verknallt in Schrift und Buchstaben

Kategorie: Reisefunde (Seite 8 von 16)

Ich reise gerne und oft, innerhalb Deutschlands, aber auch in Europa. Und natürlich ist unterwegs immer die Kamera dabei, sodass auf jeder Tour neue Fundstücke in meiner Sammlung landen.

07.04.2025

Es ist wieder Montag und ich habe ein typographisches Bonbon aus meiner Sammlung aufbereitet. Das Geschäft, das hier mit appetitlichen roten Lettern auf weißem Banner wunderbar »küchig« für sein kulinarisches Angebot wirbt, war zwar schon geschlossen, als ich dort vorbeikam, aber ich habe während meines Aufenthaltes in Kopenhagen anderswo mehrfach vortreffliche Smørrebrød-Mahlzeiten verzehrt. 



»Smørrebrød« heißt eigentlich übersetzt »Butterbrot«, aber inzwischen ist diese einst rustikale Art der dänischen (Mittags)mahlzeit längst in die Kategorie »Fine Dining« aufgestiegen. Hausgebackenes, mit Butter in der Pfanne geröstetes dunkles Roggenbrot wird belegt mit einem Türmchen feinster Zutaten: marinierter Fisch, eingelegtes Gemüse, fein gewürzte Dips oder Saucen, Kräuter, aromatische gegarte Fleischscheiben, Radieschen. Kräuter – das Angebot ist grenzenlos und jedem, der Kopenhagen (oder Dänemark) besucht, klar zu empfehlen. In der dänischen Hauptstadt war ich bisher u.a. sehr angetan vom Angebot bei »Hallernes Smørrebrød« (to go) und »Aamanns 1921« (Restaurant).



Jetzt hab ich beim Schreiben Hunger bekommen … 🤓 🔠 🤤



➡️ https://de.wikipedia.org/wiki/Sm%C3%B8rrebr%C3%B8d

04.04.2025

Bei der Recherche zum heutigen typographischen Fundstück der Woche – es stammt ebenfalls aus Kopenhagen – bin ich in ein regelrechtes »rabbit hole« gefallen. Auf einem Besorgungsweg kam ich im Stadtteil Nørrebro nahe einem großen Verkehrskreisel (Nørrebros Ronddel) an einer Apotheke in einem Eckhaus vorbei. Die ungewöhnlichen »Fähnchen« an der Spitze der drei A veranlassten mich gleich zu einem Schnappschuss. Das schon reichlich verwitterte Schild und die an Stilelemente des Art Deco erinnernden Buchstaben regten mich zur Vermutung an, dass die Apotheke schon sehr lange an diesem Ort ansässig ist und die Beschriftung des Schildes vielleicht sogar aus dieser Epoche stammt. Und so begann ich zu recherchieren.



Die erste Vermutung erwies sich als korrekt. Die Apotheke wurde 1882 gegründet und es gibt sogar noch Fotos aus den Gründungszeiten, hier zwei Links zu Fotos um die Jahrhundertwende (das Eckhaus mit den markanten Fugen zwischen den Steinplatten der Fassade):



➡️ https://kbhbilleder.dk/kbhmuseum/296183


➡️ https://kbhbilleder.dk/kbhmuseum/344762

Und auf demselben famosen Portal mit historischen Fotos aus Kopenhagen findet sich sogar ein Foto der Apotheken-Mitarbeiter im Inneren des Geschäftes:



➡️ https://kbhbilleder.dk/kbhmuseum/302516



Anderswo kann man »RezeptKuverts« der Apotheke aus der gesamten Zeit des Bestehens anschauen. Interessant ist, dass die Apotheke ihren Namen in den Anfangsjahren über der Eingangstür mit »ph«, aber auf diesen Kuverts und später dann auch an der Fassade seit jeher mit »f« schrieb:



➡️ http://www.apotekerkuverter.dk/kbhsider/stefan.htm

Meine zweite Vermutung, dass die Beschriftung irgendwann zwischen 1920 und 1940 angebracht wurde, wurde durch ein Foto um 1965/66 aus einer Facebook-Gruppe entkräftet. Ganz links im Bild ist die Apotheke zu sehen, man erkennt bereits die Schreibweise mit »f«, aber die Beschilderung ist noch eine andere:

➡️ https://www.facebook.com/groups/208657160335946/permalink/1307645257103792/



Erst auf einem Foto aus dem Jahr 1981 in derselben Gruppe befinden sich die heutigen Leuchtbuchstaben über der Eingangstür:



➡️ https://www.facebook.com/groups/208657160335946/permalink/1009344470267207/

Damit war das kleine Rätsel gelöst. Was bleibt, ist die Frage, ob dieser Schriftzug mit seinen markanten Buchstabenformen speziell für die Apotheke angefertigt wurde oder eine vollständige (käufliche) Schrift davon existiert(e). Auf diese Frage konnte ich bislang noch keine Antwort finden. 

