verknallt in Schrift und Buchstaben

Kategorie: Reisefunde (Seite 14 von 21)

Ich reise gerne und oft, innerhalb Deutschlands, aber auch in Europa. Und natürlich ist unterwegs immer die Kamera dabei, sodass auf jeder Tour neue Fundstücke in meiner Sammlung landen.

06.12.2024

Mein Schreibtisch ist derzeit so prall mit herausfordernden und spannenden Designaufgaben befüllt wie ein Nikolausstiefel mit Weihnachtssüßigkeiten. Deshalb muss ich mich beim typographischen Fundstück der Woche ausnahmsweise auf einen Schnappschuss beschränken, zu dem ich nicht ausgiebiger recherchieren muss und der ohne Erläuterungen auskommt. Aber schön ist er trotzdem, finde ich. Ich mag den Hauch von Nostalgie, der so manche Gebäude- und Fahrzeugbeschriftung umweht, die mit den dynamischen, eigens gestalteten Schreibschrift-Schriftzügen versehen sind, wie sie in den 1950er- und 1960er Jahren en vogue waren. Dieses knallblaue Exemplar davon habe ich vor wenigen Tagen in Berlin fotografiert. 🤓 🔠

29.11.2024

Diese Woche melde ich mich mit zwei typographischen Fundstücken aus München, wo ich sie während eines Besuches im Nationaltheater entdeckte. Zum einen ein ungewöhnlicher, aber sehr edel und klassisch anmutender Ü-Umlaut auf einem Schild an den Glastüren im Ausgangsbereich, zum anderen ein – vermutlich dem Zahn der Zeit geschuldetes – munteres Grundlinienballett bei einem Wegweiser aus einzelnen Metallbuchstaben an einer Wand im oberen Foyer. Aber da Ballett ja ebenfalls zum Genre des Musiktheaters zählt, passt es eigentlich trotzdem recht gut hierher … 🤭 🤓 🔠

15.11.2024

Ich finde, Korrosion, Verwitterung, Deformation und Lädierung können sehr kreative Gestalter sein. Wenn vormals intakte, sorgsam gestaltete bedruckte Oberflächen oder Werbemedien von rohen Kräften malträtiert werden, entstehen oft spannende, neue Formen, »Designs« und Kompositionen.



Aus meiner Sammlung typographischer Fundstücke habe ich heute zu diesem Thema einige Beispiele herausgesucht. Sie stammen aus Regensburg, Edinburgh, Kopenhagen, dem Havelland und Berlin. Ganz schön kaputt! 🤓 🔠

08.11.2024

Die Welt braucht derzeit aus meiner Sicht mehr Optimismus, Schönheit, Heiterkeit, Genuss, Gelassenheit und Zuversicht denn je. Doch wie kann man sich als Einzelne*r von den fast täglichen Katastrophenmeldungen abschirmen? Soll man den Nachrichtenkonsum reduzieren? Sich komplett zurückziehen? Mir persönlich helfen bei der dringend gebotenen »Psychohygiene« gezielt herbeigeführte Momente und Routinen im Alltag, in denen ich mich bewusst möglichst erfreulichen Sinneseindrücken hingebe.



Dazu gehört z.B. einerseits das hier dokumentierte Aufspüren typographischer Fundstücke, andererseits bin ich aber auch ein Mensch, der leidenschaftlich gerne kocht und isst. Das tut mir gut, das baut mich auf, das sorgt bei mir für Wohlbefinden. Zudem bewege ich mich häufig in  Städten, wo fast überall Tags und Graffiti zu finden sind. Ich frage mich bei diesen Schriftzügen oft (meist sind es ja »Tagnames«, jene Pseudonyme, die sich die Schreiber selbst gegeben haben), wie der oder die Einzelne wohl zu seinem/ihrem ausgewählten Namen kam. Und mit der Zeit fielen mir hin und wieder einzelne Inschriften auf, die Lebensmittel bezeichnen. In Hamburg z.B. sah ich im Vorbeifahren aus einer S-Bahn »FUDGE« (leider zu weit weg zum Knipsen). Aber dann, nachdem ich begann, gezielt zu suchen, entdeckte ich immer häufiger Graffiti mit – gewolltem oder ungewolltem – Foodkontext. Für diese Fundstücke habe ich inzwischen einen eigenen Ordner angelegt und ein paar der Motive möchte ich heute hier teilen. 



