verknallt in Schrift und Buchstaben

Kategorie: Schriftgestaltung (Seite 3 von 3)

Wie viel Arbeit, Ideen, Liebe zum Detail, Kreativität und handwerkliches Können in einer professionell gestalteten Schrift stecken, wird beim Lesen oft übersehen. Diese Rubrik setzt die Lupe an und lenkt das Augenmerk darauf.

07.06.2023

Wie letztes Jahr bin ich auch bei meinem Besuch in diesem Jahr sehr angetan von dem visuellen Konzept der re:publica, das sich durch alle Medien, die Website, Bühnenveranstaltungen, Präsentationen und Postings zieht. Passend zum Leitthema »CASH« wurden grelle »Supermarkt-Plakatfarben« gewählt, dazu passend ein fetter serifenloser Display-Font und ein saftiger, dynamischer Marker-Font. Auf der Bühne stehen Warenkörbe, Palettenwagen und Kunststoffcontainer als Dekoration, die Visuals arbeiten mit Wiederholungen, auffälligen Störern und dem ultimativen Kontrast zwischen »Neonbunt« und »Schwarz«. Sehr gelungen!



Inzwischen weiß ich auch (durch die Fragestunde mit den Organisatoren), dass das Design von re:publica-Mitgründerin Tanja Haeusler / republica GmbH in Zusammenarbeit mit der Berliner Agentur fertig design konzipiert und umgesetzt wird (und bin ein bisschen neidisch). 😉 



Wie der Marker-Font heißt, habe ich inzwischen schon herausgefunden: er nennt sich »Walmer Marker« und stammt von der finnischen Type Foundry »Typolar« des Designers Jarno Lukkarila (Link s.u.). Auf der Website des Büros kann man mehr zur Entstehung dieser interessanten Schrift erfahren.

Wie die fette Plakatschrift (im Bild rechts, über den Störern) heißt, habe ich noch nicht herausgefunden, aber ich editiere das hier nach, falls es mir noch gelingt – oder vielleicht kennt ja ein Mitleser den Font?

➡️ https://www.typolar.com/about/stories/index.php?tab=stories&story=walmer-marker

22.05.2023

Bis gestern befand ich mich für einige Tage im Urlaub auf der schönen dänischen Insel Bornholm und das brachte mich auf den Gedanken zu diesem Posting.

Denn seit ich Ende der 1990er-Jahre erstmals während eines Urlaubs in Dänemark mit dem Zug fuhr, bin ich verliebt in das »Danish g«. Diese ganz besondere Formgebung des kleinen ›g‹ ist nämlich Bestandteil der exklusiven Hausschrift »Via« der dänischen Eisenbahngesellschaft DSB (Bild 1) und damit präsent auf sämtlichen Beschilderungen und Anzeigetafeln an dänischen Bahnhöfen. Die in Kopenhagen ansässige Agentur Kontrapunkt schrieb zu ihrer damaligen Schriftgestaltung:

»The open loop of the ›g‹ is derived from the Danish signage tradition. The feature arose from the simple need to use the available space on a sign the best possible way.« 🇩🇰☝️

Und tatsächlich ist dieses spezielle ›g‹ auf etlichen lokalen Straßenschildern zu finden, wenn man ein wenig danach sucht, aber auch in aktuellen Logos erfreut sich dieser charakteristische Kleinbuchstabe nach wie vor großer Beliebtheit (Bild 2). Ein Vorkommen begegnete mir sogar weitab des dänischen Ursprungs in der Inschrift eines historischen Grabmals auf dem Friedhof St. Sebastian in Salzburg (Bild 3)! 😲🇦🇹



In jüngster Zeit kamen nun (endlich!) auch einige Computerfonts auf den Markt, die das »Danish g« in ihren Zeichensatz aufgenommen haben. Die Schriftarten heißen z.B. Dane, Syne, Gingar, Regave, Lufga, Batory oder Egon und ich finde es großartig, dass diese famose Form nun über Dänemark hinaus größere Verbreitung findet. 🤩🔠



Inzwischen hat sogar ein Kunde unserer Agentur biike – die Renneberg Wirtschaftskanzlei – unseren Designvorschlag angenommen, die eigene Wortmarke mit diesem besonderen ›g‹ gestalten zu lassen, was mich ganz besonders freut. Denn es sieht nicht nur gut aus und passt perfekt zu dem auf ›g‹ endenden Namen des Unternehmens, sondern sorgt auch für eine wunderbar unterschwellige Weise für eine hohe Wiedererkennbarkeit. Win-win! 👍😀

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