verknallt in Schrift und Buchstaben

Kategorie: Verpackungskunst (Seite 1 von 2)

Kartons, Dosen, Flaschen, Kisten, Tüten, Beutel, Boxen – auch auf Verpackungen ist Typographie allgegenwärtig. In dieser Kategorie ist einsortiert, was in Ladenregalen und Shopsortimenten mit Schrift um die Gunst der Verbraucher buhlt.

08.06.2026

Ein Werbe-»Mural« aus Regensburg habe ich heute als typographisches Montagsbonbon ausgewählt. Und obwohl der Farbauftrag noch relativ neu und unverwittert aussieht, hat das beworbene Produkt bereits eine über 300-jährige Geschichte.

»P. Ulrich Eberskirch OCD*, der als gelernter Apotheker in den Karmelitenorden eintrat, erfand im Jahre 1721 den echten Karmelitengeist. Das Geheimnis wird bis heute streng gehütet und immer nur von zwei Karmeliten weitergegeben.«

* OCD: Ordo Carmelitarum Discalceatorum (Orden der Unbeschuhten Karmeliten)

Quelle: Karmelitenkloster St. Joseph, Regensburg

Typographisch fand ich das Motiv insofern interessant, dass es zum einen rein schriftlich für das Produkt wirbt – es gibt keinerlei Abbildung eines Mönches, einer Flasche, eines eingeschenkten Glases, einer Verpackung o.ä. Und zum anderen nutzt es in nur drei Zeilen Text vier verschiedene Schriftarten. Zwei davon konnte ich problemlos bestimmen, bei den beiden anderen war das etwas schwieriger bis erfolglos.

Das Wort »REGENSBURGER« ist in der Schriftart »ITC Avant Garde Gothic« im Schnitt »Demi Bold« gesetzt. Die Schrift wurde zunächst 1968 exklusiv für das Logo und die Headlines des US-amerikanischen Lifestyle-Magazins »Avant Garde« entworfen. Erst ab 1970 arbeitete Lubalin zusammen mit Tom Carnase – einem Partner in seinem Designbüro – daran, eine komplette Schriftfamilie gleichen Namens daraus zu entwickeln, die nachfolgend zu einer der populärsten Schriften der 1970er-Jahre wurde.

Für die Unterzeile »seit 1721 hier im Kloster hergestellt« wurde die Schrift »Palette« genutzt. Sie stammt aus dem Jahr 1951 und ihr Urheber war der Grafiker und Schriftgestalter Martin Wilke.

Die Schrift bei dem Wort »Echter« würde ich ebenfalls in den 1950er-Jahren verorten, allerdings konnte ich sie nicht verlässlich identifizieren. Das etwas zu eng stehende letzte Buchstabenpaar »er« könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Buchstaben hier individuell gestaltet wurden.

Ebenfalls knifflig war die Recherche zur Schrift im Produktnamen »KARMELITERGEIST«. Das auffälligste Merkmal ist in jedem Fall das rechtwinklig abknickende Bein des K, das sich etwas dezenter auch im R noch einmal wiederfindet. Die älteste Referenz, die ich zu dieser Buchstabenform finden konnte, reicht zurück in die Jahre 1929–1934, zu einer eleganten Art-Déco-Schrift namens »Corvinus«, entworfen vom ungarisch-schweizerischen Designer Imre Reiner für die Bauersche Schriftgießerei. Im Umfeld eines experimentelleren Formenrepertoires trifft man ein ähnliches K auch bei der Schrift »Altona« von Albert-Jan Pool, Julia Uplegger und Antonia Cornelius an, die auf Hamburger Straßenschildern Ende der 1920er-Jahre beruht, sowie in der serifenbetonten Linear-Antiqua »City« (Georg Trump für Berthold, um 1930). Alle drei Verwandten verweisen somit auf etwa dieselbe Zeit, obwohl sie nicht exakt mit der Type im Werbeschriftzug auf der Fassade übereinstimmen. Eine modernere Variante, entstanden 2002–2014, findet sich in Form der Schriftfamilie »Compass Next« von Ramiz Guseynov/TipografiaRamis.

