Es gibt mal wieder eine Einreichung aus dem Kreis der Blogleser bzw. typo-affinen LinkedIn-Follower. Der Architekturfotograf und Grafiker Marco Kany sandte mir sein Foto eines etwas ramponierten Verbotsschildes in französischer Sprache zu.

Der Text bedeutet übersetzt sinngemäß »Rauchen (und) alle Arten von Feuer (unter) Strafe verboten«. Das Schild entspricht in etwa einer französischen Variante des in Deutschland verbreiteten Schildes mit dem Text »Feuer, offenes Licht und Rauchen verboten«.

Die bevorzugten Orte der Anbringung für solche Verbote sind zumeist Orte, an denen der Umgang mit Zigaretten und offenem Feuer eine hohe Brand- oder Explosionsgefahr darstellt, wie etwa Tiefgaragen, Papier-, Holz- oder Munitionslager, Tankstellen oder andere Depots mit brennbaren Gasen, Lösungsmitteln oder sonstigen flüchtigen, leicht entflammbaren, brandfördernden oder gar explosiven Chemikalien. Auch in freier Natur sind zur Vermeidung von Wald- und Flurbränden solche Schilder anzutreffen. Es gibt daher – zumindest in Deutschland – nicht nur ein einzelnes Gesetz, das diesbezügliche Warnungen und Verbote regelt, sondern verschiedene Regelwerke. So heißt es zum Beispiel in der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV), die auch die Pflichten von Arbeitgebern bzw. an Arbeitsplätzen regelt:
»In Arbeitsbereichen mit Brand- oder Explosionsgefährdungen sind das Rauchen und das Verwenden von offenem Feuer und offenem Licht zu verbieten. Unbefugten ist das Betreten von Bereichen mit Brand- oder Explosionsgefährdungen zu verbieten. Auf die Verbote muss deutlich erkennbar und dauerhaft hingewiesen werden.«
Quelle: Anhang I Nr. 1.1 Abs. 2 GefStoffV
In der freien Natur regeln in Deutschland Gesetze von Bund und Ländern die Verbote zum Brandschutz, beispielsweise die Bundes- und Landeswaldgesetze (BWaldG/LWaldG) bzw. die Bundes- und Landesnaturschutzgesetze (BNatSchG/LNatSchG). Die Strafen bei fahrlässigen oder vorsätzlichen Verstößen gegen Brandschutzbestimmungen oder andere gesetzliche Vorgaben, insbesondere in Verbindung mit Sach- und Personenschäden oder gar Todesfällen umfassen nicht nur hohe Geldstrafen, sondern auch mehrjährige bis lebenslange Freiheitsstrafen.
Doch wo war nun konkret unser französisches Verbotsschild angebracht? Der Einreicher hat dazu zwar keine Angaben gemacht, aber ich vermute aufgrund der Roststellen, dass es unter freiem Himmel hing. Die punktförmigen Beschädigungen könnten durch kleinere Schusswaffenprojektile verursacht worden sein, vielleicht war es daher auch auf einem militärischen Übungsgelände angebracht. Bei meinen Recherchen entdeckte ich das gleiche Schild in einem Stockfoto, wo es in Kombination mit einem zweiten Schild zu sehen ist, das vor Waldbränden warnt. Die Strafen (»Sanctions«) bei Verstößen dürften in Frankreich ähnlich ausfallen wie hierzulande, denn Waldbrände richten in den stetig häufiger werdenden Dürresommern auch dort immer größere Schäden an.
»Bis zum 27. Juli [2026] verbrannten [in Frankreich] rund 116.000 Hektar Fläche, (…) Der französische Innenministers Laurent Nuñez bezeichnete dies als historischen Rekord. Aufgrund der Feuer mussten hunderttausende Menschen evakuiert werden; Nuñez sprach von der größten zivilen Evakuierungsoperation in Frankreich außerhalb von Kriegszeiten.«
Quelle: Wikipedia – »Waldbrände in Frankreich«
Zur typographischen Einordnung des Schildes habe ich das Bildmotiv ein wenig aufpoliert und restauriert.

