Typo-Schnappschuss zwischendurch am Mittwoch: Gestern beim Einkaufen im feinen Stadtteil Harvestehude/Eppendorf fiel mir über einer Toreinfahrt an der Adresse Eppendorfer Baum 10 diese stilvolle weiß-rote 3D-Schriftzug auf, den ich natürlich sofort fotografieren musste.

Das historische Stadthaus an dieser Adresse wurde um die Jahrhundertwende (ca. 1898) erbaut, ist bestens erhalten und beherbergt heute im Erdgeschoss die Filiale eines Delikatessengeschäftes mit Bäckerei. Auf den ersten Blick passen die Lettern mit ihrer tiefliegenden horizontalen Mittelachse perfekt zur Gründerzeit-/Jugendstil-Optik des Hauses, doch der Schriftzug sieht optisch und technisch zu neu aus, um authentisch historisch zu sein. Und siehe da – lässt man sich die Adresse auf Google Maps anzeigen, bestätigt sich, dass die Einfahrt auf einem StreetView-Foto vom August 2022 noch unbeschriftet war. Hier wurde also mit gutem Stilgefühl und Gespür für die Epoche der Erbauung ein stimmiger Retro-Schriftzug angebracht. Es kann natürlich sein, dass ein anders oder gar nicht beleuchteter Hinweis auf die Garage bereits früher schon einmal existierte. Online einsehbare Belege dafür entdeckte ich jedoch nicht.

Für die Schriftart finden sich im Netz bei kommerziellen wie kostenlosen Anbietern etliche sehr ähnliche Referenzen. Am dichtesten heran kommt aus meiner Sicht die »Sevastian« von Adam Fathony (AFStudio, 2018). Und passend zur 3D-Umsetzung über der Einfahrt bietet die komplette Schriftfamilie verschiedene »Layer«-Varianten an, mit denen man auch bei der zweidimensionalen Anwendung eine solche Optik simulieren kann. 🤓 🔠 🅿️

Doch hinter dem hellen Äußeren des Hauses steckt auch eine düstere Facette. Auf dem Portal »Stolpersteine Hamburg« werden unter dieser Adresse zehn Namen von Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft aufgelistet.