waage halten. Gegenstand der Betrachtung ist ein Schriftkunstwerk an der Westfassade des Potsdamer Stadtschlosses, das mittlerweile den Landtag Brandenburg beherbergt. Der goldene geschwungene Schriftzug »Ceci n’est pas un château.« (»Das ist kein Schloss.«) befindet sich außen, zwischen dem 1. und 2. Obergeschoss.

Das Bauwerk sieht zwar aus wie das historische preußische Stadtschloss, beherbergt im Inneren jedoch ein modernes Parlamentsgebäude und dient heute als demokratischer Arbeitsort statt als königliche Residenz. Der Spruch soll ironisch darauf aufmerksam machen, dass der Neubau inklusive der Fassade eine moderne Rekonstruktion ist und das Gebäude eine neue Funktion hat. Das ursprüngliche Potsdamer Stadtschloss war 1662–1669 an gleicher Stelle errichtet worden und wurde Ende des Zweiten Weltkrieges durch einen alliierten Bombenangriff zerstört.

Anlässlich großer öffentlicher Baumaßnahmen wie dieser stellt das Land Brandenburg Gelder für »Kunst am Bau« bereit. Damit soll durch projektspezifische, speziell für den jeweiligen Ort bzw. die jeweilige Architektur konzipierte Kunst ein kultureller Mehrwert geschaffen und zugleich Kunst und Kultur gefördert werden. Auch für das wiedererrichtete Potsdamer Stadtschloss wurde 2011 ein Wettbewerb für »Kunst am Bau« ausgelobt.

Die Idee zu dem Schriftobjekt war eine Einreichung der Potsdamer Künstlerin Annette Paul, die damit den 2. Preis des Wettbewerbs gewann und mit ihrem Werk auf das berühmte Gemälde »La Trahison des images« (»Der Verrat der Bilder«) des Surrealisten René Magritte aus dem Jahr 1929 anspielt. Die typographische Skulptur aus in Ton modellierten und mit Blattgold überzogenen Stucklettern wurde 2013 an der Fassade installiert.

Bei der Bestimmung der Schriftart half mir diesmal ein winziges Detail, nämlich die rautenförmige Form der Punkte über dem i und am Ende des Satzes. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich bei der Schriftvorlage um die »Excelsior Script« handelt, die im Jahr 1906 von der Niederländischen Schriftgießerei Lettergieterij Amsterdam herausgegeben wurde. Die elegante Schreibschrift, die zu einer ganzen Gruppe sehr ähnlicher Varianten gehört, wie etwa »Künstlerschreibschrift« (aka »Künstler Script«, D. Stempel AG, 1902) oder »Palace Script« (Stephenson Blake, 1923) ist keine handschriftliche kalligraphische Schreibschrift, sondern basiert auf englischen und französischen Kupferstich-Schreibschriften des 18. und 19. Jahrhunderts. Die Wahl einer Schriftart aus dieser historischen Kategorie der »Écritures calligraphiques« ist vermutlich auch eine Reminiszenz an den Baustil des Schlosses, ein Hauptwerk des sog. »Friderizianischen Rokoko« unter Friedrich dem Großen, dessen Vorbilder in der französischen Architektur und Hofkunst des 18. Jahrhunderts und den Schloss- und Palaisbauten in Paris und Versailles liegen.

Von der gewählten Schrift existiert eine digitalisierte Version mit dem Namen »OPTIExcelsiorScript-Semi« auf Basis einer Bleisatzversion des Anbieters »Typefounders of Chicago« aus dem Jahr 1960. Die digitalisierte Familie wurde 1990/1991 mit zwei Schnitten veröffentlicht von dem offenbar etwas dubiosen Unternehmen Castcraft Software.

»Castcraft was notorious in the sixties and seventies for pirating film fonts for headline setting machines (…).«

»(…) virtually all of them are based on designs by others, made and distributed without authorization and without compensating the original designers (…).«

Quelle: luc.devroye.org – Zitat-Ausschnitte zur Firma CastCraft Software Inc. von Mark Simonson (oben) und Florian Hardwig (unten)

Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass die Schriftzüge oben im Bild nicht 100%ig übereinstimmen – es gibt Abweichungen beim Apostroph und beim Accent circonflexe über dem a in »château«. Beide Abweichungen finde ich jedoch – nun folgt das Lob – formal ansprechender als die Umsetzung in der digitalisierten Schriftprobe. Das integrierte Apostrophzeichen im Font »OPTIExcelsiorScript« sieht einem Accent aigu ähnlicher als der üblicheren Form eines »schwebenden Kommas« und ist zudem sehr weit oben positioniert, so dass es fast davonzufliegen scheint. Beides war bei Schreibschriften dieser Art zwar nicht unüblich (ich habe in historischen Schriftmusterbüchern nachgesehen), aber für heutige Sehgewohnheiten sieht es m. E. etwas »falsch« aus. Insofern gefällt mir die tiefer platzierte und etwas gekrümmter angelegte Form des Apostroph besser. Auch der aus meiner Sicht besser an die extreme Schrägstellung der Schrift von ca. 40° angepasste Accent circonflexe passt für mein Empfinden besser zu den Buchstaben als die Form in dem Computerfont.

ABER – und nun folgen meine zwei kleinen Mäkeleien – ich hätte den Apostroph ein gutes Stück weiter links platziert. Sprachlich ist er in dieser Konstellation nämlich ein Auslassungszeichen innerhalb der ausgeschriebenen Wortkombination »ne est«. Das erste e wird aufgrund des Aufeinandertreffens zweier Vokale weggelassen und diese Auslassung mit dem Apostroph gekennzeichnet. Das ist im Französischen sehr oft der Fall, wie etwa auch bei l’ami, l’eau oder n’écoute. Vor und nach dem Apostroph steht dann kein Leerzeichen.

Die zweite Mäkelei betrifft das Schluss-s im Wort »pas«. Daran befindet sich rechts noch ein aufwärts führender Verbindungsstrich, der bei dieser Schreibschrift eigentlich einen flüssigen Übergang zum folgenden Buchstaben ermöglichen soll – obwohl das betreffende Wort hier endet und gar kein weiterer Buchstabe folgt. Besser wäre gewesen, ein Schluss-s aus dem Zeichensatz zu nutzen (oder manuell auszuarbeiten), bei dem dieser Verbindungsstrich gar nicht angelegt ist. Im Schriftmusterbuch der oben erwähnten Lettergieterij Amsterdam ist ein Wort in der »Excelsior Script« mit einem korrekten Schluss-s zu finden:

Wären diese beiden Kritikpunkte bei dem Schriftzug an der Fassade berücksichtigt worden, sähe er so aus:

Ich fände diese Variante noch ein Ideechen »plus chic« – aber trotzdem ist es natürlich auch so ein originelles und stilistisch sehr passendes Kunstwerk. 🤓 🔠 🏰

28.09.2026

Fürs Montagsbonbon an diesem Morgen bleiben wir in Kopenhagen, wo ich auf dem Weg von einem Klavierkonzert im Rahmen des »Frederiksberg Festspil«-Kulturfestivals zurück in die Innenstadt an einem prächtigen eierlikörfarbenen Haus mit diesem wunderschönen Hausnummernornament vorbeikam. Solche verzierten Bereiche oberhalb von Türen und Eingängen, so lernte ich, werden in der Architektur als »Supraporte« bezeichnet und enthalten oft »… sehr kunstvolle Steinmetz- und Stuckarbeiten mit Ranken-, Roll- und Knorpelwerk«. Knorpelwerk – welch famoses Wort!

