Weil der Montagsbeitrag diese Woche schon so ausführlich war, wird die Besprechung des typographischen Fundstücks am Freitag nun etwas kürzer ausfallen. Das liegt aber auch daran, dass es sehr schwierig war, zu dem Gebäude, an dem sich der Schriftzug befindet, historische Details ausfindig zu machen. Insbesondere zu der benannten Bäckerei erbrachte meine Recherche so gut wie nichts. Das tut der Schönheit dieser Inschrift aber keinen Abbruch.

Entstanden ist das Foto am Haus Fischmarkt 11 in Regensburg. Außer einem Eintrag in der Liste der Baudenkmäler des Bayr. Landesamtes ist die Faktenlage dünn. Es gibt keine alten Fotos, Ansichtskarten, Werbeanzeigen oder Informationstexte zur Gründung oder Geschäftsaufgabe der alten Bäckerei.
»Eckhaus, 16./17. Jh., (…) 1892 wurde das Haus um das 3. OG aufgestockt und mit einer neubarocken Fassadengliederung versehen, die sich im Stil an das östliche Nachbargebäude anzugleichen versucht, dabei aber wesentlich sparsamer ausfällt. Gleichzeitig mit dem Umbau 1892 dürfte der Ladenvorbau im EG entstanden sein, der vom 1. OG aus als Altane [balkonartiger Vorbau am oberen Geschoss eines Hauses] benutzt wurde.«
Quelle: Borgmeyer, Anke, Achim Hubel Andreas Tillmann u. a.: »Denkmäler in Bayern«, Bd. 3/37, Stadt Regensburg (1997).
Das Zitat wurde mir freundlicherweise zugespielt über ein Mitglied der öffentlichen Facebook-Gruppe »Regensburg in alten Bildern«, in der ich nach Details zu dem Gebäude gefragt hatte. Eine andere Userin hatte noch eine Anmerkung zum dortigen Gewerbebetrieb:
»Ca. 1952–1973 gab es diese Bäckerei. 1869–1873 war eine Schankwirtschaft mit dem Namen ›Zu den drei Königen‹ am Fischmarkt 11 beheimatet. Ich denke, der Name leitet sich davon ab.«
Quelle: Facebook-Kommentar
Sollte es stimmen, dass die Bäckerei erst 1953 eröffnete, ist die Formgebung der Schrift, die deutliche Einflüsse des Jugendstils erahnen lässt, um so interessanter. Vielleicht wollte man ja damit dem Stil des Hauses Rechnung tragen. Möglich ist aber auch, dass eine (weitere?) Bäckerei dieses Namens bereits viel früher eröffnet wurde.
Dass die Buchstaben individuell gezeichnet wurden, ist auch an den drei leicht unterschiedlichen Vorkommen des kleinen e ablesbar. Als nähere Verwandte der genutzten Schriftart mit ihrem originell das Bäckerhandwerk zitierenden, brezelförmigen B, würde ich die »Carola-Grotesk« sehen. Sie stammt vom Schriftgestalter Hermann Hoffmann und wurde bei der H. Berthold AG im Jahr 1896 veröffentlicht. Die Jahresangabe passt somit ziemlich gut zu den oben erwähnten Baumaßnahmen am Gebäude, die offenbar anlässlich der erstmaligen gewerblichen Nutzung vorgenommen wurden.

Vielleicht lesen ja hier auch Regensburger mit, die noch weitere Hinweise beisteuern können. Dann gerne her damit! 🤓 🔠 🥨
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