Ich habe auf der Suche noch viele schöne weitere typographische Entdeckungen (auch wieder zum »dänischen g« 😅) gemacht, das Internet quillt förmlich über vor alten Fotos zur Historie der Stadt. Aber für heute soll es das erstmal gewesen sein. 🤓 🔠

28.03.2025

Das Betrachten und ggf. Besichtigen von Kirchen gehört für mich, obgleich ich selbst nicht sonderlich religiös bin, natürlich auch dazu, wenn ich eine Städtereise wie meine kürzlich unternommene Fahrt nach Kopenhagen mache. Auf meinen Streifzügen durch die Stadt kam ich an einer Kirche vorbei, über deren Eingangsportal eine eingemeißelte Schriftzeile meine Aufmerksamkeit erregte. Es war die St.-Augustin-Kirche der deutschsprachigen katholischen Gemeinde in Kopenhagen, sie wurde in den 1960er Jahren vom Jesuitenpater Adolf Meister (*1931) gegründet. Das Kirchengebäude wurde lt. Wikipedia im Jahr 1914 fertiggestellt, ist also vergleichsweise jüngeren Datums.



Es war nicht ganz einfach, bei den herrschenden Lichtverhältnissen ein Foto zu machen, auf dem die Inschrift 100% klar erkennbar ist. Sie lautet: SUMITE: HOC EST CORPUS MEUM, rechts darunter in kleinerer Schrift dann: MARC XIV·22. Es handelt sich also um ein Bibelzitat aus dem Buch Markus, auf deutsch »Nehmet; das ist mein Leib« – die Einsetzungsworte zum christlichen Abendmahl.



Besonders auffällig fand ich die herzförmigen M, die sich in ähnlicher Form in einigen sog. »Unzialschriften« wiederfinden. So bezeichnet man antike, schon ab dem 2. Jh. anzutreffende, zumeist mit einer breiten Feder handgeschriebene (Buch)schriften, in denen es oft keine gesonderten Groß- und Kleinbuchstaben gibt, die kaum Ober- oder Unterlängen besitzen und auffällig gerundete Detailformen. Schriften mit ähnlicher Anmutung tauchen oft im Kontext der Geschichten J.R.R. Tolkiens auf; gibt man »Hobbit« bei der Schriftsuche ein, landet man auffällig oft auf Seiten mit Schriften, die an Unzialschriften erinnern. Auch mit den alten Kulturen der Kelten, Iren, Schotten und Waliser werden solche Schriften oft assoziiert oder für eine entsprechende Anmutung, z.B. bei Büchern, CDs oder Filmtiteln eingesetzt.



Die Inschrift deutet an einigen Buchstaben deutliche Serifen an, an anderen sind diese nicht oder kaum erkennbar; beim S sieht man oben keine, unten hingegen schon. Und die Formen von S und R wirken auf mich geradezu modern. Eine spannende Kombination. Ich habe die großen Zeichen aus dem Foto einmal von Hand – soweit für mich erkennbar – nachskizziert und bin gespannt, ob von den Schriftexperten hier eine weitere vertiefende oder korrigierende Einordnung erfolgt. 🤓 🔠 



Kirche St. Augustin/Kirchengemeinde:
➡️ https://en.wikipedia.org/wiki/St._Augustine%27s_Church,_Copenhagen
➡️ https://www.gemeinde.dk/gemeinde/



Unzialschriften:


➡️ https://www.typografie.info/3/Schriften/listen.html/unzialschriften-r112/
➡️ https://de.wikipedia.org/wiki/Unziale

Beispiel einer ähnliche Unziale (»750 Latin Uncial«):


➡️ https://www.myfonts.com/de/collections/750-latin-uncial-font-glc

24.03.2025

Auch das heutige typographische Montagsbonbon (und noch einige weitere folgende Fundstücke in den nächsten Wochen) habe ich natürlich auf meinen Streifzügen durch Kopenhagen entdeckt: An einer lokalen Schule haben (vermutlich die Schüler*innen selbst) deren Namen (Heibergskolen) mit farbigen Wollfäden ins Gitter des Schulhoftores gewebt. Kreativ und auffällig!