Das sechsgeschossige Haus aus dem Jahr 1906 wurde von den Architekten Henrik Aage Langeland-Mathiesen (1868–1933) und Ulrik Plesner (1861–1933) entworfen, die gemeinsam für die Gestaltung mehrerer Gebäude im Straßenzug Vodroffsvej verantwortlich zeichneten. Es ist bei der Dänischen Denkmalschutzbehörde als erhaltenswertes Bauwerk von herausragender handwerklicher und kulturgeschichtlicher Bedeutung eingestuft.

Sowohl der geschwungene, »gebrochene« Segmentgiebel über dem Ornament mit seiner kannelierten (gerillten) Front als auch der Baustil des in der Gründerzeit entstandenen Hauses legen eine Zuordnung zum Historismus (Neobarock/Barockklassizismus) nahe. Viele bis heute erhaltene Wohnhausfassaden dieser Zeit in Kopenhagen wurden in einem ähnlichen Stil erbaut. Auch die Hausnummer als integriertes Kartuschen-Element in der Mitte eines solchen Zierreliefs war um 1900 beliebt – die Zahl darin wird durch eine verzierte Form der Ziffern selbst zum Bestandteil des Ornaments. Das umrahmende stilisierte Blattwerk und die kugelförmigen Elemente darin sind Zitate klassischer Rocaille-Formen, wie sie im 18. Jahrhundert in Kopenhagen an Adelspalais oder bürgerlichen Barockfassaden verwendet wurden.

Bei der Ziffer 4 in dem fotografierten Fundstück fiel mir auf, dass ich in Dänemark schon öfter diese besondere Form beobachtet habe, bei der der Querstrich im Stamm endet, anstatt ihn zu überkreuzen. Diese Ziffernform findet sich z.B. auch bei einigen modernen, im Land genutzten Schriftarten wieder, etwa jenen, die auf dänischen Kfz-Kennzeichen vorkommen. Auch die Hausschrift »Via« der dänischen Eisenbahngesellschaft DSB (Bo Linnemann, 1997) enthält so eine 4. Warum es eine eventuelle, spezifisch dänische Vorliebe für diese Formvariante geben könnte, kann ich allerdings nicht sagen. Vielleicht ist die 4 bei den Zahlen das für die Dänen, was für sie bei den Buchstaben das kleine g ist – ein gern genutztes Spielfeld ihrer ganz eigenen typographischen Identität. 🤓 🔠 🇩🇰

25.09.2026

Als ich vor wenigen Wochen in Kopenhagen war, führte mich mein Weg an einem der Tage in das kiezige Szeneviertel Nørrebro, das mich ein wenig an Belin-Kreuzberg erinnert. Auf der etwa anderthalb Kilometer langen Wegstrecke zwischen den Metrostationen Nørrebros Runddel und Nørrebro ließ ich natürlich sowohl an der Hauptstraße als auch in die kleinen Seitenstraßen hinein meinen Blick schweifen, um schöne neue typographische Fundstücke zu finden. Und in der Nebenstraße »Sorgenfrigade« entdeckte ich oberhalb eines Schaufensters dieses farbenfrohe alte Schild:

In den Geschäftsräumen an dieser Adresse befindet sich mittlerweile kein Geschäft mit »Möbel-Ausverkauf« mehr, sondern die Kopenhagener Niederlassung des 2018 gegründeten dänisch-guatemaltekischen Social-Business-Labels »Pura Utz«. Statt Sofas, Tischen und Stühlen zum Sonderpreis werden in dem Laden nun Perlentaschen, Modeschmuck und andere Accessoires angeboten, die im Auftrag der beiden Gründerinnen Bernabela Sapalú (🇬🇹) und Anna Waller Andrés (🇩🇰) von fair entlohnten Kunsthandwerker*innen in Guatemala gefertigt werden.

Das handgemalte Schild ist vom Zahn der Zeit mittlerweile ziemlich angenagt worden, aber die Farben wirken noch frisch und leuchtend. Die Schrift mit den kurzen Ober- und Unterlängen und der prägnanten x-Höhe entspricht keiner mir bekannten kommerziellen Type. Die auffälligsten Besonderheiten des Schriftzuges sind das weit gespreizte M, der Querstrich im ø, der nicht über die Zeichenkonturen hinausragt, das kleine b, dessen senkrechter Hauptstrich nicht auf der Grundlinie aufsetzt, sondern in der Rundung des Bauchs aufgeht, die extrem eng ausgestalteten oberen Bögen bei s und a sowie die gestutzte Unterlänge des g. Bei der Rekonstruktion der abgeblätterten Regionen der Buchstaben war das U die größte Herausforderung, denn durch den stark beschädigten Farbauftrag war seine ursprüngliche Form nicht mehr auf den ersten Blick identifizierbar. Entweder besaß es nur einen »normalen« einfachen unteren Bogen, oder aber – zwar eher selten vorkommend, aber möglich – einen zusätzlichen senkrechten Abstrich auf der rechten Seite, wie es z. B. beim »Alternates«-Schnitt der Schriftart »Montserrat« (Julieta Ulanovsky, Google Fonts, 2011) als alternative Zeichenform angelegt ist.

Zum Glück konnte ich im Netz jedoch noch ein weiteres Foto des Werbemotivs finden, bei dem die Verwitterung noch nicht so weit fortgeschritten war und somit war die korrekte Form des U geklärt. Auf diesem Foto aus dem Jahr 2022 ist außerdem erkennbar, dass zuvor in den Räumen ein Waschsalon betrieben wurde, denn auf den mit Packpapier verhängten Schaufenstern finden sich diesbezüglich noch aufgeklebte Angebotstexte.

Auf den ersten Blick leicht zu übersehen, aber beim Nachbauen um so offensichtlicher wurde das Detail, dass der orangerote 3D-Schatten hinter dem Schriftzug nicht konsequent den Formen der gelben Buchstaben folgt. Schaut man sich die Innenräume in den Schattenformen der Zeichen ø, b, e, d, a und g an, bemerkt man, dass diese teilweise deutlich kleiner ausfallen als bei den Buchstaben im Vordergrund – wohl etwas künstlerische Freiheit seitens des Schildermalers bzw. der Schildermalerin.

Zu dem früher dort präsenten Möbel-Outlet war in den Weiten des Internet kaum etwas zu finden – insbesondere keine weiteren älteren Fotos oder Werbeanzeigen. In digitalisierten historischen Telefonbüchern aus dem Bestand der Kopenhagener Bibliothek fand ich zu der Adresse immerhin textliche Einträge, die dafür sprechen, dass ein dort bereits ansässiger Möbeltischlermeister namens Carl Andersen sich 1934 mit einem Kollegen namens Axel Christian Lund zusammenschloss. Ab 1935 bis zum Jahr 1963 firmierte der Betrieb an dieser Adresse dann unter »Lund A Chr. Møbelhdl.«. 1964 wechselt der Firmenname für ein Jahr zu »Schiller Benny Møbelh.«, danach finden sich keine Einträge mehr für diese Branche.

