verknallt in Schrift und Buchstaben

Kategorie: Zeichenformen (Seite 5 von 8)

Manchmal fällt mir ein einzelnes Zeichen innerhalb eines typographischen Fundstücks ganz besonders auf. Oder ich begegne einer Schrift bzw. einem Schriftzug mit mehreren schönen oder sonderbaren Details.

21.03.2025

Bei schönstem Spätwinter- bzw. Frühfrühlingswetter genieße ich derzeit zum wiederholten Male einen entspannten Kurzurlaub in einer meiner Herzensstädte: Kopenhagen. Doch die Gestalter und Kreativen hier kennen es bestimmt: Der Kopf und das Auge eines Grafikers haben niemals Ferien. Und so laufe ich denn hier auch stets mit voll aktivem Typo-Radar durch die Straßen und Stadtviertel und sehe, finde und knipse neues Futter für meine Schnappschusssammlung und meine allwöchentliche hiesige Buchstabenrubrik. Dennoch möchte ich den Urlaub immerhin so weit ausnutzen, dass ich die heute geposteten Fundstücke nicht ganz so ausführlich kommentiere wie sonst. Nur soviel sei gesagt: Das neunteilige Potpourri widmet sich meiner Lieblingsglyphe, dem »dänischen g«. Für den einen wirkt es vielleicht sonderbar beschnitten – für mich ist es immer wieder eine Augenweide. 🤓 🔠 🇩🇰 



Jeg ønsker alle en dejlig weekend!

10.02.2025

Ein Typo-Bonbon für zwischendurch: Im Vorbeifahren sah ich kürzlich auf einem Konzertplakat im Straßenland dieses Logo einer schwedischen Indie-/Alternative-Rockband. Der Bandname ist eine Kombination der beiden Vornamen John und Ossi ihrer beiden Mitglieder John Engelbert und Oskar »Ossi« Bonde.



Gefiel mir auf Anhieb, der Duktus erinnert mich ein bisschen an das Logo der Modekette SØR. Ich mag auch die leichte Irritiation, die zu der Frage verleitet, ob die Aussprache des Bandnamens aufgrund des »dänischen

orwegischen« Ø nun »Jöhnössi« oder »Johnossi« lauten soll. Sehr gelungen finde ich auch das elegant abgefräste J, die feine Verbindung zwischen H und N und das markante Serifengespinst in den beiden S. Ein schönes Logo.



Die Musik hingegen ist nicht so mein Fall – aber auch das ist ja Geschmackssache. 🙃 🤓 🔠 



Website SØR:
➡️ https://soer.de/



Website der Band:
➡️ https://www.johnossi.com/

03.02.2025

Kleines typographisches Bonbon zwischendurch: Die Lieblingsfigur aus der »Sesamstraße«, die ich als Kind hatte, war Graf Zahl. Und die Muppets insgesamt waren sowieso grandios. Deshalb folge ich auf einem meiner privaten Social-Media-Kanäle dem Account »Muppet GIF of the Day«. Das GIF vom vergangenen Freitag zeigte eben jenen Grafen und im Hintergrund eine Zahlenreihe mit einer ziemlich extravaganten 4.

Ich konnte zwar nicht herausfinden, welche Schriftart das ist, aber das minderte mein Entzücken nicht im Mindesten. 🙂 🤓 🔠

24.12.2024 🎄

»Die typographischen Fundstücke dieser Woche – es sind heute gleich 49 – repräsentieren alle dasselbe Schriftzeichen. Es handelt sich um das Sternchen, auch Stern oder Asterisk genannt (von spätlateinisch asteriscus / altgriechisch ἀστερίσκος [asterískos = Sternchen]), ein typografisches Zeichen in Form eines kleinen fünf-, sechs- oder achtstrahligen Sterns. Wir kennen es alle als Indikator für Fußnoten in Texten und als Verweis auf das sog. »Kleingedruckte« in Vertragstexten oder Geschäftsbedingungen. Als »Gendersternchen« führt es zu gesellschaftlichem Aufbrausen, es markiert Pflichtfelder in Formularen, kann als Platzhalter bei Suchanfragen oder zur Entschärfung nicht jugendfreier Wörter genutzt werden (Sh*tstorm). Man kann damit Gefühlsäußerungen wie *kicher* ausdrücken, jemandem ein Küsschen :-* zueignen, Multiplikationen notieren oder ein Geburtsdatum kennzeichnen.



