Zwischendurch noch ein schönes Fundstück aus Hamburg St. Pauli – genauer gesagt, aus dem dortigen Karolinenviertel. Dieses Objekt ist mal wieder ein schöner Beweis dafür, dass es sich bei Streifzügen durch Straßen und Stadtviertel durchaus lohnt, auch mal den Blick nach oben zu richten und nicht nur bis kurz über die eigene Augenhöhe auf das Umfeld zu achten.

In etwa dreieinhalb Metern Höhe erspähte ich so dieses wunderbare Steinrelief über dem Eingangsportal an einem Gründerzeitbau, der einst als Schulgebäude diente.

Interessant ist, dass die zweizeilige Inschrift ohne Bindestrich angelegt ist. Die Schrift erinnert mich tatsächlich ein wenig an die Schulschreibschrift, die auch ich als Kind in den 1970er-Jahren während meiner Grundschulzeit erlernte.

Aber was kann uns das Netz über dieses Gebäude – hier eine Komplettansicht der Fassade – an der Adresse Laeiszstraße 12 erzählen?

»Die Schule Laeiszstraße im Hamburger Stadtteil St. Pauli wurde 1862 für die Armen- und Freischule Laeiszstraße (kurz Armenschule Laeiszstraße) erbaut.

Die Entwürfe stammten vermutlich von Franz [Gustav] Forsmann. Das Jahr 1862 gilt auch als offizielles Gründungsjahr der Schule. 1905 wurde das Gebäude nach Plänen von Albert Erbe umgebaut, dabei blieben die ursprünglichen Achsmaße erhalten. Ein Neubau nach Planung des Hamburger Hochbauamtes kam 1967 hinzu. (…) Zum Schuljahresbeginn 2006/2007 wurde die Grundschule (…) dauerhaft geschlossen. Danach wurde das Gebäude zwischenzeitlich als Standort der Grundschule Sternschanze genutzt. Mit Stand 2020 ist dort die Beratungsabteilung des Regionalen Bildungs- und Beratungszentrum (ReBBZ) Mitte ansässig. Schule und Turnhalle stehen unter Denkmalschutz.«

Quelle: Wikimedia Commons – »Schule Laeiszstraße«

Auch, was es mit dem Begriff »Armenschulen« auf sich hatte, speziell im Kontext mit dieser einen, ist wissenswert:

»Erst im Jahr 1870 wurden in der Freien und Hansestadt Hamburg, einem Teilgebiet des künftigen Deutschen Reiches, Volksschulen und die Schulpflicht eingeführt. Umso bemerkenswerter ist es, dass die heutige Grundschule im Karolinenviertel, Laeiszstraße 12, bereits acht Jahre vor Einführung der Schulpflicht als ›Zweite Armenschule von St. Pauli‹ im Jahr 1862 auf Initiative des Abgeordneten Johannes Halben gegründet wurde, zunächst in einem kleinen Gebäude mit begrenzter Anzahl an Klassenräumen.
Die Bezeichnung ›Armenschule‹ oder ›Freischule‹ bedeutet, dass diese Schulen kein Schulgeld verlangten, was in privaten Einrichtungen sonst selbstverständlich war.«

Quelle: Olga Wewerka, »Alfred Lichtwark. Persönlichkeit und Werk im Kontext der deutschen und tschechischen Kultur«. Doktorarbeit, Philosophische Fakultät der Karls-Universität Prag, S. 116 (Zitat ins Deutsche übersetzt).

Wie die Quelle dieses Zitats erahnen lässt, steht auch ein berühmter – wenngleich nicht gebürtiger – Hamburger mit dieser Schule in Verbindung:

»Einer der ersten Schüler der Einrichtung war der spätere Direktor der Kunsthalle, Alfred Lichtwark

Quelle: Uwe Schmidt: »Hamburger Schulen im ›Dritten Reich‹«, Bd. 2 (Anhang), S. 810

So schnell kann’s gehen – einmal kurz den Kopf gehoben und – zack! – wieder was über Hamburg gelernt.
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