FUDGE, wie gesagt, fehlt mir noch in meiner Fotosammlung. Und neulich sah ich aus dem Bus in Hamburg auf einem Stromkasten TRÜFFEL. Da muss ich unbedingt demnächst noch mal für einen Schnappschuss hin … 😉 🤓 🔠

(Update, 01.09.2025: Ich war dort und habe nachgeknipst. Und die Sammlung wächst weiter …)

01.11.2024

Ich bin derzeit mal wieder unterwegs in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, die Smartphonekamera immer im Anschlag auf der Suche nach interessanten typographischen Fundstücken.

Entdeckt habe ich zwei schöne Exemplare »historischer« Neonschriftzüge. In Düsseldorf kam ich an dem offenbar alteingesessenen Hotel »Bismarck« vorbei, in dessen Schriftzug mir besonders das ausgeschwungene k am Ende gefiel. Und in Trier begegnete mir der seltene Buchstabe ÿ (»Ypsilon-Trema«) in der Leuchtreklame eines Juweliers. Man könnte meinen, dies sei ein altmodisches, heutzutage kaum mehr gebräuchliches Zeichen (der dänische Astronom Tycho Brahe [1541–1601] etwa nutzte es für den Vornamen in seiner Unterschrift), aber der 2017 gegründete Telekommunikationsanbieter PŸUR nutzte z.B. dessen Extravaganz, um seinem Markennamen einen besonderen Akzent zu verleihen. Wer weiß – vielleicht steht dem ÿ ja ein Comeback bevor … 🤓 🔠

22.10.2024 (1)

Mit diesem typographischen Fundstück endet heute meine Serie mit Foto-Postings aus Kopenhagen. Das Motiv ist insofern ungewöhnlich, da die meisten dreidimensionalen Schriftzüge oder Buchstaben, die man im öffentlichen Raum gemeinhin antrifft, eher aus Kunststoff und/oder Metall angefertigt sind und entweder an Mauern bzw. den Fassaden von Gebäuden oder auf deren Dächern angebracht sind. Dieses Gebilde jedoch besteht aus Beton und steht quasi als »Logo-Skulptur« direkt auf dem gepflasterten Platz vor dem Bürogebäude der Firma KAB, Dänemarks größtem Verwalter gemeinnütziger Wohnungen. Ich konnte leider nur das B der dreidimensional umgesetzten KAB-Wortmarke fotografieren, denn vor dem interessanteren K mit seinem waagerechten Steg zwischen Stamm und Schenkeln sowie dem A standen zahlreiche Fahrräder … 😉



Ich hoffe, die Serie hat meinen Lesern und Followern gefallen und ich bin selbst schon gespannt, was ich von künftigen Reisen in nächster Zeit an neuen Motiven mitbringen werde … 🤓 🔠



21.10.2024

Mein Bildervorrat von der Reise nach Kopenhagen geht allmählich zuende und so ist dies heute das vorletzte Fundstück, das ich in (werk)täglichem Rhythmus posten werde, ehe ich bis auf Weiteres wieder zu meinem wöchentlichen Freitagstakt zurückkehre.



Das heutige »Exponat« entdeckte ich im Vorbeigehen an einer eher unscheinbaren Kellerluke im Stadtteil Christianshavn. Der Text enthält einen weiteren typisch dänisch-n

orwegischen Buchstaben (eigentlich eine sog. Ligatur, d.h. eine Verschmelzung zweier Zeichen): das Æ oder æ. Gesprochen wird es ähnlich wie das deutsche Ä.



Der Text auf dem Schild, »Undlad ophangning – Fredningsmyndigheden« – kann übersetzt werden mit »Nicht aushängen – Die Denkmalschutzbehörde«. Genau wie im Deutschen gibt es auch im Dänischen etliche lange und kompliziert anmutende Komposita wie »Fredningsmyndigheden« oder »Arbejdsmiljøovervågningssystemer« (Arbeitsmedizinische Überwachungssysteme), aber im Gegensatz dazu auch sehr minimalistische Substantive, die nur aus einem einzelnen Buchstaben bestehen, wie etwa »Ø« (Insel).