Gehen wir also davon aus, dass das gemalte Motiv ein Überbleibsel der fast 30jährigen Geschäftstätigkeit der beiden Möbeltischler ist. Und für sein Alter von mindestens 63 Jahren sieht es eigentlich noch recht frisch aus. 🤓 🔠 🪑

11.09.2026

Es gibt Menschen, die lieben Jahrmärkte wegen der Bierzelte, wegen Lebkuchenherzen, gebrannten Mandeln, Liebesäpfeln oder Zuckerwatte, wegen Fischbrötchen, Crêpes oder Wurstsemmeln. Andere begeistern die unzähligen Fahrgeschäfte: von der Geisterbahn, dem Spiegelkabinett, Autoscooter, Riesenrad, Achterbahn, Kettenkarussell und all die anderen Vorrichtungen, mit denen kreischende Insassen rauf und runter oder in allerlei wahnwitzigen Orbitalbahnen herumgeschleudert werden.

Das meiste davon lässt mich weitgehend kalt. Bier trinke ich lieber aus den gut sortierten Zapfhähnen einer Craft-Bier-Bar, Süßigkeitenexzesse habe ich mir abgewöhnt, das Preis-Genuss-Verhältnis der meisten Imbiss-Snacks auf Jahrmärkten halte ich für suboptimal und in Freifall-, Kreisel- oder Schleudermaschinen wird mir zügig blümerant.

Was ich jedoch liebe, sind Volksfeste mit einem besonderen, reservierten Bereich für fahrende Händler. Auf hemmungslos mit Waren in allen Varianten überladenen Ständen bieten sie Mützen und Hüte, Gürtel, Socken, Duftöle und Seifen, Kräutermischungen, Tees und Gewürze, Modeschmuck, Dekoartikel, Spielwaren, Töpfe und Küchenzubehör an. Stundenlang kann ich an den Auslagen dieser Buden entlangschlendern, in den kuriosen und interessanten Artikeln stöbern und Utensilien, Markennamen oder Verpackungen entdecken, wie sie nirgendwo im Einzelhandel zu finden sind. Bisweilen habe ich auch schon das eine oder andere gekauft, zuletzt etwa ein rundes Fett-Spritzschutzgitter in Übergröße für meine Wokpfanne und einige angenehm duftende natürliche Aromaöle für die heimische Sauna.

Einer der Jahrmärkte mit einem solchen Händlerareal ist die Dult in Regensburg, und bei einer Kurzreise über Pfingsten nutzte ich natürlich die Gelegenheit für einen Bummel durch die besagten bunten Budengassen. An einem der Stände mit allerlei Edelstahlgerät – Messer, Zahnarztinstrumente, Scheren, Nagelfeilen, Pinzetten etc. – bemerkte ich ein Holzkästchen mit einigen altertümlich anmutenden, aber sehr schönen (und auch typographisch interessanten) Rasierklingenpäckchen. Und die wollten natürlich sofort fotografiert werden.

Nicht nur die Optik der in verschiedenen Purpurtönen bedruckten Schachteln ließ vermuten, dass sie schon einige Jahrzehnte alt sein dürften, sondern auch die Tatsache, dass die Glanzzeit der Messer- und Klingenherstellung in Solingen bereits eine Zeit lang zurückliegt.

Die Geschichte des Schneidwarenhandwerks in Solingen reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Wasserreiche Bäche der Wupper trieben die Schleifmühlen an, reichliche Vorkommen an regionalem Eisenerz und Holz aus den Wäldern begünstigten das dichte Netz an Werkstätten, Fabriken und Manufakturen. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert stieg Solingen zur wichtigsten Produktionsstätte für Schneidwaren weltweit auf. Die Herkunftsangabe »Solingen« auf Produkten und Verpackungen wurde zum weltweiten Gütesiegel. Der Name der Stadt ist sogar als Marke gesetzlich geschützt und seit 2012 führt sie den offiziellen Zusatz »Klingenstadt«.

Doch sowohl die Massenproduktion als auch die handwerkliche Fertigung gerieten ab dem späten 20. Jahrhundert durch billigere Konkurrenzprodukte und minderwertige Plagiate aus Asien massiv unter Druck. Viele Traditionsbetriebe mussten schließen, fusionieren oder sich komplett neu erfinden. Trotz aller Widrigkeiten jedoch behauptet sich Solingen bis heute als weltweiter Standort für hochwertige Messer und Haushaltswaren. Etwa 90 % der deutschen Schneidwaren- und Besteckbranche sind nach wie vor in der Region ansässig.

In digitalisierten Solinger Adressbüchern aus den Jahren 1938 und 1953 finden sich allein in der Rubrik »Rasierklingen(fabriken)« jeweils etwa 80–90 Einträge; in der jüngeren Ausgabe lautet einer davon »Pott & Co. · Tizian – Milano – Rio – Rekord · Burgstr. 37«. Dass der Markenname »RECORD« auf dem oben abgebildeten Päckchen mit C geschrieben wird, scheint dabei keinen Unterschied zu machen, denn auf dem Sammlermarkt mit Retro-Rasierklingen (ja, auch ich lernte bei der Recherche zu diesem Beitrag: so etwas gibt es!) werden orangefarbene und ebenfalls in derselben Schriftart mit »RECORD« bedruckte Chargen mit Klingenschachteln angeboten, auf deren enthaltenen, einzeln verpackten Klingen dann kurioserweise »REKORD« mit K steht, dazu die Jahresangabe »1952«. Diese Datierung würde ich auch in etwa der Produktion der von mir fotografierten Klingenschachteln zuordnen. Zwei der im Internet kursierenden Druckmotive mit unterschiedlicher Schreibweise auf den Klingen selbst habe ich hier einmal rekonstruiert:

Die Schriften sowohl auf den Klingen (die ich für den Beitrag hier bewusst außer Acht lasse) als auch auf den farbig bedruckten Kartonschachteln werden durch das gewählte Druckverfahren, vermutlich der sog. »Flexodruck«, nicht sauber dargestellt, da durch die elastischen Druckklischees beim Druckprozess Quetschränder zu den unbedruckten Flächen hin entstehen, die die Formkanten ausweiten und z.T. zulaufen lassen. Auf vielen Fotos der alten Klingen wirken die Buchstaben, wie auch hier, zudem noch verschmiert oder verwischt, möglicherweise bedingt durch die Geschwindigkeit, mit der sie durch die Druckvorrichtung laufen. Ich kann nicht sagen, ob Rasierklingen heute noch exakt so produziert werden wie damals, aber es scheint plausibel, dass viele Fertigungsschritte sich nicht wesentlich verändert haben.

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Für die Schriftarten auf den Kartonschachteln konnte ich in den mir zugänglichen Quellen und Musterverzeichnissen keine hinreichend ähnliche Entsprechung finden, sodass ich davon ausgehe, dass die Schriftzüge eigens für die Verpackungen entworfen wurden. Dafür spricht auch, dass doppelt vorkommende Buchstaben, wie P (bei »Wappen«) und R (bei »RECORD«) im Detail unterschiedlich aussehen. Auch die, wie ich finde, sehr gekonnt kalligraphisch anmutende Gestaltung der einzelnen Buchstaben des Wortes »Klinge« und deren dekorative Schwünge könnten ein Indiz dafür sein.