Im Netz konnte ich zudem in einem Pressebericht aus dem Jahr 2021 zum Jubiläum der klösterlichen Spirituose ein Foto ausfindig machen, das deren Verpackungs-Evolution dokumentiert. Das »K mit dem Knick« taucht darin ausschließlich in den beiden linken der sechs abgebildeten Exemplare auf, offenbar zeitgleich mit der Einführung einer auffälligen purpurnen Kennfarbe beim Packaging. Zeitlich datieren konnte ich diese Umstellung leider nicht. Immerhin lässt sich sagen, dass das Konglomerat aus verschiedenen Schriftarten nicht älter sein kann als die jüngste der vier (»Avant Garde«).

(Nachtrag – 09. Juni 2026: In dem weiter unten im Beitrag verlinkten Video schwenkt die Kamera beim Timecode 12:28 über ein Bildtableau mit Fotos aus dem Jahr 1971, als das Elixier sein 250-jähriges Jubiläum beging. Auch darauf sind sowohl das komplette Werbemotiv als auch die orange-purpurviolette Farbgebung der Verpackung bereits zu sehen!)

Das Produkt ist nach wie vor erhältlich, es gibt sogar Pralinés, die mit einer damit aromatisierten Trüffelmasse gefüllt sind. Laut Hersteller hilft das Elixier innerlich, auf Zucker geträufelt oder mit Wasser bzw. Tee verdünnt, »… bei Grippe, Erkältung, Unwohlsein, Magenbeschwerden, Blähungen, Schlaflosigkeit«, sowie unverdünnt äußerlich »… zum Einreiben bei Ohnmacht, Herzschwäche, Rheumatismus, neuralgischen Schmerzen und zur Desinfektion von Wunden«.

Die Ursprünge dieser Heilspirituose aus (karmelitischen) Klöstern lassen sich sogar zurückverfolgen bis ins 14. Jahrhundert. Eines der ersten kommerziell vertriebenen Produkte tauchte 1611 in Frankreich unter dem Namen »L’Eau des Carmes« auf und war offenbar über Apotheken erhältlich. Das Rezept, aus Melisse, Engelwurz, Zitronenschale, Lavendel und weiteren Pflanzenessenzen gebraut, soll ursprünglich aus einem Kloster der Unbeschuhten Karmeliterinnen einer Abtei namens St. Just[e] stammen (die ich leider nicht eindeutig lokalisieren konnte) und wurde anfänglich wohl u.a. auch für den französischen König Karl V. (1338–1380) hergestellt. Andere Überlieferungen sprechen von Pariser Karmelitermönchen als Urheber der Rezeptur.

Das in Deutschland deutlich bekanntere Konkurrenzprodukt »Klosterfrau Melissengeist« kam übrigens erst im Jahr 1826, gute 100 Jahre später als der Regensburger Geist, auf den Markt. 🤓 🔠 🌿 👻

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06.05.2026

Und schon stand die nächste Reise an – eine Woche Kurzurlaub in der 1.-Mai-Woche in Trier. Die Unterkunft war, wie meistens, mit Selbstverpflegung gebucht und gleich am ersten Abend kam Appetit auf frisch gebackene, gute Steinofenpizza auf. Ein italienisches Restaurant, das in der Stadt seit über 50 Jahren ansässig ist und damit zum kulinarischen Urgestein gehört, lag keine 5 Gehminuten von der Ferienwohnung entfernt und wurde zur Bezugsquelle für zwei Pizze »to go« erkoren.

In der Appartementküche beim Auspacken fiel mir auf dem Deckel des Pizzakartons sofort die bizarre Formgebung des Doppel-z bei dem Wort »Pizza« auf. Es las sich eher wie »Pi(t)zma« und wirkte um so absonderlicher, je länger ich daraufschaute. Hier hatte sich der Kartongrafiker bei seinem Versuch der Gestaltung eines handgemachten Schriftzuges meines Erachtens typographisch eindeutig verhoben.