Und ebenso vielfältig wie die Anwendungsmöglichkeiten dieses unscheinbaren Zeichens, ihr Nutzen und dessen Auswirkungen ist der Einfallsreichtum der Schriftdesigner bei seiner Formgebung. Doch allein schon aufgrund der Winzigkeit des Symbols in der täglichen Anwendung werden die Kreativität der Gestalter und ihre Liebe zum Detail beim Design des Asterisk oft übersehen. Grund für mich, mit diesem Weihnachtsposting einmal bewusst das Augenmerk darauf zu richten und allen Lesern und Followern ein schönes Weihnachtsfest zu wünschen.

Schaut gerne öfter genauer hin – es gibt viel Schönes im Kleinen zu entdecken. Nicht nur in der Typographie! 🤓

20.12.2024

Auch das dieswöchige typographische Fundstück hat wieder einige Jahre »auf dem Buckel«. Denn fotografiert habe ich es einerseits bereits im März 2004 während eines Urlaubs im Peak District, Derbyshire, Großbritannien, genauer: im beschaulichen Ort Hartington (der sich übrigens in einer bedeutsamen Region der Herstellung der bekannten englischen Käsesorte Stilton befindet), und andererseits reicht die Entstehungszeit einiger örtlicher Gebäude, z.B. einer Kirche und eines Schlosses, bis ins Mittelalter zurück (11.–13. Jh.). Auch auf dem malerischen Friedhof des Ortes finden sich zahlreiche uralte, teils komplett verwitterte Grabsteine. Das im Bild gezeigte Exemplar ist zwar nicht ganz so betagt, dafür aber typographisch interessant.



Zugegeben: ein solches Grabmal an sich ist zwar nicht gerade ein besonders weihnachtliches Beitragsmotiv (es ist ja auch noch ein paar Tage hin), aber ich finde, wenn man etwas genauer hinschaut, hat die Schönheit der Buchstaben der Inschrift durchaus etwas Feierliches und Festliches. Insbesondere die Zeilen in der ungewöhnlichen Frakturschrift finde ich ausgesprochen schön (das M, das g und das Y!) und könnte mir durchaus vorstellen – sofern diese Schriftart überhaupt jemals abseits solcher Inschriften zur Verwendung für Satz und Druck aufbereitet wurde – mit ihr sogar weihnachtliche Einladungen oder Grußmotive zu gestalten. 🤓 🔠


13.12.2024

Das typographische Fundstück dieser Woche ist schon einige Jahre alt, daher kann ich nicht sagen, ob dieser charmante kleine Farben- und Tapetenladen in Neuenfelde bei Hamburg (südwestlich von Finkenwerder) noch existiert. Aber die wunderbar exzentrischen, schwertförmigen kleinen t hatten es mir damals angetan. 🙂 🤓 🔠

(Update, 01.09.2025: Es gibt einen ausführlichen, nostalgischen Online-Artikel über das Geschäft – es hieß übrigens »Drogerie Quast« –, das inzwischen leider am 29. April 2023 endgültig geschlossen wurde.)

➡️ https://suederelbe24.de/drogerie-quast-nach-beinahe-70-jahren-ist-eine-institution-bald-geschichte

25.10.2024

Das heutige typographische Fundstück der Woche entstammt mal wieder einem Film. In der Titelsequenz der schwarzen Krimikomödie »Die Schlemmerorgie« (»Who Is Killing the Great Chefs of Europe?«) aus dem Jahr 1978 werden die Zuschauer*innen von Anfang an optisch auf das Umfeld eingestimmt, in dem die Handlung spielt – die Welt der Gourmettempel und Sternerestaurants, der Spitzenköche und der Gastronomiekritiker. Auffallend in dem Vorspann (siehe Screenshot) ist auch die Wahl der luxuriös wirkenden, eigenwillig ornamentierten Schrift, welche die Epoche des Jugendstils assoziiert. Sie lässt an Pferdekutschen denken, an Grand Hotels und den legendären Orient-Express – und tatsächlich ist sie nicht erst nachträglich entstanden, um den Stil dieser Zeit zu zitieren, sondern sie ist, wie ich herausfinden konnte, ein authentisches Relikt.