Bei dem etwa mit 20° geneigten Schriftzug »RECORD« finden sich an den Enden der Striche ähnliche, an trockene Pinselspuren erinnernde Ausfaserungen wie bei der recht bekannten Schrift »Reporter«, die 1938 von Carlos Winkow für die Schriftgießerei Johannes Wagner entworfen wurde. Eine spätere Version von Linotype mit dem Namen »Reporter No. 2«, die in den 1980er-Jahren bei Letraset auch in Form von Rubbelbuchstaben erschien, verzichtete auf die Pinselstrukturen innerhalb der Buchstaben und ließ die Schrift kompakter erscheinen.

Die auffälligsten Besonderheiten des »WAPPEN«-Schriftzugs sind aus meiner Sicht die nur in eine Richtung »wehenden« Serifen an A, P und N, die oben markant herausragende Spitze des W und vor allem das unten gerundete E. Die »Romic« etwa (Colin Brignall für Letraset, 1979) weist ähnliche asymmetrische Serifen auf. Einzeln sind solche Merkmale bei diversen Schriftarten anzutreffen, vereint in einer Type konnte ich sie jedoch nicht finden.

Die Blütezeit der Rasierklingenproduktion in Solingen, die auch durch das Aufkommen moderner Elektrorasierer in den 1960er-Jahren ihrem Ende entgegenging, war auch gekennzeichnet durch ein buntes Potpourri zeitgenössischer Markennamen wie Flirt, Element, Punktal, Cosmeta, Dozent, Birko, Rotbart, Timor, Romi, Extase, Amboss, Azur, Excentric, Damocles, Sonnal Markanto, Hammond, FAMA oder Herrenstolz. Ebenso phantasievoll waren die – natürlich oft gereimten – Reklamesprüche in Anzeigen und auf Werbeplakaten: »Rasier Dich ohne Qual – mit Punktal«, »Mit ›ROMI‹ Klingen – ein gut’ Gelingen!« oder »Deine Wahl: nur Sonnal«.

Und wenn ich diese amüsanten Retro-Marketingfragmente so lese, kann ich die Sammelleidenschaft der Fans dieser kuriosen Körperpflegeantiquitäten tatsächlich ein bisschen verstehen … 🤓 🔠 🪒

07.09.2026

Das typographische Bonbon am Montag fällt mal wieder in die Kategorie »Schriftschatten«. Das sind Fundstücke, bei denen nur noch Verwitterungsspuren, Farbreste, Aussparungen im Wandputz oder ähnliche Überbleibsel erahnen lassen, wie ein einst angebrachter Schriftzug einmal ausgesehen hat oder ausgesehen haben könnte. Es gab hier im Blog schon einige Beispiele dieser Art, etwa den Schatten der Beschriftung an einer einstigen Karstadt-Filiale.

Der Schriftschatten heute stammt aus der Fußgängerzone in Uelzen, wo ich kürzlich aufgrund eines unfreiwillig verlängerten Umsteigehaltes bei einer Zugfahrt etwas Zeit zum Herumstromern in der Innenstadt hatte.

Wahrscheinlich handelte es sich bei der früheren Installation um zwei be- oder hinterleuchtete Schriftzüge. Ich folgere dies daraus, dass die »Unterstreichung« der zweiten Zeile auf eine Kabelschiene hindeutet, welche die Leuchtelemente in den einzeln stehenden Buchstaben von unten mit Strom versorgte. In der ersten Zeile sind die Schreibschrift-Buchstaben auch ohne eine solche Schiene miteinander verbunden, sodass die Verkabelung ohne ein zusätzliches Verbindungselement möglich war.

Wie lange es her ist, dass die Beschriftung abgenommen wurde, konnte ich nicht ermitteln, da ich online keine Fotos des Gebäudes auffand, auf denen sie noch vorhanden war. Auch auf einem Foto bei Google Maps vom April 2022 ist sie bereits demontiert. In einer alten Broschüre »Dein Bundesgrenzschutz-Standort UELZEN« aus dem Jahr 1968 hatte der Versicherungsmakler jedoch bereits sein Büro an dieser Adresse eröffnet, denn er wirbt mit einem Inserat in dem Heft für seine Dienste. Vielleicht befand sich auch damals schon seine Leuchtreklame an dem Gebäude – der Stil der Schreibschrift jedenfalls würde aus meiner Sicht gut in die Zeit der späten 1950er- bis frühen 1970er-Jahre passen.

Der Namensschriftzug an der Fassade ist sehr wahrscheinlich ein individueller Entwurf. Die Buchstaben in der zweiten Zeile erwecken zwar auf den ersten Blick den Eindruck, aus einer kommerziellen Schriftart gesetzt zu sein, aber es gibt einige Ungereimtheiten. So wirken etwa H, U und N im Vergleich zu den restlichen Zeichen viel zu schmal. Ungewöhnlich ist auch, dass die Enden der Bögen im S nahezu waagerecht abzuschließen scheinen, die Bögen bei C und G jedoch deutlich diagonale Strichenden haben. Üblicherweise finden sich bestimmte Winkel, Proportionen und Gestaltungsmerkmale bei einer Schriftart an formverwandten Zeichen im gesamten Glyphenrepertoire durchgängig wieder. Ich vermute daher, dass zwar eine bestimmte Schriftart als Vorlage für den Werbeschriftzug gedient haben könnte, aber die ausführenden Werbetechniker*innen diese frei interpretiert haben.

Die nächsten Verwandten zum Schriftbild der Unterzeile, die ich finden konnte, sind die »Avant Garde Gothic Condensed Demi Bold« (Ed Benguiat für ITC International Typeface Corporation, 1974) und die »Flink Neue Compressed Bold« (Moritz Kleinsorge, Identity Letters, 2023). Letztere wurde zwar erst nach Schließung des Versicherungsbüros veröffentlicht, orientiert sich jedoch an frühen Klassikern aus der Gruppe der geometrischen serifenlosen Schriften aus den 1920er-Jahren wie Futura, Erbar und Kabel – und an der Avant Garde Gothic.

Mehr war über Herrn Lange und sein Gewerbe diesmal leider nicht in Erfahrung zu bringen. Und sollten irgendwann auch noch die Bohrlöcher in der Fassade zugespachtelt und übermalt werden, verschwänden auch noch diese öffentlich verbliebenen Spuren seiner einstigen Geschäftstätigkeit. 🤓 🔠 🫥

04.09.2026

Viele der hier präsentierten typographischen Fundstücke sind verhältnismäßig groß. Sie überspannen komplette Hausfassaden, sind aus teils meterhohen Buchstaben gefertigt und fallen Vorbeigehenden meist sofort ins Auge. Das aktuelle Beispiel hingegen stammt von einem kleinen Messingschild, an dem vermutlich die meisten Passanten entweder vorbeilaufen oder es sogar dann nicht bemerken, wenn sie durch den damit gekennzeichneten Hauseingang das Gebäude betreten.

Das Schild befindet sich an einem der Eingänge am Hauptgebäude der Universität Greifswald in der Domstraße 11. Die Außenansicht des Instituts von der Straße aus kann bei Google Maps besichtigt werden. Dies ist auch der Eingang, der über das Treppenhaus direkt zum prächtigen Saal der Aula im Obergeschoss führt.