Die Schrift auf dem Schild fiel mir auf, weil sie mich an eins meiner Postings von vor einigen Wochen erinnerte, in dem es um sog. schmalfette Groteskschriften wie z.B. »Haettenschweiler« ging. Dazu würde ich auch dieses Schriftbeispiel mit seinen rechteckigen Proportionen und den verkürzten Ober- und Unterlängen zählen. Es ist nicht einfach, abzuschätzen, in welchem Jahrzehnt dieses Schild ursprünglich entstanden ist, da eine einfühlsame Denkmalschutzbehörde vielleicht auch eine Beschilderung neueren Datums bewusst an die Ästhetik des Gebäudes hätte anpassen können.

18.10.2024

Ein bisschen beneide ich die Dänen (und Norweger) ja um ihr durchgestrichenes Ø. Ein schøner Buchstabe, der gesprochen wie ein Vokal zwischen Ä und Ö klingt (auf der englischen Wikipedia-Seite* kann man sich den Klangunterschied zwischen Ö und Ø anhören). Deshalb halte ich auf meinen Reisen nach Dänemark auch immer Ausschau nach kreativen Umsetzungen für dessen Form in medial reproduzierten Texten oder bei Unikat-Beschriftungen. Ein Beispiel, das mir besonders gut gefiel, war diese ebenso schlichte wie elegante Løsung an einem Salon in Kopenhagen. (Um von dem Schriftzug nicht allzu sehr abzulenken, habe ich einige Risse und Putz-Abplatzer an der Fassade dahinter »repariert«.)

Übrigens: Computernutzer benutzen das Ø gerne als mathematisches Symbol z.B. für »Durchmesser«, das ist aber eigentlich nur ein Notbehelf. Denn im Zeichensatz der mathematischen Sonderzeichen gibt es dafür ein eigens angelegtes Symbol: ⌀. Aber bitte fragt mich als Mac-User nicht, wie man auf einer Windows-Tastatur da, ohne nachzuschlagen, rankommen kann … 😉 



* ➡️ https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%98

17.10.2024

Als häufiger Bahn- und ÖPNV-Nutzer geht es mir oft so, dass ich an den vermeintlichen Abfahrpunkten meines aktuellen Verkehrsmittels länger (oder sogar vergeblich) nach deren Kennzeichnung suchen muss. An Fernbahn- oder Regionalbahnhöfen funktioniert das am Bahnsteig selbst meist recht gut, wenngleich die Wege dahin häufig suboptimal ausgeschildert sind. Für Irritation sorgen bei mir gerne regelmäßig seltsame Systematiken oder »Ausreißer« bei den Gleisbezeichnungen wie z.B. in Uelzen (es gibt zwar Gleis 101, 102, 103 und 301, 302, 303, 304, aber keine Gleise 201 ff …?) oder in Koblenz (Zusätzlich zu Gleis 1 bis 9 gibt es dort zwischen den Gleisen 4 und 5 das Gleis 105 und zwischen Gleis 8 und 9 das Gleis 109). Wenn dann noch die Beschilderung versagt, verpassen Fahrgäste schon mal ihren Anschluss …



An ÖPNV-Bahnsteigen jedoch erlebe ich Gleisnummerierungen häufig als »Stiefkind«. Oft schon stand ich suchend an S-Bahn-Steigen, auf dem Smartphone wurde mir angezeigt, meine Bahn führe z.B. auf »Gleis 2«, aber am Bahnsteig selbst war kein prominent platziertes, plakatives Schild mit einer Gleisnummer zu finden. Doch dann – am Ende des Steiges, verdeckt von Taubenbarrieren und Lüftungsrohren, hoch oben unter der Dachkonstruktion, hing dann vielleicht doch mal eines. 



Das heutige typographische Fundstück – natürlich wieder aus Kopenhagen – zeigt, wie es anders geht. An den Bahnsteigen (hier die Station »København Syd«) halten die unbemannten Züge stets in derselben präzisen Position, sodass die Eingangsbereiche am Bahnsteig bereits vor Einfahrt der Züge klar erkennbar sind. Und an jedem Einstiegspunkt ist die Nummer des Gleises mit einer massiven Metallziffer in der Schriftart »Via« der dänischen Bahngesellschaft DSB in die steinernen Bodenplatten des Bahnsteigs eingelassen. Das sieht nicht nur schick aus, sondern ist für Fahrgäste auch sofort ohne Suchen auffindbar.



Ich sage: Bitte nachmachen, Deutschland!

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