verknallt in Schrift und Buchstaben

Kategorie: Do It Yourself (Seite 2 von 3)

Wenn weder Drucker noch Computer zur Hand sind, müssen Textschaffende zur Selbsthilfe greifen. Dann entstehen mit allerlei Hilfsmitteln ungenormte, kreative Ergebnisse, denen man ihren manuellen Ursprung ansehen kann.

04.07.2025

Wenn die Hitze drückt, brauchen Körper und Geist erstens genug Flüssigkeit und Elektrolyte und zweitens eine reichliche Zufuhr von Nervennahrung wie Obst, Schokolade, Gebäck oder Konfekt, die gut schmeckt, die Endorphinausschüttung anregt und im Idealfall etwas kühlt. Deshalb steht das Bilderbündel, das ich heute als gesammelte typographische Fundstücke der Woche aus meinem »Barcelona-Bestand« poste, unter dem Motto »Leckereien«. Im Angebot sind Süßwaren (1), Confiserie (2), ein feines Brunch (3) und Tapas (4).



Die meisten Schriften in den Bildern sind wieder garantiert handgefertigt, insbesondere bei Bild (3) und basieren höchstens teilweise auf kommerziellen oder historischen Vorlagen, ihre Bestimmung ist daher sehr diffizil. 



Die augenfälligsten Merkmale bei der Schrift auf dem Vorhang der Bonboneria (1) sind der spitze Winkel beim M und der gerade Abstrich des R – eine kommerzielle Schrift mit beiden Merkmalen gleichzeitig konnte ich nirgends finden. Beim oberen Schriftzug auf demselben Bild fallen insbesondere die schlanken Proportionen, der Winkel in den Serifen beim E und der große »Bauch« des R auf, aber auch hier kam ich bei einer Identifikation nicht weit. 



Das Metallrelief bei der Pastisseria (2) zeigt mal wieder eine Schrift mit Urspüngen im Art Déco oder den beiden Jahrzehnten danach. Hier böte sich der Font »ITC Juanita« als Vorlage an: 



➡️ https://www.myfonts.com/de/collections/juanita-font-itc

Im Foto mit den Tapas (4) fallen die kurzen Unter- und Oberlängen, der gerade Abstrich des y und das abstrichlose u auf, ein als Vorlage hätte z.B. die Schrift »HK Nova Semi Bold« gedient haben können:



➡️ https://www.myfonts.com/de/products/semi-bold-hk-nova-590740

Aber jetzt gibt’s erstmal ein Eis! 🤓 🔠 🍧

23.06.2025

Das typographische Montagsbonbon heute ist ein schönes Beispiel dafür, wie grafische Elemente, die nicht immer bzw. nicht »geplant« auf einer Gestaltungsfläche vorhanden sind, zufällig und zeitweilig das ursprüngliche, menschengemachte Design auf interessante Weise verändern – vielleicht sogar verschönern – können.



Auch dieses Beispiel stammt wieder aus Barcelona. Im strahlenden Schein der Mittagssonne im Mai warfen die Befestigungsstäbe auf diesem Ladenschild ihre strengen diagonalen Schatten über die Fläche mit den auffälligen handgefertigten Holzbuchstaben. Diese interessante Zufälligkeit musste ich dann doch direkt mal fotografisch einfangen – hier arbeitete mal die Sonne als Designerin. 🤓 🔠 ☀️

19.05.2025

Das heutige typographische Bonbon ist vielleicht eher etwas für die älteren unter den Lesern. Nämlich die, die sich noch daran erinnern, dass zwischen 1970 und 1973 immer freitags um 18.35 Uhr im Vorabendprogramm des ZDF eine Sendereihe unter dem (heute kritischer zu betrachtenden) Titel »Dick & Doof« mit Stan Laurel und Oliver Hardy zu sehen war – und bis zu 16 Mio. Zuschauer pro Woche verzeichnen konnte! 



Das Besondere an der Aufbereitung des Filmmaterials war – neben dem teils abenteuerlichen Zusammenschnitt mehrerer unabhängig entstandener Filme zu einer neuen 25-minütigen »Story« und der schwungvollen Musikuntermalung von  Fred Strittmatter und Quirin Amper jr. – oft die »Ein-Mann-Synchronisation« durch den Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch, der mit großer Stimmenvielfalt und seinen eloquent-verschrobenen Off-Kommentartexten den Sketchen der beiden Komödianten eine ganz neue, sehr deutsche, aber auch höchst amüsante Facette verlieh.