Die Illustration hingegen ist handwerklich nicht zu beanstanden. Nun kann man rätseln: War der Kartongestalter ein geübter Illustrator und hat dafür spürbar weniger Talent bei der Schriftgestaltung? Oder wurde das Bildmotiv von einem externen Bildanbieter lizenziert und die Person, welche die Druckvorlage erstellte, hatte überhaupt keine gestalterische Ausbildung, sodass der Do-it-yourself-Schriftzug als laienhafter Versuch zu sehen ist, mit den Designtools des genutzten Rechners das Wort mühsam manuell umzusetzen?

Der Ursprung des Bildes blieb auch nach einer Rückwärts-Bildersuche im Unklaren. Offensichtlich kursiert das Motiv seit geraumer Zeit, sowohl mit als auch ohne das Wort »Pizza« und in zahlreichen Farb-, Druck- und Schriftvarianten im Kreise von Restaurants sowie Verpackungsanbietern. Eine kommerzielle Bildquelle ließ sich nicht ausfindig machen, doch auch der kuriose Schriftzug findet sich unter den Suchergebnissen mehrfach wieder, vereinzelt ist er eine Idee besser zu entziffern.

Natürlich könnte man sagen, »Hey, es ist nur eine Einwegverpackung und die kommt doch nach dem Essen der Pizza sowieso ins Altpapier« oder »Die Pizza schmeckt doch trotzdem, egal, wie gut oder womit der Karton bedruckt ist«. Aber mir geht es nun mal so, dass ich es immer etwas bedaure, wenn das letzte Quentchen gestalterischer Mühe oder überschaubarer Kosten, das aus einem »okayen« Design ein besseres gemacht hätte, nicht investiert wurde.

Deshalb gibt’s hier von mir einen Vorschlag für das Kartondesign mit einer käuflichen Schriftart, die mit ihren Formen die Dampfschwaden aus dem Pizzaofen aufgreift, die das Doppel-z mit der Unterlängen-Schlaufe beibehält und dem Auge, wie ich finde, etwas mehr schmeichelt als die ursprüngliche Umsetzung.

Buon appetito! 🤓 🔠 🍕

30.04.2026

Durch meine kürzliche berufliche Reise nach Barcelona tut sich hier gerade ein kleiner Stau an Fundstücken auf, die ich in etwas dichterem Takt posten werde, denn ich hatte erfreulicherweise neben dem geplanten Messebesuch auch einige Zeit für Erkundungen in den Straßen und Stadtvierteln dieser lebendigen und traditionsreichen Stadt.

Die meisten Motive werde ich nicht ausführlich kommentieren, da sie oft von den Fassaden kleiner, inhabergeführter Geschäfte stammen, zu denen es kaum weiterführende Informationen im Netz gibt, oder weil die kommentierbaren typographischen Eigenheiten der Motive nicht genug für lange Erläuterungen hergeben. Dennoch wird es einiges Schöne und Kuriose zu sehen geben.

Fangen wir an mit drei Verpackungen aus einem lokalen Supermarkt. Ich habe in den Regalen bewusst nur nach Designs gesucht, bei denen Typographie eine Hauptrolle spielt.

Ich fand, zwischen all den anderen, herkömmlichen Verpackungen, bei denen der Inhalt entweder durch transparente Folie erkennbar ist oder die mit (realistischen) Abbildungen von »Serviervorschlägen«, Zutaten oder dem Produkt bedruckt sind, stachen diese auf eine eigene Art hervor.

