Das Typographische Fundstück

verknallt in Schrift und Buchstaben

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09.07.2024

Heute gibt’s mal wieder ein typographisches Fundstück außerhalb des regulären Posting-Taktes, denn das Thema ist etwas spezieller und hat zudem mit einem meiner häufigen Tätigkeitsfelder »Fahrgastlenkung im ÖPNV« zu tun:



Am Wochenende stolperte ich in meinem Hamburger Wohnviertel auf dem S-Bahnsteig des Bahnhofs S/U Barmbek über das kleine b und das kleine k auf der Stationsbeschilderung. »Aha, eine andere Schrift«, dachte ich zuerst und dann bei näherem Hinsehen: »Oho, eine komplett neue Beschilderung!«. Im Zuge der Neustrukturierung der Hamburger S-Bahnlinien zum 10. Dezember 2023, so fand ich anschließend heraus, erhielten etliche der davon betroffenen Stationen neue Schilder. Ausgänge sind nun mit Buchstaben-Indizes gekennzeichnet, Abgänge und Fahrstühle klarer ausgewiesen, die überarbeiteten Piktogramme sind größer und deutlicher geworden und die Informationen auf den Schildern wurden neu gegliedert. Insgesamt eine Verbesserung, wie ich finde, auch wenn die Textinformation zu den Straßennamen der Ausgänge nun etwas kleiner geworden ist. Das Foto zeigt die Anmutung zweier Schilder auf dem Bahnsteig »vorher« und »nachher«.



Die S-Bahn Hamburg hat zu ihren Maßnahmen und zum Austausch der Schilder eine kompakte Info-Seite veröffentlicht (Update, 30.08.2025: die betreffende Seite ist leider nicht mehr online):

»Die neuen Schilder haben ein paar Vorteile: klarere Strukturierung, bessere Sortierung nach räumlichen Zusammenhängen, visuell betonte Kennzeichnung – besonders bei den Ausgängen – und optimierte Piktogramme.«



Keine Angaben habe ich allerdings bisher dazu gefunden, wie die neue Schriftart auf den Hamburger Schildern heißt, die hier die bisherige Schrift »Deutsche Bahn WLS« (WLS = Wegeleitsystem) ersetzt und ob dieser Font künftig auch an S-Bahnhöfen außerhalb Hamburgs zum Einsatz kommen wird. Vielleicht hat ja einer der hier Mitlesenden dazu ergänzende Kenntnisse – ich würde mich freuen.



(Update, 30.08.2025: Inzwischen konnte ich herausfinden, dass die neue Schriftart mit dem Namen »Arrow« bezeichnet ist. Zu ihren gestalterischen Urheber*innen habe ich bisher leider noch keine weiteren Angaben ermitteln können.)

05.07.2024

Bei einem Blick in mein Archiv typographischer Fundstücke fiel mir diese Woche auf, dass ich zufällig auf meinen aktuellen Reisen nach Regensburg und Stralsund Fotos von Schriftzügen an Gebäuden geknipst habe, die ich vor mehr als einem Jahrzehnt schon einmal abgelichtet hatte – nur in einem jeweils komplett anderen Zustand. In Regensburg wurde der Schriftzug an dem inzwischen geschlossenen Geschäft »SCHUH Bar« kürzlich abmontiert, sodass nur noch der Schatten der Buchstaben übrig blieb. In Stralsund hingegen wurde der damals fast zerstörte Schriftzug an der ebenso baufälligen Fassade der »Milchbar« originalgetreu restauriert und inzwischen genießen in dem Café/Restaurant darunter wieder Einheimische und Touristen ihre Speisen und Getränke.



So fange ich in meiner Sammlung hin und wieder nicht nur einzigartige Zeugnisse der Schriftkultur ein, sondern dokumentiere ab und zu – wenn auch hier unbeabsichtigt – ihr bedauerliches Verschwinden oder ihre erfreuliche Bewahrung. Und das ist ja abseits der Schönheit der Buchstabenformen genauso spannend wie die Schriftzüge selbst … oder?



28.06.2024

Als typographisches Fundstück der Woche präsentiere ich heute mal wieder eine Inschrift auf einem verfallenen alten Bahnhofsgebäude, gefunden im Moselland. Der Bahnhof selbst ist zwar für Regionalzüge als reine Bahnsteigstation mit Wartehäuschen nach wie vor in Betrieb, aber das angrenzende ehemalige Stationsgebäude ist eingezäunt, mit Spanplatten vernagelt und verlassen. Irgendwie ironisch, dass solche Relikte aus einer Zeit, in der das Schienennetz der Bahn bis zu 20.000 Kilometer länger als heute war*, nach außen einen Grad der Vernachlässigung aufweisen, der dem Fahrgefühl des oft unzuverlässigen Bahnbetriebs der Gegenwart hinter seiner modernen Fassade ziemlich gut entspricht … 🤔🙁🛤📉 



* 1955 hatte die Gesamtlänge des Schienennetzes in Gesamt-Deutschland mit insgesamt 53.700 km ihren bisherigen Höhepunkt erreicht. 2023 waren es nur noch 33.430 km.



Weiterführende Links:



➡️ https://interaktiv.morgenpost.de/bahn-schienennetz-deutschland-1835-bis-heute/

➡️ https://www.allianz-pro-schiene.de/themen/infrastruktur/schienennetz/

20.06.2024

Hier mal wieder ein schönes Verpackungsdesign, das mir gestern im Supermarkt positiv aufgefallen ist. Eine für meinen Geschmack ziemlich gelungene Mischung aus Typographie und Illustration. Auffällig, aber nicht aufdringlich. »Retro«, aber nicht angestaubt. Trendy, aber nicht prätentiös. Gefällt mir! 👍🙂

14.06.2024

Das typographische Fundstück der Woche verdient diese Bezeichnung diesmal im wahrsten Sinne des Wortes. Im Zuge der schon länger peu à peu ablaufenden Sichtung des Nachlasses im Wohnhaus der vor einiger Zeit verstorbenen Schwiegereltern tauchten diese Woche die dazu gehörenden Bauzeichnungen von Anfang der 1980er Jahre auf. Es sind definitiv Unterlagen aus der »Prä-Computer-Ära«, alles manuell erstellt, analog vervielfältigt und von Hand beschriftet.

Ich war sofort fasziniert davon, dass der verantwortliche Architekt offenbar nicht nur ein Händchen für die präzise Darstellung von Grundrissen und technischen Details hatte, sondern auch ein Talent für kalligraphisches Schreiben. Zwei Beispiele davon habe ich für meine dieswöchige Galerie einmal (anonymisiert und mit freundlicher Genehmigung aller Beteiligten) abfotografiert. 

Beeindruckend!

07.06.2024

Immer noch auf Reisen, daher auch diese Woche wieder ein unkommentiertes Potpourri mehrerer »typographischer Fundstücke«, diesmal eingefangen in den schönen Küstenstädten Stralsund und Greifswald.

31.05.2024

Etwas versteckt hinter dem modernen Teil des ehemaligen Potsdamer Hauptbahnhofs*, am Treppenzugang über eine Autobrücke, präsentierte sich das heutige »typographische Fundstück der Woche«, am Endpunkt einer Wanderung. Interessant fand ich insbesondere die Zweifarbigkeit – und natürlich die Frage, wohin sich wohl das m abgesetzt hat. 🤓



(* Heute heißt der Bahnhof »Potsdam Pirschheide«. Als »Potsdam Hauptbahnhof« war er zwischen 1960 und 1999 der wichtigste Personenbahnhof der Stadt.)



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