Im Vorspann der Serie (die hier im Haushalt kürzlich auf DVD erstanden wurde) fiel mir gleich der kuriose Titelschriftzug auf, der mit seinen comic-artigen massiven Lettern und den schrägen Formideen (das »k«!) schon fast etwas Logo-artiges hat und dem man die frühen 1970er, wie ich finde, auch formal sehr schön ansieht. 



Mehr Infos zur Serie:


➡️ https://www.wunschliste.de/serie/dick-und-doof#lexikon_inhalt

28.04.2025

Das typographische Bonbon – wiederum aus meinem Urlaub im Moselland – zeigt einen »handgemalten« Wegweiser mit einer tatsächlichen Ortsangabe, die aber auch gleichzeitig als Aufforderung gelesen werden kann, bewusst einmal innezuhalten, sich dem täglichen Stakkato aus To-do-Listen, Doomscrolling, Social-Media-Beiträgen, Straßenlärm, Mediengewitter und anderen Stressfaktoren einfach mal für eine Weile zu entziehen. Raus an die frische Luft, in den Wald, über die Hügel, auf die Wiesen, bewusst auf-, ein- und auszuatmen, gemächlich zu flanieren oder forsch zu wandern, vielleicht Rad zu fahren – und an nichts zu denken, außer dem gerade präsenten Moment. Für eine Weile den Blick von Monitor und Display zu heben und weit »ins Land«, in die Landschaft zu schauen.



Hilft ungemein und entspannt kolossal. Ich hab’s ausprobiert. 🤓 🔠 ⛰️

24.03.2025

Auch das heutige typographische Montagsbonbon (und noch einige weitere folgende Fundstücke in den nächsten Wochen) habe ich natürlich auf meinen Streifzügen durch Kopenhagen entdeckt: An einer lokalen Schule haben (vermutlich die Schüler*innen selbst) deren Namen (Heibergskolen) mit farbigen Wollfäden ins Gitter des Schulhoftores gewebt. Kreativ und auffällig!

22.11.2024

Geht man derzeit durch die Dörfer und Städte, trifft man allerorten emsige Schausteller, Handwerker und Lieferpersonal beim Aufbauen und Ausstatten der Buden für die diesjährigen Winter- und Weihnachtsmärkte. Etliche davon sind schon seit einer guten Woche geöffnet, andere warten pietätvoll noch das bevorstehende Totensonntagswochenende ab, ehe sie ihr saisonales Geschäft beginnen. Es wird gehämmert, geschraubt, installiert, Girlanden und Lichterketten werden aufgehängt, Leitungen verlegt und Beschilderungen angebracht.



Auch in der Hamburger Spitalerstraße, wo ich vorgestern vorbeikam, herrschte vergleichbares Treiben. An einer der Buden entdeckte ich das typographische Fundstück für diese Woche: Der Betreiber dieser Gebäckbude »dremelte« den Schriftzug für sein zentrales Warenangebot mit einer fünf- bis sechsfachen gefrästen Kontur um die Buchstaben in das Holzschild. Die Umrisse wirken handgeführt und sie umgeben die Schrift nicht nur nach außen, sondern dringen auch in die Innenform der einzelnen Zeichen ein, rauhen die Konturen auf und runden die Ecken ab. Manch empfindsamen Schriftliebhaber mag es schaudern bei dieser Art der Umsetzung, jedoch eines ist festzustellen: der Schrift ihre Identität und Erkennbarkeit nehmen konnte die ungezügelte Fräse nicht – es ist eine »Helvetica Black«. 



Eine gute Schrift kann eben einiges vertragen … 😉 🤓 🔠 



08.11.2024

Die Welt braucht derzeit aus meiner Sicht mehr Optimismus, Schönheit, Heiterkeit, Genuss, Gelassenheit und Zuversicht denn je. Doch wie kann man sich als Einzelne*r von den fast täglichen Katastrophenmeldungen abschirmen? Soll man den Nachrichtenkonsum reduzieren? Sich komplett zurückziehen? Mir persönlich helfen bei der dringend gebotenen »Psychohygiene« gezielt herbeigeführte Momente und Routinen im Alltag, in denen ich mich bewusst möglichst erfreulichen Sinneseindrücken hingebe.