Auch ich selbst benutzte den Eingang bereits häufiger, denn seit geraumer Zeit besuchte ich im Sommer gerne u.a. das oft in der Aula stattfindende Eröffnungskonzert der jährlich stattfindenden Greifswalder Bachwoche – ein klassisches Musikfest mit einer mittlerweile 80‑jährigen Tradition, das jedes Mal bis zu 10.000 Besucher verzeichnen kann. 1945 ins Leben gerufen, ist die Bachwoche das älteste Musikfestival in Mecklenburg-Vorpommern und fand seither ohne Unterbrechung jedes Jahr statt, sogar während der Corona-Pandemie und während des Bestehens der DDR. Außer durch Landesmittel wird das Festival seit der Wende auch von Kooperationspartnern aus der Wirtschaft getragen; hinzu kommen kirchliche Institutionen sowie Gelder der Hansestadt Greifswald und der Universität.

»Die Aula befindet sich im 1750 fertiggestellten Hauptgebäude der Universität Greifswald. (…) Die Säulen, die Empore und der hölzerne Skulpturenschmuck – Arbeiten des Stralsunder Bildschnitzers Jakob Freese – sind heute in ihrem originalen Erscheinungsbild restauriert.

(…) Schon im 18. Jahrhundert gab es einen Kronleuchter und eine Rokoko-Stukkierung. Die heutige Ausführung mit ausufernder Grisaille-Malerei stammt jedoch aus den 1950er Jahren.«

Quelle: uni-greifswald.de – »Die Aula der Universität Greifswald«

Ich halte es für durchaus möglich, dass die Schriftart auf dem Schild – entweder im Original oder als inzwischen ersetzte Replik – entweder tatsächlich noch aus der Zeit der Errichtung des Gebäudes stammt oder nachfolgend, bewusst deren Stil zitierend, angefertigt wurde. Denn obwohl die Buchstaben – von den dünnen Zierlinien zwischen n und g abgesehen – nicht flüssig miteinander verbunden sind, erinnern sowohl der Strichstärkenkontrast als auch die Verzierungen an das Schriftbild der sogenannten »Anglaise« oder »Englischen Schreibschrift«, wie sie Mitte des 18. Jahrhunderts als kalligraphische Zierschrift genutzt wurde. Falls kundige Typographen, die hier mitlesen, über ergänzende oder gegenteilige Informationen zur Einordnung der Schrift verfügen, freue ich mich über entsprechende Kommentare.

Betrüblich ist jedoch, dass die Universität in Greifswald mit ihren fünf Fakultäten (Theologische Fakultät, Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, Universitätsmedizin, Philosophische Fakultät und Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät) aktuell von massiven finanziellen Kürzungen bedroht ist. Von den ca. 59.000 Einwohnern Greifswalds sind mehr als 10.000 Studierende an der bereits 1456 gegründeten Universität, die damit zu den ältesten in Deutschland zählt.

»(…) im Januar 2026 gab Rektorin Riedel bekannt, dass der Universität Greifswald im laufenden Haushalt fünf Millionen Euro fehlen. Daraufhin wurde ein pauschales Sparprogramm angekündigt, das alle Fakultäten gleichermaßen betrifft. Dazu gehören Wiederbesetzungssperren für frei werdende Stellen, die Reduzierung von Sachmitteln sowie die mittelfristige Veräußerung von Universitätsgebäuden.«

Quelle: Ostdeutsche Allgemeine – »80. Bach-Woche von Debatte um Schließung des Instituts für Kirchenmusik überschattet«

Aufgrund der finanziellen Defizite hat die Universität im Juni 2026 z.B. einen Einschreibungsstopp für die Fächer Musik und Musikwissenschaften für das Wintersemester 2026/27 verhängt, sodass keine neuen Erstsemester mehr in diesen Bereichen aufgenommen werden. Auch die Zukunft des Instituts für Kirchenmusik an der Uni, das die Greifswalder Bachwoche maßgeblich mitorganisiert, steht im Rahmen des Kostendrucks zur Debatte. Parallel gibt es Presseberichten zufolge immerhin die Zusage, dass jeder Student sein begonnenes Studium beenden kann. Ebenso sind wohl betriebsbedingte Kündigungen der Mitarbeiter derzeit nicht geplant.

Die Gelder für die Universität werden zum Großteil aus Landesmitteln im Rahmen der Hochschulfinanzierung bereitgestellt. Da aber auch der Landeshaushalt im laufenden Jahr Online-Quellen zufolge bereits ein Haushaltsloch von ca. 400 Millionen Euro ausweist, werden Hochschulen wohl landesweit von der knappen Finanzsituation betroffen sein. Bis Ende des Jahrzehnts soll das Haushaltsdefizit des Landes sogar auf bis zu 1,1 Milliarden Euro ansteigen.

Ob die Kürzungen tatsächlich alle Fakultäten gleichermaßen betreffen werden, bleibt abzuwarten. Denn in den letzten Jahren war – zumindest aus meiner Sicht – generell eine diffuse, aber wachsende Abwertung der geisteswissenschaftlichen Disziplinen gegenüber den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu spüren. Diese Sichtweise kann auch dazu führen, dass Studiengänge mit einer vermeintlich geringeren »Wertschöpfung« eher dem Rotstift zum Opfer fallen.

»Forschung ist kein Selbstzweck. Forschung muss zu Wertschöpfung, Produktion und Innovation in Deutschland und in Europa führen.«

Bundeskanzler Friedrich Merz anlässlich der Übergabe des Jahresgutachtens 2026 der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) am 11.02.2026 in Berlin

»Nowadays people know the price of everything and the value of nothing.«

Oscar Wilde (1854–1900) – Lord Henry in »The Picture of Dorian Gray«

Es liegt mir fern, hier im Blog politische oder gesellschaftlich kontrovers diskutierte Aspekte im Umfeld der präsentierten typographischen Fundstücke allzu sehr zu vertiefen. Dennoch würde ich mir wünschen, dass die Geisteswissenschaften wieder stärker geschätzt würden – auch wenn ihre Erkenntnisse, Forschungsgegenstände, Themen oder kulturellen und intellektuellen Beiträge weniger monetarisierbar scheinen und ihr Wert oft eher im Immateriellen liegt. Aber vielleicht trägt ja gerade der in vollem Gange befindliche KI-Boom (Hype?) dazu bei, das Blatt wieder zu wenden. Denn viele Kompetenzen, die auch in geisteswissenschaftlichen Disziplinen eine große Rolle spielen – wie kritisches Denken, die Fähigkeit zur analytischen Durchdringung komplexer Probleme und zum Aufzeigen geeigneter Lösungswege, die differenzierte Bewertung von (auch mittels KI erstellten) Quellen, Texten und sonstigen Materialsammlungen und nicht zuletzt Kreativität – werden zunehmend den sogenannten »Future Skills« zugerechnet. Dieser Begriff bezeichnet Kompetenzen und Wissensbereiche, denen angesichts der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts besondere Bedeutung beigemessen wird.