Und sogar ich, der die spanische Sprache nur rudimentär versteht, erkannte auch so – insbesondere bei der komplett unbebilderten weiß-blauen Verpackung –, was darin feilgeboten wird. 🤓 🔠 📦

20.04.2026

Einkauf beim Landmetzger. Während ich wartete, begutachtete ich das Sortiment in der Bedientheke. Auf der Hülle einer der hausgemachten Wurstsorten entdeckte ich dieses fulminante (typo)graphische Ensemble und hielt es als herzhaftes Montagsbonbon mit der Kamera fest. Das Bild wurde nachträglich bearbeitet, aber nur, um die Bildqualität zu verbessern – das Motiv ist so wie im Bild gezeigt auf heimischen Wurstwaren in Umlauf.

Die Identifikation der Schrift wird durch mehrere Umstände erschwert. Zum einen die grobe Druckqualität, vermutlich durch das Tampondruckverfahren auf dem Hüllenmaterial und zum anderen durch die zylindrische Verzerrung auf der Wurst. Mindestens drei Buchstaben wurden wohl nachträglich modifiziert: Das G, das zweite D und das letzte S. Trotzdem lassen die Buchstabenformen eine entfernte Verwandtschaft zu einer Gruppe von Schriften von Anfang des 20. Jahrhunderts erkennen, die allesamt kräftige, abgerundete Formen, schräggestellte und stark betonte Serifen und dekorative Formelemente des Jugendstils aufweisen. So z. B. die »Windsor« (Eleisha Pechey für Stephenson Blake, 1905) oder die »Pan Am«, die 1999 anlässlich des 100. Jahrestages der »Pan-American Exposition«, einer Weltausstellung in Buffalo, New York (1901) auf Basis der Schriften in den damaligen Werbemitteln entwickelt wurde. Das Design dieser Neuauflage, erschienen beim Schriftenanbieter P22, stammt von Richard Kegler und Christina Torre. Eine exakte Entsprechung für die Schriftart ließ sich jedoch nicht ausfindig machen.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich sah das Motiv vor meinem geistigen Auge sofort als eine sehr treffliche Etikettierung für nicht wenige der lautstarken Akteure, die Gesellschaft und Demokratie dieser Tage mit spaltenden Parolen und rückwärtsgewandten Forderungen malträtieren. Schade nur, dass sie sich wohl kaum freiwillig damit labeln werden. 🤓 🔠 🌭

02.02.2026

In letzter Zeit fragte ich mich gelegentlich, ob ich eventuell zu oft Fundstücke poste und bespreche, die schon relativ alt sind: Werbeschilder von geschlossenen Geschäften, Steinreliefs aus früheren Jahrhunderten, Retro-Verpackungen … Aber dann denke ich: Nein, das ist schon gut so. Es gibt so viele schöne, amüsante, lehrreiche, interessante, kreative und nach wie vor top-aktuelle »alte« Dinge – ich bleibe dabei!

Auch das heutige typographische Montagsbonbon ist wieder ein solcher »Vintage«-Beitrag. Es ist das vordere Umschlagmotiv eines Buches, das als Geschenk eines lieben Freundes seinen Weg aus dessen elterlicher Bibliothek (mit Erlaubnis der Eltern) in unseren Haushalt fand:

Zur Erläuterung: Seit vielen Jahren bin ich nicht nur ein großer Fan der Kult-Familienserien »Ein Herz und eine Seele« (»Ekel Alfred«) und »Familie Heinz Becker«, sondern auch der deutlich weniger bekannten »Familie Hesselbach«, einer in schwarzweiß gedrehten, sehr erfolgreichen Fernsehserie der ARD aus den Jahren 1960/61, die auf einer ebenso populären Hörspielserie aus den späten 1940er-Jahren des Hessischen Rundfunks basiert. Die einzelnen Episoden haben in sich geschlossene Handlungen und verquicken auf ebenso kurzweilige wie gekonnte Weise den Arbeitsalltag in einer mittelständischen Druckerei mit turbulenten Ereignissen im Privatleben der Inhaberfamilie. Die Serie lebt vor allem von der zentralen Figur des temperamentvollen Patriarchen Karl »Babba« Hesselbach, gespielt von Wolf Schmidt, der als Drehbuchautor auch für die ausgesprochen eloquenten und amüsanten Dialoge verantwortlich zeichnete. In vielen der Monologe und Stoßseufzer Vater Hesselbachs finden sich gesellschaftskritische, politische oder philosophische Bonmots, die bis heute nichts an Aktualität verloren haben.