Dazu gehört z.B. einerseits das hier dokumentierte Aufspüren typographischer Fundstücke, andererseits bin ich aber auch ein Mensch, der leidenschaftlich gerne kocht und isst. Das tut mir gut, das baut mich auf, das sorgt bei mir für Wohlbefinden. Zudem bewege ich mich häufig in  Städten, wo fast überall Tags und Graffiti zu finden sind. Ich frage mich bei diesen Schriftzügen oft (meist sind es ja »Tagnames«, jene Pseudonyme, die sich die Schreiber selbst gegeben haben), wie der oder die Einzelne wohl zu seinem/ihrem ausgewählten Namen kam. Und mit der Zeit fielen mir hin und wieder einzelne Inschriften auf, die Lebensmittel bezeichnen. In Hamburg z.B. sah ich im Vorbeifahren aus einer S-Bahn »FUDGE« (leider zu weit weg zum Knipsen). Aber dann, nachdem ich begann, gezielt zu suchen, entdeckte ich immer häufiger Graffiti mit – gewolltem oder ungewolltem – Foodkontext. Für diese Fundstücke habe ich inzwischen einen eigenen Ordner angelegt und ein paar der Motive möchte ich heute hier teilen. 



FUDGE, wie gesagt, fehlt mir noch in meiner Fotosammlung. Und neulich sah ich aus dem Bus in Hamburg auf einem Stromkasten TRÜFFEL. Da muss ich unbedingt demnächst noch mal für einen Schnappschuss hin … 😉 🤓 🔠

(Update, 01.09.2025: Ich war dort und habe nachgeknipst. Und die Sammlung wächst weiter …)

16.10.2024

☕️ Die Dänen trinken gerne Kaffee, im Pro-Kopf-Ranking des jährlichen Kaffeekonsums belegen sie zusammen mit Luxemburg sowie ihren skandinavischen Nachbarn Finnland, Norwegen und Schweden in Europa zuverlässig einen der vorderen Plätze. Entsprechend gibt es auch in Kopenhagen zahllose Cafés und Coffeeshops.



An der Fassade eines dieser Kaffeehäuser blieb mein Blick an dessen Ladenschild hängen – das heutige typographische Fundstück aus meinem Kopenhagen-Fundus. Hier ist nicht nur der Kaffee »hjemmelavet« (hausgemacht), sondern auch die Lettern der Außenbeschriftung wurden in aufwendiger Handarbeit aus kleinen Holzleisten zusammengezimmert. Eigenwillig, originell, hinreichend lesbar und bezüglich des Angebots exakt auf den Punkt gebracht. ☕ 🤓 🔠

04.10.2024

Über den Kopenhagener Stadtteil Kødby steht auf Wikipedia (gekürzt):

»Kødbyen (dänisch für die Fleischstadt), das ehemalige Fleischereiviertel Kopenhagens, ist ein einzigartiges Stadtquartier mit reicher Geschichte und lebendiger Gegenwart. Einst Zentrum des Fleischhandels, ist es heute ein kultureller Anziehungspunkt, der Kunst, Gastronomie und Nachtleben vereint. Das Quartier gilt als lebendiges Beispiel für die erfolgreiche Verbindung industrieller Vergangenheit und kultureller Gegenwart.«



Das heutige typographische Fundstück prangt auf der Dachkonstruktion oberhalb eines dortigen Industriehofes, auf dem sich verschiedene kulturelle und gastronomische Betriebe versammeln. 



Interessant finde ich, wie die Herstellungsmethode der Buchstaben – sehr wahrscheinlich wurden sie aus Holz oder anderen Bauplatten ausgesägt – ihre Form prägt. Die sägende Person versuchte augenscheinlich, einen Kompromiss aus Materialverbrauch, Lesbarkeit und Sägeaufwand zu finden. Ich finde, das ist ihr ziemlich gut gelungen. Besonders kreativ finde ich die Form des G. Durch zwei einfache formale »Kniffe«, nämlich den Winkel oben rechts und die rechteckige Einkerbung unten, gelang es sowohl, das Zeichen einigermaßen eindeutig von einem C zu unterscheiden als auch die Form (gegenüber komplexeren Optionen, siehe Bild 2) maximal einfach zu halten und damit ohne zu große handwerkliche Hürden herstellbar zu machen.



Natürlich würde ein professioneller Schriftgestalter etliches an dieser anarchischen Formgebung zu verbessern finden. Aber mir gefällt’s, auch weil es zum z.T. kiezigen, alternativen Umfeld dieses Viertels einfach sehr gut passt.
🤓 🔠 ☮️

30.08.2024

Und wieder zwei im Urlaub »aufgegabelte« typographische Fundstücke: Eine kühl-nordische dreidimensionale Hausinschrift im Zentrum des gleichnamigen norddänischen Insel-Küstenstädtchens (Nykøbing Mors) und ein mit kreativ verschnörkelten Lettern versehener Wanderwegweiser in der Nähe des schwedischen Sees Kymmen in Värmlands län, der auf die winzige Gehöftsiedlung Honkamack mitten im Wald verweist. 🇩🇰 🇸🇪 🔠 😎

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