Der ursprüngliche Name der Schrift, gestaltet vom Schriftgestalter John F. Cumming für die Dickinson Type Foundry, lautete wohl »Typothetae«¹, zunächst enthielt sie ausschließlich Großbuchstaben, aber wenig später wurde sie unter dem Namen »Skjald«² um Kleinbuchstaben erweitert. Die Angaben zum Entstehungsjahr schwanken in verschiedenen Quellen zwischen 1884 und 1891. Es existieren wunderbare Scans historischer Kataloge mit Schriften jener Zeit im Netz, einige davon erstaunlich modern; die zwei beeindruckendste Werke darunter, als PDFs einsehbar, habe ich nachfolgend verlinkt. 





Infos zum Film, Handlung und Besetzung:


➡️ https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Schlemmer-Orgie

Typothetae:
1 ➡️ https://t1p.de/typothetae



Skjald:
2 ➡️ https://t1p.de/skjald



»Catalogue And Price List of Type and Material« 

(Cleveland Type Foundry, 1893):
➡️ https://t1p.de/CTF1893



»Desk Book of TYPE and Printing Material« 

(American Type Founders Co., 1899):
➡️ https://t1p.de/ATFC1899

22.10.2024 (1)

Mit diesem typographischen Fundstück endet heute meine Serie mit Foto-Postings aus Kopenhagen. Das Motiv ist insofern ungewöhnlich, da die meisten dreidimensionalen Schriftzüge oder Buchstaben, die man im öffentlichen Raum gemeinhin antrifft, eher aus Kunststoff und/oder Metall angefertigt sind und entweder an Mauern bzw. den Fassaden von Gebäuden oder auf deren Dächern angebracht sind. Dieses Gebilde jedoch besteht aus Beton und steht quasi als »Logo-Skulptur« direkt auf dem gepflasterten Platz vor dem Bürogebäude der Firma KAB, Dänemarks größtem Verwalter gemeinnütziger Wohnungen. Ich konnte leider nur das B der dreidimensional umgesetzten KAB-Wortmarke fotografieren, denn vor dem interessanteren K mit seinem waagerechten Steg zwischen Stamm und Schenkeln sowie dem A standen zahlreiche Fahrräder … 😉



Ich hoffe, die Serie hat meinen Lesern und Followern gefallen und ich bin selbst schon gespannt, was ich von künftigen Reisen in nächster Zeit an neuen Motiven mitbringen werde … 🤓 🔠



18.10.2024

Ein bisschen beneide ich die Dänen (und Norweger) ja um ihr durchgestrichenes Ø. Ein schøner Buchstabe, der gesprochen wie ein Vokal zwischen Ä und Ö klingt (auf der englischen Wikipedia-Seite* kann man sich den Klangunterschied zwischen Ö und Ø anhören). Deshalb halte ich auf meinen Reisen nach Dänemark auch immer Ausschau nach kreativen Umsetzungen für dessen Form in medial reproduzierten Texten oder bei Unikat-Beschriftungen. Ein Beispiel, das mir besonders gut gefiel, war diese ebenso schlichte wie elegante Løsung an einem Salon in Kopenhagen. (Um von dem Schriftzug nicht allzu sehr abzulenken, habe ich einige Risse und Putz-Abplatzer an der Fassade dahinter »repariert«.)

Übrigens: Computernutzer benutzen das Ø gerne als mathematisches Symbol z.B. für »Durchmesser«, das ist aber eigentlich nur ein Notbehelf. Denn im Zeichensatz der mathematischen Sonderzeichen gibt es dafür ein eigens angelegtes Symbol: ⌀. Aber bitte fragt mich als Mac-User nicht, wie man auf einer Windows-Tastatur da, ohne nachzuschlagen, rankommen kann … 😉 



* ➡️ https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%98

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