»Wenn sich wegen jeder Falschmeldung in der Presse ein Redakteur aufhängen würde, dann wäre dieser Berufsstand schon längst ausgestorben.«

S01 E07, »Die Panne« (1960)

»Männer haben die Weltgeschichte gemacht. Und so sieht sie auch aus.«

S01 E15, »Mehr Frauen in die Politik!?« (1961)

Alle Folgen der TV-Serie werden sowohl auf dem Pay-TV-Sender »ARD Plus« als auch auf dem YouTube-Kanal »TV-Klassiker« im Stream abrufbar.

Die Besonderheit des Buchumschlags, in einem typischen collage-artigen Stil der 1960er-Jahre, besteht im Wesentlichen aus den handschriftlich-kalligrafischen Schriftzügen, die statt normaler Satzschriften für die Gestaltung genutzt wurden. Ich finde, auf diese Weise kommt die persönlich-anekdotische Note der Erzählungen im Buch, die auf vier der Seriengeschichten beruhen, bereits auf dem Cover schon besser zur Geltung als mit einer statischer wirkenden Grotesk- oder Antiqua-Schrift. Und der stilisierte, unter dem Portrait des Protagonisten installierte Sockel nimmt ironisch dessen Platz als Familien- und Firmenoberhaupt aufs Korn.

Das Buch ähnelt somit durchaus der Fernsehserie: Von außen vielleicht etwas »oldstyle« – inhaltlich aber keineswegs. 🤓 🔠 📺

15.12.2025

Als typographisches Montagsbonbon serviere ich heute einen eher herzhaften statt süßen Beitrag. Ich hatte in einem früheren Artikel schon einmal erwähnt, wie gerne ich auf Reisen – insbesondere ins Ausland – große Supermärkte durchstreife und mir die Produkte und ihre Verpackungen ansehe, die es in deutschen Geschäften nicht gibt.

Auf einem Tagesausflug nach Basel tat ich genau das wieder in einer MIGROS-Filiale, vergleichbar etwa mit einer hiesigen Kaufland-Niederlassung. Dort fiel mir im Kühlregal diese rein typographisch gestaltete Frischepackung für einen neutralen Pizzateig zum Selbstbelegen auf. Keine Klarsichtfolie bzw. kein Plastik, keine italienischen Farb- oder Bildmotiv-Stereotypen, keine Abbildungen von Pizza, Tomaten, Basilikum, Mozzarella oder anderen banalen »Serviervorschlägen«. Stattdessen lediglich ein Becher mit einer Banderole aus nachhaltig anmutendem Kraftpapier bzw. -karton und eine einfarbige, rein schwarze Beschriftung in einer – vermutlich eigens handgezeichneten – kräftigen Schrift, welche die Assoziationen »hausgemacht«/»selbstgemacht/handwerklich« und »rustikal« aufruft. Alles Weitere wird der Fantasie der Käufer*innen überlassen.

Wie findet Ihr die Idee, geeignete Lebensmittel auch mal »nur mit Typo« zu verpacken und auf übliche, oft schon tausendmal gesehene bildliche Designklischees zu verzichten? Spontan fallen mir als weiteres Beispiel noch die Verpackungen der nachhaltigen Schokoladenmarke »Tony’s« ein.