Und nun noch ein kleiner Exkurs zu den Bachwochen und der Person ihres Namensgebers: Sowohl unter Musikern und Komponisten als auch bei Musikfreunden und Hörern klassischer Musik landet Johann Sebastian Bach bei Umfragen und Statistiken heutzutage regelmäßig unter den Top 3. So wurde der Barockkomponist von 174 lebenden Komponisten in der Dezemberausgabe 2019 des BBC Music Magazine zum größten Komponisten aller Zeiten gewählt. Auch in der Streaming-Statistik im Bereich Klassik bei Spotify für das Jahr 2020 rangierte Bach mit 7,2 Millionen Hörern pro Monat auf dem ersten Platz. Jeder kennt Bach. Er ist fester Teil der Musik- und Popkultur, seine Werke werden für Werbespots und Film-Soundtracks genutzt und kommen regelmäßig auf Konzertpodien in aller Welt zu Gehör. Doch nur wenige wissen, dass das nicht immer so war. Zwar wurde er bereits zu Lebzeiten als Organist und Musikgelehrter geschätzt und von Komponistenkollegen respektiert, doch war er bei weitem nicht so populär wie heute. Nach seinem Tod im Jahr 1750 geschah etwas aus heutiger Sicht Unglaubliches: Sein Werk verschwand für nahezu 80 Jahre aus dem aktiv aufgeführten Repertoire. Der gefragte musikalische Stil hatte sich geändert, wurde eingängiger, leichter und empfindsamer. Bachs Musik hingegen wirkte überladen, komplex und altmodisch (siehe unten stehendes Zitat des deutsch-dänischen Komponisten und Musikkritikers Johann Adolph Scheibe, eines Zeitgenossen J. S. Bachs). Seine Kompositionen wurden zwar weiterhin in der Musikwelt studiert und gewürdigt, darunter von Haydn, Mozart und Beethoven, und auch im kleineren Kreis intellektueller »Salons« diskutiert und aufgeführt, aber im Kulturleben der breiten Öffentlichkeit spielte seine Musik über Jahrzehnte nahezu keine Rolle mehr. Erst mit der Wiederaufführung der Matthäuspassion auf Initiative Felix Mendelssohn Bartholdys am 11. März 1829 in Berlin wurde ein regelrechtes »Bach-Revival« losgetreten, das bis heute nachhallt und der Genialität, Tiefe und Schönheit dieser Musik neue Aufmerksamkeit zuteilwerden ließ.

»Dieser grosse Mann würde die Bewunderung ganzer Nationen seyn, wenn er mehr Annehmlichkeit hätte, und wenn er nicht seinen Stücken durch ein schwülstiges und verworrenes Wesen das Natürliche entzöge, und ihre Schönheit durch allzugrosse Kunst verdunkelte. (…) Die Schwülstigkeit hat [ihn] von dem Natürlichen auf das Künstliche, und von dem Erhabenen auf das Dunkle geführet; und man bewundert (…) die beschwerliche Arbeit und eine ausnehmende Mühe, die doch vergebens angewendet ist, weil sie wider die Natur streitet.«

Quelle: Johann Adolf Scheibe – »Der Critische Musicus«, Band I (1737)

Doch hätte dieses Revival damals auch dann stattgefunden, wenn die Veranstalter ohne Mendelssohns dokumentierte Beharrlichkeit allein darauf geblickt hätten, mit welchen Programmen von welchen Komponisten sie ihre Häuser nur mit Blick auf den Kartenverkauf und einen maximal erwartbaren Umsatz hätten füllen können? Ich lasse die Frage mal offen. 🤓 🔠 🎼

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Ich mag auch gut gemachte Visualisierungen der verschiedenen Stimmen in Bachs Werken. Sie machen die darin verborgene »Mathematik« auch für musikwissenschaftliche Laien auf intuitive Weise viel erfassbarer, als es beim reinen Zuhören möglich ist.

31.08.2026

Als Montagsbonbon zeige ich heute einen »Regelbruch« der gekonnteren Art. Wenn es um die Auszeichnung bei Texten in Frakturschrift geht – also das optische Hervorheben einzelner Wortteile, Wörter, Satzteile oder Sätze – sind die Möglichkeiten ohnehin eingeschränkt, da gebrochene Schriften zum Beispiel fast nie über kursive Schnitte verfügen. Vom Unterstreichen von Text ist typographisch (nicht nur bei Texten in Fraktur) ebenfalls eher abzuraten, denn automatische Funktionen in Textverarbeitungsprogrammen setzen die Linie oft zu nah unter die Grundlinie, durchkreuzen Unterlängen (wie etwa bei g, j, p, q, y) und stören insgesamt den Lesefluss, auch wenn sie grafisch einfühlsamer platziert und gestaltet sind. Bei online veröffentlichten Texten kommt hinzu, dass Unterstreichungen fast immer für anklickbare Links stehen und ein »funktionsloser« unterstrichener Text somit für Irritationen bei den User*innen sorgen kann. Eine vertretbare Möglichkeit besteht in der Nutzung eines fetten Schriftschnittes für die auszuzeichnenden Textteile. Sollte die gewählte Type keinen fetten Schnitt innerhalb derselben Schriftfamilie beinhalten, war es durchaus üblich, eine zweite fette Schriftart hinzuzuziehen, wie es in dem Werbemotiv vom vergangenen Freitag der Fall war, wo die leichtere »Hupp-Fraktur« mit der »Fetten Mainzer Fraktur« kombiniert wurde.

Unbehagen unter Typographen löst gemeinhin die durchgängige Großschreibung (Versalsatz) zur Textauszeichnung aus. Bereits bei Nicht-Frakturschriften sind solche Passagen schwerer lesbar und stören HARMONIE UND FLUSS des Textes, da sie deutlich größer und schwerer als Kleinbuchstaben wirken. Abhilfe schaffen kann hier (bedingt) die Verwendung sogenannter Kapitälchen, im Idealfall mithilfe eigens gestalteter (nicht rein algorithmisch skalierter!) Großbuchstaben in zwei verschiedenen Größen – eine für die orthographisch korrekt groß geschriebenen Anfangsbuchstaben und eine für die Kleinbuchstaben. Weil aber im Versalsatz immer die typischen Konturen und die Unter- und Oberlängen kleiner Buchstaben zur Orientierung des Auges fehlen, sind Versaltexte generell schwerer lesbar. Und last not least werden in Großbuchstaben gesetzte Texte als »laut« oder »geschrien« empfunden, wie ein leider allzu bekannter, launenhafter Weltmachtpräsident auf seinem hauseigenen Social-Media-Kanal nicht müde wird, zu demonstrieren. Am augenquälendsten jedoch wirkt ausschließlich in Versalien gesetzter Text bei den oft stark verzierten SCHREIBSCHRIFTEN und 𝔉ℜ𝔄𝔎𝔗𝔘ℜ𝔖ℭℌℜℑ𝔉𝔗𝔈𝔑.

»Ein ausschließliche Versalschrift verbietet sich generell bei den gebrochenen Schriften, da sie im Zusammenspiel mit den Minuskeln geschaffen wurden und nur mit diesen zusammen ein harmonisches Schriftbild ergeben.«

Quelle: typographie.info – »Gebrochene Schrift«

»Bei der Schriftgattung der Gebrochenen Schriften, z.B. bei der Fraktur, ist Majuskelsatz nahezu unlesbar. Deshalb vertraten renommierte Typografen und Lehrer (…) die Auffassung, dass ›Versalsatz in Gebrochenen Schriften grundsätzlich bei guter Typografie ausgeschlossen werden muss‹.«

Quelle: typolexikon.de – »Majuskel«

Dennoch stieß ich bei meinen Recherchen zur Schrift »Fette Mainzer Fraktur« in einem Schriftmusterheft der H. Berthold AG von 1908 auf eine (dekorativen Zwecken dienende) Abkehr von dieser Empfehlung. Aufgrund des herausgebenden Unternehmens – einer historischen Instanz für professionelle Schriftgestaltung – darf man wohl davon ausgehen, dass die dortigen Autoren und Setzer sehr wohl wussten, was sie taten und die übliche typographische Konvention hier ganz bewusst außer Acht ließen.

