Schon mehrfach gab es hier im Blog Beiträge zu neuen und alten Beschriftungen an Gebäuden und Bahnsteigen an Bahnhöfen. Bedingt durch die weit zurückreichende Geschichte der Eisenbahn sind allerorten neue und alte, vergessene, teils verwitterte, teils aber auch erstaunlich gut erhaltene Schilder und Schriftzüge zu entdecken. Eines dieser Schilder habe ich heute aus der Deutsch-Luxemburgischen Grenzregion vom Regionalbahnhof Wasserbillig mitgebracht.

»Der Bahnhof Wasserbillig in der gleichnamigen Ortschaft Wasserbillig ist ein luxemburgischer Grenzbahnhof zwischen Luxemburg und Deutschland. Der Bahnhof Wasserbillig liegt an der Bahnstrecke Luxemburg–Wasserbillig. Der Bahnhof wird von RB- und RE-Zügen angefahren. (…)
Quelle: Wikipedia – »Bahnhof Wasserbillig«
Der Bahnhof wurde 1861 mit dem Bau der Bahnstrecke von Luxemburg Stadt eröffnet. 1911 wurde die Strecke bis Oetringen zweigleisig ausgebaut und von 1956 bis 1959 elektrifiziert.«
Spontan erinnerten mich die abgerundeten rechteckigen Lettern an die beiden Schriftklassiker »City« (Georg Trump für Berthold AG, 1930), die allerdings Serifen aufweist – und die deutlich breiter laufende »Bank Gothic« (Morris Fuller Benton für ATF, ebenfalls 1930). Bei der Recherche fiel mir dann auf, dass es interessanterweise auch große Ähnlichkeiten mit Schriften gibt, die historisch im Straßenverkehr genutzt wurden. So zum Beispiel mit der nach ihrem Gestalter benannten Schriftfamilie »Charles Wright«, die seit 1935 (und bis heute in weiterentwickelter Form sowie unter anderem Namen) in Großbritannien für Kfz-Nummernschilder verwendet wird. Man findet Varianten davon als »Mandatory« oder »UK Number Plate« im Netz und es gibt auch eine Info-Seite dazu von der »British Number Plate Manufacturers Association«.
Eine andere »Straßenverkehrsschrift« mit einer vergleichbaren Anmutung ist die »Route 66« von Nick’s Fonts, die auf Schriftarten beruhen, welche auf US-Highway-Schildern aus den 1930er bis 1950er Jahren anzutreffen waren.

Dennoch sind diese Schriften nicht mit jener auf dem deutsch-luxemburgischen Stationsschild identisch. Unter anderem der tiefliegende Querstrich des 𝐴, die beiden unterschiedlich breiten Bögen des 𝐵 sowie der kurze horizontale Abschlussstrich am Bein des 𝑅 machen den Schriftzug einzigartig. Das gleiche 𝑅 findet sich auch auf dem Schild, das am Bahnhof Wasserbillig auf den Ausgang verweist:

Es ist nicht ganz einfach, die Zeit der Anbringung der Schilder zu ergründen. Formal sind sie, den o.g. Ähnlichkeiten nach, in den 1930-er bis 1950-er Jahren verwurzelt. Das Stationsschild »WASSERBILLIG« scheint aus Metall gefertigt zu sein, das Hinweisschild »SORTIE« weist Risse auf, wie sie im Lauf der Zeit bei Emaille oder Keramik entstehen könnten. In einer kommerziellen Bilddatenbank entdeckte ich immerhin ein historisches Schwarzweißfoto vom 16. August 1968, auf dem das Stationsschild bereits dokumentiert ist. Weitere alte Abbildungen mit eindeutig erkennbaren Hinweisen fand ich online nicht. Da öffentliche Beschilderungen meist entweder unmittelbar beim Bau oder zum Zeitpunkt späterer Sanierungen, Renovierungen oder Ausbauten angebracht oder ausgetauscht werden, würde ich die Tafeln auf 1959 (s.o.) oder früher datieren.
Wer mehr dazu weiß, kann sich natürlich sehr gerne melden! 🤓 🔠 🛤️
Schreib einen Kommentar