Mir persönlich gefällt’s und ich würde mich freuen, künftig öfter mal etwas Abwechslung dieser Art in den Regalen anzutreffen. 🤓 🔠 🍕 📦

27.10.2025

Der intensivste Teil meiner popkulturellen musikalischen Prägung fand in den spannenden Jahren zwischen 1978 und 1998 statt. Das Aufkommen von elektronischer Musik und Synthiepop, die ungestüme Kreativität der Neuen Deutschen Welle und die treibenden Rhythmen von House Music, Trance und Techno gehörten ebenso zum Soundtrack meiner Zeit als Jugendlicher und Heranwachsender wie lässiger Soul oder melancholische Dark-Wave-Songs.

Und obwohl der Wechsel von Vinyl-Alben zu CDs ab Mitte der 1980er Jahre dazu führte, dass der Großteil meiner physischen Tonträgersammlung aus den digitalen Silberscheiben besteht und ich auch sehr darauf bedacht bin, meine privat angesammelten Besitztümer regelmäßig »auszumisten«, konnte ich mich von einem kleinen Kernbestand analoger Singles, Maxis und LPs bis heute nicht trennen. Als ich neulich in dem betreffenden Schrankfach wieder einmal darauf stieß, dachte ich: Jetzt schaue ich doch mal nach, ob ich darin nicht auch Zeugnisse damals angesagter Covergestaltung finde, die größtenteils nur mit Schrift umgesetzt wurden. Und siehe da – gleich bei den Singles fanden sich drei davon.

Diese drei Fundstücke sollen heute – ehe ich die reichlichen Fundstücke von meiner jüngsten Reise nach Basel und Freiburg verarbeite – die typographischen Montagsbonbons sein. Vielleicht erkennt ja der/die eine oder andere die Songs auf den abgebildeten Platten wieder oder erinnert sich an den Sound (und die Typo?) der eigenen musikalischen Adoleszenz.

Und demnächst schaue ich dann noch Maxis und LPs durch … 🤓 🔠 🎹

Meine »Educated guesses« bei der Identifikation der genutzten Schriftarten:
Bild 1: Helvetica Inserat, Impact
Bild 2: Torino, Futura Demi Bold, Helvetica Bold (verfremdet)
Bild 3: Berling Bold, Americana Bold, Beton Condensed, Futura Demi Bold, Eurostile Bold, Plantin Condensed (ich rätsele noch bei der niederländischen Type und die japanische lasse ich mal aus)

21.07.2025

Vier Tage hat es gedauert, den Keller des Hauses zu »entrümpeln«, etliche Boxen und Kartons harren nun ihrer recyclinggerechten Entsorgung. Aber man sieht hinterher sehr schön, was geschafft wurde, es herrschen wieder System, Ordnung und kellergemäße Sauberkeit.



Ein zweites wunderschönes Fundstück, nach den Rasierklingenbriefchen vom letzten Montag, ist diese »Vintage-Verpackung« einer Autoscheinwerfer-Glühbirne mit ihrer klaren, farblich sehr ansprechenden typographisch-illustrativen Gestaltung. Der Typ der dargestellten Birne, das zeigen Fotos weiterer Schachteln im Internet, entsprach dabei immer dem inliegenden Produkt. Die Schriftart im oberen Teil der Schachtel erinnert stark an die »Futura«, aber das besondere S, das fast wie ein gespiegeltes Z aussieht, sowie die abweichenden Winkel beim G und C ließen mich weiter recherchieren. Die beste Übereinstimmung fand ich bei der »Erbar Bold«, die zwischen 1922 und 1930 vom deutschen Grafikdesigner Jakob Erbar für die Schriftgießerei Ludwig & Mayer gestaltet wurde. Auch Erbars Schrift »Phosphor« weist ähnliche Formmerkmale auf.



Ähnliche Schachteln werden im Internet leer (!) für 10 EUR gehandelt, mit funktionsfähigen Leuchtmitteln befüllte Packungen finden sich auf Angebotsseiten für Oldtimerbedarf, je nach Glühbirnentyp, für bis zu 100 EUR. Konkrete Angaben zum Datum der Herstellung konnte ich nicht finden, der Ursprung war lediglich vage einzugrenzen auf »1950er bis 1970er Jahre«.