21.03.2025

Bei schönstem Spätwinter- bzw. Frühfrühlingswetter genieße ich derzeit zum wiederholten Male einen entspannten Kurzurlaub in einer meiner Herzensstädte: Kopenhagen. Doch die Gestalter und Kreativen hier kennen es bestimmt: Der Kopf und das Auge eines Grafikers haben niemals Ferien. Und so laufe ich denn hier auch stets mit voll aktivem Typo-Radar durch die Straßen und Stadtviertel und sehe, finde und knipse neues Futter für meine Schnappschusssammlung und meine allwöchentliche hiesige Buchstabenrubrik. Dennoch möchte ich den Urlaub immerhin so weit ausnutzen, dass ich die heute geposteten Fundstücke nicht ganz so ausführlich kommentiere wie sonst. Nur soviel sei gesagt: Das neunteilige Potpourri widmet sich meiner Lieblingsglyphe, dem »dänischen g«. Für den einen wirkt es vielleicht sonderbar beschnitten – für mich ist es immer wieder eine Augenweide. 🤓 🔠 🇩🇰 



Jeg ønsker alle en dejlig weekend!

17.03.2025

Es ist Montag und da gibt es wieder ein typographisches Bonbon zwischendurch. Diesmal erspäht auf dem Außengelände der »Zitadelle Spandau«. Ein funktionsfähiges Telefon ist zwar in dieser Kabine nicht mehr installiert, aber um so schöner fand ich es, dass das knallrote Häuschen als historisches Telekommunikationsdenkmal dennoch weiterhin dort stehen darf. 🤓 🔠 ☎️

03.03.2025

Am heutigen typographischen Montagsbonbon bin ich im Laufe der letzten 3–4 Jahre sicherlich schon dutzendmal vorübergefahren. Aber erst letzte Woche bot sich Muße und Gelegenheit, in dem betreffenden kleinen brandenburgischen Dorf diesmal kurz mit dem Auto anzuhalten und den Schriftzug abzufotografieren. Ich habe keine Ahnung, wie alt die Beschriftung ist, was genau sich hinter der rostroten Tür verbirgt, welchen Zweck der Gebäudekomplex hat(te) – und vor allem: wo sich wohl »Trafo I« befindet. Aber die handgemalten Buchstaben gefallen mir und deshalb möchte ich sie hier gerne teilen. 🤓 🔠

28.02.2025

Das typographische Fundstück der Woche ist heute ein Foto des Neonschriftzuges an der Fassade des Traditionsgeschäftes »Böttger« in der Lüneburger Fußgängerzone. 



Im April 1874 gegründet, besteht der Laden mittlerweile seit immerhin 151 Jahren. Heutiger »Gegenstand des Unternehmens«, so heißt es im Netz, sei der »Handel mit Geschenk- und kunstgewerblichen Artikeln, Lederwaren und Hausrat«. Zur Zeit der Unternehmensgründung war der Hausrat noch außen vor, dafür standen neben Geschenkartikeln und Lederwaren auch sog. »Galanteriewaren« im Fokus des Sortiments, also Modeschmuck und dekorative Modeaccessoires wie Parfümfläschchen, Puderdosen, Handschuhe, Armbänder, Schnallen, Einsteck- und Halstücher, Schals, Haarbänder, Fächer etc.



Ein kleines Relikt. 🤓🔠🪭

Zeitungsartikel zum Geschäft:
➡️ https://www.landeszeitung.de/lokales/lueneburg-lk/lueneburg/mutmacher-wenn-die-kunden-die-belohnung-sind-SRJ2XM6GHP4AS5JYC34KJORGEP.html

Wikipedia zum Begriff »Galanteriewaren«:
➡️ https://de.wikipedia.org/wiki/Galanteriewaren

24.02.2025

Als typographisches Bonbon reiche ich heute ein schmiedeeisernes K am Hoftor zu einem Privatgrundstück im ländlichen Brandenburg nach. Ob es sich dabei jedoch um eine Initiale handelt, welche eine Kennzeichnung durch die aktuellen Bewohner repräsentiert oder aber ein Überbleibsel der Familienhistorie der früheren Erbauer, ist nicht bekannt. 

🤓 🔠 𝒦

07.02.2025

Und schon wieder ein typographisches Fundstück aus Berlin. Zum ersten Mal sah ich es vor etwa zwei Wochen im Vorbeifahren aus dem Fenster eines Busses, war aber leider nicht schnell genug, um einen Schnappschuss zu machen. Am vergangenen Wochenende nun führte mich mein Weg zufällig direkt an dem Gebäude vorbei und somit konnte ich das nachholen. Das Foto zeigt die Fassade des Standesamtes Friedrichshain-Kreuzberg in der Schlesischen Straße.



Die verwendete Schrift ist keineswegs spektakulär, vermutlich ist es eine geringfügig malträtierte (in der Breite gestauchte) Times, aber dennoch hat diese Beschriftung eine typographische Besonderheit. Wer findet es heraus? Die Auflösung habe ich unter dem Foto versteckt. 🤓 🔠 



Auflösung

Das zweite S steht auf dem Kopf! 🙃

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