Die reich verzierten Buchstaben entstammen dem Repertoire der »Mainzer Initialen«, die für gewöhnlich – wie auch in dem Musterbuch demonstriert – als einzelne Schmuckelemente beim jeweils ersten Buchstaben eines Textabschnitts eingesetzt wurden. Im Bild kann man sehr schön sehen, dass die druckenden Formen der Bleilettern ohne zusätzlichen Abstand* zum unterliegenden quaderförmigen Korpus des Schriftkegels angelegt sind, sodass sich die Initialen quasi nahtlos ins Satzbild einfügen oder, wie hier, lückenlos aneinander platzieren lassen.

Die »Mainzer Initialen« wurden 2023 vom Schriftgestalter Ralf Herrmann in digitalisierter Form bei FDI veröffentlicht. Bei diesem Font lassen sich – im Gegensatz zu den historischen Bleilettern – Zeichenfüllung, Ornamentkontur und Ornamentfüllung separat einfärben, was natürlich ungleich vielfältigere Möglichkeiten zur Gestaltung der Initialen zulässt. Zehn vorgegebene Farbpaletten mit je drei Farben sind vorgefertigt als OpenType-SVG-Fonts enthalten; die Farben können aber nach Wunsch in CSS oder per Bearbeitung in Desktop-Designprogrammen auch beliebig editiert werden.

Als kleines Typo-Rätsel lasse ich das so gesetzte Wort hier bewusst ohne »Übersetzung«. Könnt Ihr es lesen? 🤓 🔠 👁️ ❓


* Eine solche Randzugabe auf der linken und rechten Seite des druckenden Zeichens nennt man im Bleisatz auch »Fleisch«. Interessierten Leser*innen empfehle ich auf Wikipedia den Artikel »Letter«, wo anhand einer Illustration die Elemente einer Bleiletter fachlich korrekt beschriftet dargestellt sind.

28.08.2026

Menschen neigen bekanntermaßen bisweilen dazu, Flora und Fauna in »gut« und »schlecht« zu unterteilen. Schmetterlinge oder Bienen sind »gute« Insekten – Silberfischchen oder Stechmücken sind »schlechte« Insekten, aka »Ungeziefer«. Glockenblumen oder Bärlauch sind »gute« Pflanzen – Disteln oder Knöterich sind »schlechte« Pflanzen oder auch »Unkräuter«.

Das typographische Fundstück am Freitag ist heute wieder eine sehr schöne Einreichung, fotografiert vom Blogleser Werner L. aus Berlin und entdeckt in einer Ausstellung im Landschloss Zuschendorf, das mir von ihm zudem als lohnendes und lehrreiches Ausflugsziel empfohlen wurde. Und auch dieses eingereichte Printmedium – eine historische Werbeanzeige – nimmt im Markennamen des beworbenen Produktes eine Unterteilung in »gute« und »schlechte« Wildtiere vor. Zunächst zeige ich das eingereichte Foto im Original:

Für diejenigen, die Frakturschrift nicht so gut lesen können, hier eine Transkription des Textes:

»Antispatz – Der beste Meisen-Anlock- u. Fütter-Apparat, das Entzücken d. Vogelfreunde. Von 14 Ministerien empf. M. 4,60 postfrei, 4 St. M. 14,90, postfrei. Prospekt Parus, Hamburg 36 G. Postscheckk. Hbg. 2475.«

Tatsächlich war der »Antispatz« eine spezielle Futterstelle für Singvögel. Die Konstruktion sollte allerdings insbesondere Haussperlinge (»Spatzen«) von der Winterfütterung fernhalten, während akrobatischen Klettervögeln und Flugkünstlern, wie Meisen oder Kleibern, der Zugang erleichtert wurde. Damals wurden Spatzen von vielen als üble Futterkonkurrenten für andere, seltener gesehene Singvögel angesehen.

Entwickelt wurde die Vorrichtung von dem Hamburger Mediziner und Sanitätsrat Dr. Christian Adolf Bruhn (1865–1927), Online-Quellen zufolge während einer Liegekur, die dem Lungenarzt während einer eigenen Tuberkuloseerkrankung in den Jahren zwischen 1905 und 1910 verordnet war. In einem selbst verfassten Artikel (»Futterglocke und Meisendose ›Antispatz‹«, in »Ornithologische Monatsschrift«, Jahrgang 1910, hrsg. vom Deutschen Vereine zum Schutze der Vogelwelt e. V.«, Seite 149–154) erwähnt Dr. Bruhn, dass bereits im September 1908 ein gewisser Friedrich Schwabe, damals Leiter der »Versuchs- und Musterstation für Vogelschutz« in Seebach/Thüringen, sich äußerst wohlwollend über Konstruktion und Funktion der damals auch »Dr. Bruhns Meisendose« genannten Erfindung geäußert habe. Auch in einer Schweizer Publikation aus dem Jahr 1908 taucht das Produkt bereits auf. Man kann also davon ausgehen, dass die ersten Modelle des »Antispatz« etwa zu dieser Zeit entstanden:

»Von den vielen Futterapparaten für Meisen darf Dr. med. Bruhns Meisendose in den ersten Rang gestellt werden. Sie ist ein viereckiger, mit Deckel versehener Blechkasten, dessen Boden eine schiefe Ebene bildet. Der Apparat wird mittelst eines oben angebrachten Henkels, sowie seitlich angelöteter Blechbänder am Baum, an der Wand etc. befestigt und mit Hanffrucht gefüllt. Die Körner rutschen auf dem schräg gestellten Boden herunter und gelangen unten durch eine schmale Öffnung auf eine kleine, mit Rand versehene Blechplatte. Da nur so viel Hanfkörner auf dieses Futtertischchen nachrutschen können, als von den Meisen weggepickt werden, so ist jeder Futterverlust ausgeschlossen. Auf den beiden Seitenwänden des Kastens sind lange Glasfensterchen angebracht, die das langsame Schwinden des Futtervorrates von weitem erkennen lassen und die Futterplatte beleuchten.«

Quelle: Ala, Schweizerische Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz: »Ornithologischer Beobachter«, Heft 12, Dezember 1908, S. 190.

Das anfängliche Prinzip bestand wohl darin, dass zwar Vögeln mit schmaleren Schnäbeln Zugriff auf den nachrieselnden Körnervorrat ermöglicht wurde, aber Spatzen mit ihren breiteren Schnäbeln nicht.

Später heißt es in einer anderen Abbildung (undatiert, ca. 1910) zu einer anscheinend weiterentwickelten und patentierten Nachfolgekonstruktion: »Neue Spatzensicherung. Unsere bisherige Vorrichtung verhindert das Eintauchen der dicken Sperlingsschnäbel ins Futter; die neue das Anfliegen der Spatzen«. Es sieht so aus, als ob der Zugang von der Unterseite des Futterkastens für Spatzen weiter erschwert wurde, da diese – anders als die erwünschten Vögel, welche auch »hängend« fressen können – keinerlei Möglichkeit mehr hatten, sich von oben auf Vorsprünge oder Randleisten an der Futterrinne zu setzen.

