Als typographisches Montagsbonbon kredenze ich heute mal wieder (siehe hier) ein kleines Ratespiel. Auf dem Weg von meiner Reiseunterkunft in Kopenhagen zur nächstgelegenen Metrostation kam ich jedes Mal am Vereinsgebäude des Kopenhagener Ruderclubs (»Københavns Roklub«) vorbei. Am Gebäude und auf dem Grundstück des 1866 gegründeten Vereins ist dessen Name dreimal in großen Lettern und aus jeweils verschiedenen halbfetten bis fetten serifenlosen Schriften angebracht. An der Beschriftung auf der Längsseite des Clubhauses blieb mein Blick aufgrund mehrerer leichter »Störgefühle« mal wieder länger hängen als üblich. Vier Unstimmigkeiten fielen mir auf:
- Ein Stück am Bein des R ist abgebrochen.
- Ebenfalls fehlt ein Stück unten rechts am L, wodurch eine unschöne Lücke zum U entsteht.
- Die Buchstabenabstände sind insgesamt nicht sonderlich harmonisch.
- Ratet!

Ich habe in einem zweiten Bild die gröbsten Scharten bei der Beschriftung ausgewetzt und verrate, was das vierte Missgeschick ist.
Viel Spaß beim Raten! 🤓 🔠 🤔 💭
Auflösung

Mit dem O stimmten gleich zwei Dinge nicht: Zum einen war es ca. 45° im Uhrzeigersinn gedreht angebracht, sodass der ganz leicht ovale Innenraum (Punze) den Buchstaben optisch »eiern« ließ. Zum Anderen war offenbar auch beim Entfernen dieses Innenraums nicht ganz sauber gearbeitet worden, die Kontur ist leicht asymmetrisch und wirkt »ausgebeult«.

Die verwendete Schriftart könnte eine Version der »Folio« sein (Walter Baum/Konrad Friedrich Bauer für die H. Berthold AG, 1956), zu erkennen an dem fast kreisrunden O sowie dem senkrechten Bein des R, das an der Basis mit einem leicht gebogenen Schwenk nach rechts abschließt.
Update, 12.04.2026: Im Kommentarverlauf zu meinem gekürzten Posting mit diesem Foto auf LinkedIn wiesen einige fachkundige Leser auf weitere Unstimmigkeiten in dem Schriftzug hin. Es scheint, als seien die beiden Wörter aus (mindestens) zwei verschiedenen, wenn auch sehr ähnlichen Schriftarten zusammengewürfelt. So haben etwa K, U und B eine leicht kräftigere Strichstärke und die beiden N sind unterschiedlich breit. Aber das sind tatsächlich eher schon Feinheiten für Fortgeschrittene …

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