Eine Recherche ergab: Die Herstellerfirma existiert nach wie vor. Gegründet 1947 unter dem Namen »Speziallampenfabrik Dr. Günther Fischer« firmiert sie mittlerweile als »Dr. Fischer Gruppe« mit acht zugehörigen Unternehmen und etlichen Standorten, u.a. in Hong Kong, Seoul, Alpignano (Italien), Pont-à-Mousson (Frankreich) und Diez (Deutschland).



Ich hebe die Schachtel (samt Inhalt) natürlich als kleines Museumsstück sorgsam auf! 🤓 🔠 💡



Font »Erbar Bold«:
➡️ https://www.myfonts.com/de/products/bold-erbar-334070

Font »Phosphor«:
➡️ https://www.myfonts.com/de/collections/phosphor-font-monotype-imaging

14.07.2025

Dort, wo ich das letzte Wochenende verbrachte, regnete es am Samstag in einem fort und am Sonntag den größten Teil des Tages. Also beschloss ich, den lang gehegten Plan in Angriff zu nehmen, den Keller des Hauses aufzuräumen, in dem sich noch das komplette Inventar des Vorbesitzers befindet, unter anderem eine komplett ausgestattete Werkstatt für alle Arbeiten, die rund um Haus und Hof anfallen. In Kisten, Regalen, Schränken und Schubladen türmten sich Werkzeuge, Schrauben, Nägel, Muttern, Scharniere, Haken, Dübel, Schellen und alle Arten  weiterer Eisenwaren. Nun ist die Werkstatt gesichtet, sortiert, ausgemistet und gereinigt und einer von vier Kellerräumen kann von der To-Do-Liste gestrichen werden.



Viele der Gegenstände, die ich in Händen hielt, waren sicherlich Jahrzehnte alt, aber nach wie vor sauber und funktionstüchtig. Und auch typographisch gab es auf alten Farbdosen, Schraubenpäckchen oder Werkzeugetiketten allerlei Spannendes zu entdecken.



Am besten gefielen mir diese drei außen wie innen tadellos erhaltenen Papierbriefchen mit Rasierklingen. Matt golden, blau und rot bedruckt und mit zwei wunderschönen, prägnanten Schriftzügen. Als heutiges typographisches Montagsbonbon möchte ich sie meinen Lesern hier nicht vorenthalten. 🤓🔠



20.06.2025

Weiter geht’s beim »typographischen Fundstück der Woche« mit der thematisch gebündelten Abarbeitung meiner Schnappschüsse aus Barcelona. Heute steht die Typographie dabei mal nicht allein im Vordergrund (bei einem der gezeigten Beispiele fehlt sie nahezu völlig), sondern es geht auch um (Verpackungs)design. 



Immer, wenn ich reise, sei es in andere Regionen oder Bundesländer innerhalb Deutschlands und erst recht in andere Städte oder Länder, LIEBE ich es, in große Supermärkte zu gehen und – komplett abseits meines täglichen Bedarfs – durch die Regalreihen zu stromern. Ich erkunde, was es für regionale Produkte gibt, deren Vertrieb oder Bekanntheit nicht über die lokale Präsenz hinausgehen oder die von Unternehmen oder Manufakturen aus der Umgebung hergestellt werden. Ich stöbere nach ausgefallenen, kuriosen und ästhetischen Produktverpackungen. Und ich suche natürlich auch nach geeigneten Schriftzügen oder Buchstabenformen für mein Kuriositätenkabinett.



Daher heißt das Motto heute: »Im Supermarkt«. Bei den gezeigten Produkten handelt es sich um Reis (1), ein alkoholfreies Malzgetränk (2), Olivenöle (3), Rotweine (4) und eine extrem reduziert gestaltete Tomatensaftpackung (5). Fantasievoll, nostalgisch, witzig, minimalistisch – auch so kann Verpackungsdesign sein! 🤓 🔠

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