Um 1912 kauften schließlich mehrere offizielle Institutionen die Rechte an der Verwertung der patentierten »Antispatz«‑Konstruktion (wir erinnern uns an das Prädikat in unserem Annoncen-Fundstück »von 14 Ministerien empfohlen«). So steht etwa im Jahresbericht des Bundes für Vogelschutz 1911/1912 (S. 137): »Mit dem Ankaufe des Patents ›Antispatz‹ von Herrn Dr. Bruhn haben wir offenbar einen sehr glücklichen Griff getan«. Und in der Chronik des Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU): »Schon 1912 hatte der Bund die Rechte an den ›Antispatz‹-Futterhäuschen erworben«.

Schon zu Lebzeiten wurden medizinische Broschüren Dr. Bruhns im 1908 gegründeten Hamburger »Parus Verlag« veröffentlicht, so z.B. sein Ratgeber »Vom gesunden und vom kranken Tuberkulösen – Erfahrungen eines lungenkranken Lungenarztes für jedermann« (1922), der auf seiner zuvor erwähnten Erkrankung beruhte. Im weiteren Verlauf der 1920er-Jahre übernahm dann Bruhns Sohn Max die Leitung des Verlages und fuhr über diesen Vertriebskanal bzw. das angeschlossene Handelsgeschäft »Parus Vogel- und Pflanzenschutz« mit der Vermarktung und dem Verkauf des »Antispatz« fort. Im Laufe der Jahre entstanden offenbar mehrere unterschiedlich aufwendige Varianten des Produktes – von einer einfachen, hängenden »Meisendose« über mit Schellen und Bändern installierbare Vogelhaus-Modelle aus Holz bis hin zur aufwendig gefertigten, 300 kg schweren Edel-Futtersäule »… als zierliche Säulenhalle mit rotem Pfannendach (…) 2,80 m hoch, (…) aus frostfester Steinmasse« (in: »Der Lehrmeister im Garten und Kleintierhof«, 1912, S. 731) für 180 Mk (nach heutiger Kaufkraft etwa 500 €). Ganz offensichtlich florierte also das Geschäft mit dem patentierten Sperlingsschreck und nahm in den 1920er- und 1930er-Jahren weiter an Fahrt auf.

Die Datierung unseres Werbemotivs ist relativ einfach, denn rein zufällig bietet zum Veröffentlichungszeitpunkt dieses Beitrags ein Hamburger Antiquariat bei eBay das Original einer historischen Werbeanzeige mit genau derselben Illustration an. Betitelt ist das Angebot als »Vogelschutz Abtlg. Parus-Verlag Reinbe[c]k-K. ANTISPATZ Historische Reklame 1930«. Wir können daher davon ausgehen, dass dies auch in etwa das Erscheinungsdatum der heutigen Einreichung ist. Auch der Text dieser Anzeige ist ganz famos formuliert (s.u.):

»Lebhafter Meisenbetrieb im Garten und am Fenster durch Meisen-Anlock- und Fütterapparat ›Antispatz‹, mit dem die Sperlinge nach Belieben vom Futter auszuschalten sind. ›Diese Methode ist ganz vorzüglich. Mein Garten wimmelt jetzt von Meisen aller Sorten. Ich sehe Arten, die ich nie gekannt habe, auch ein kleiner Specht zieht zu meiner Freude Nutzen aus dem ›Antispatz‹. Zum Dank vertilgen die fleißigen Tierchen alles Ungeziefer. Die Gärtner vermögen keine Raupen mehr zu finden.‹ Max Römer, Opladen. (…) Ministeriell eingeführt bei fast sämtlichen Forst- und Parkverwaltungen, in Obst- und Gartenbauvereinen. Das Entzücken Aller, das beste Geschenk! (…) Bestellen Sie, bevor der Schnee fällt!«

Quelle: Anzeige Parus-Verlag, 1930

Zur Bestimmung der darin verwendeten Schriftarten (ENDLICH kommen wir zur Typographie!) habe ich das Originalfoto nachbearbeitet, entzerrt, retuschiert, im Kontrast optimiert und scharfgezeichnet.

Der Produktname »Antispatz« in der Anzeige ist Teil der (Linolschnitt?)-Illustration und wurde eindeutig von Hand geschnitzt. Die Kleinbuchstaben werden in Leserichtung nach und nach immer kleiner; beim langen s (ſ), dem p und dem abschließenden z (ӡ) werden gar die bei diesen Zeichen üblichen Unterlängen durch deren Verkleinerung über das Niveau der Grundlinie verlegt. Im Werbetext darunter kommen dann in herkömmlichem Bleisatz zwei verschiedene, unterschiedlich fette Frakturschriften zum Einsatz, erkennbar z.B. an den individuellen Formen des großen P. Es war nicht ganz einfach, diesen eher seltenen gebrochenen Schriften auf die Spur zu kommen, aber nach einigen Anläufen und mit digital weiter optimierten Schriftproben kam ich der Bestimmung nah genug.

Insbesondere die prägnanten Formen beim P waren es, die mich zu der oben genannten Einordnung führten. Der magere Text ist wahrscheinlich in der »Hupp-Fraktur« (Otto Hupp für Klingspor, 1911) oder einer nah verwandten Variante gesetzt. Die »Hupp Fraktur« wurde 2016 von Ralph Michael Unger/RMU digitalisiert. Die fetten Textpassagen würde ich der »Fetten Mainzer Fraktur« (Berthold, 1904) zuordnen. Der normale Schnitt dieser Schrift, basierend auf einem Entwurf von Carl Albert Fahrenwaldt, erschien bereits 1901; er ist unter dem Namen »Mainzer Fraktur«, erstellt vom Schriftgestalter Peter Wiegel, seit 2010 digital verfügbar und wurde seither im Rahmen des Projekts »Unifraktur Maguntia« zu einem Unicode-gerechten Fraktur-Font weiterentwickelt.

Damit wären wir am Ende der Ergründung dieses sehr ergiebigen eingereichten Fundstücks – fast. Denn eine bei meinen Recherchen zutage getretene Information zur weiteren Generationenfolge des »Antispatz«-Erfinders Dr. Christian Adolf Bruhn möchte ich Euch nicht vorenthalten. Denn seinen Enkel »kennen« vermutlich sehr viele (ältere) Leser*innen zumindest indirekt: Es ist Hans Christian Bruhn (*1934), ein überaus erfolgreicher Komponist im Bereich Schlager und TV‑Filmmusik. Aus seiner Feder stammen u.a. die Melodien der Hits »Liebeskummer lohnt sich nicht« (Siw Malmkvist, 1964), »Marmor, Stein und Eisen bricht« (Drafi Deutscher, 1965) und »Akropolis adieu« (Mireille Mathieu, 1971). Außerdem komponierte er die Titelsongs zu den Kinder-Kult-Fernsehserien »Wickie« (1974), »Heidi« (1977), »Timm Thaler« (1979), »Captain Future« (1980) und »Patrick Pacard« (1984).

Das war doch wieder famos – von einer Vintage-Meisendose zum Soundtrack von »Captain Future« führte diesmal der Recherchepfad. Ich jedenfalls bin restlos begeistert und möchte abschließend anmerken: »Kannste dir nicht ausdenken«. 🤓 🔠 🐦‍⬛

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