Vergleichbar der oben im deutschen Verbotsschild identifizierten DIN-Schrift gibt es auch in Frankreich eine »offizielle« Schriftart, die von Behörden und anderen staatlichen Einrichtungen auf allerlei Schilderwerk, etwa zur Verkehrs-Wegeleitung oder bei mit Text versehenen Gebots- und Verbotsschildern genutzt wird. Wer schon einmal in Frankreich mit dem Auto unterwegs war, wird sie z.B. unweigerlich auf Verkehrsschildern gesehen haben.

Diese Schrift kam auch bei dem eingereichten Verbotsschild zum Einsatz. Sie trägt den Namen »Caractères« (frz. für »Schriftzeichen«) und wurde – herausgegeben vom französischen Verkehrsministerium »Ministère des Transports« – seit ca. 1946/48 sukzessive als landesweiter Standard für schriftliche Hinweise zur Orientierung und Lenkung im öffentlichen Raum etabliert, unter anderem im Straßenverkehr, an Bahnstrecken sowie rund um Flughafen- und Fährterminals.
Die ursprünglich veröffentlichte Schrift lag in drei verschiedenen, durch eine Nummerierung gekennzeichneten Varianten vor:
- L1: Ausschließlich fette Großbuchstaben; in der Regel schwarz auf weißem oder hellem Hintergrund und für Verkehrsschilder verwendet, die auf Orte in der Nähe hinweisen, sowie für Zusatz- und Hinweisschilder.
- L2: Ausschließlich Großbuchstaben, etwas leichter als L1; zumeist negativ weiß auf farbigem Hintergrund (grün: Nationalstraßen, blau: Autobahnen) und für Verkehrsschilder verwendet, die auf weiter entfernte Orte hinweisen, sowie für Zusatz- und Hinweisschilder..
- L4: Kursive Variante von L1 mit sowohl Groß- als auch Kleinbuchstaben; sowohl farbig auf weißem oder hellem Hintergrund als auch negativ auf farbigem Hintergrund für Verkehrsschilder innerhalb einer Stadt verwendet, um nahegelegene Orte und öffentliche Einrichtungen zu kennzeichnen.

Eine weitere Variante, L5, die formal eher an den Schriftklassiker »Frutiger« erinnert, kam nachträglich hinzu und wird vorzugsweise negativ weiß auf braunen Hinweisschildern für Denkmäler und Sehenswürdigkeiten genutzt. Alle drei Zeichensätze wurden zudem in späteren Jahren um weitere benötigte Zeichen (z.B. »€«) ergänzt. Für elektronische Anzeigetafeln wurden die eigenständigen Schriftarten L11 (5 × 7 LED-Punktmatrix) und L12 (16-Segment-LCD-Anzeige) hinzugefügt.
Eine offizielle »Bezugsquelle« für die Fontdateien dieser offiziellen Schriften ist mir zwar nicht bekannt, jedoch kursiert auf diversen Websites unter dem Namen »Caracteres« eine handwerklich unvollkommene »Bootleg-Digitalisierung« (Freeware-Fonts im TrueType-Format), datiert auf Anfang 2004 und versehen mit dem Urheberkürzel »F.R.«.
Es existieren jedoch zwei kommerziell erhältliche digitalisierte Versionen neueren Datums, die mit erweiterten Zeichensätzen und professionell überarbeiteten Formen daherkommen. Die erste, »Signal URW«, wurde (1995?) von URW++ Design & Development veröffentlicht und war u.a. Bestandteil einer Schriftensammlung mit dem Namen »URW Sign Collection«, die ca. 2001 auf CD erschien. Sie besteht aus vier nummerierten Schnitten, No1 bis No4, die zwar (bis auf No4) ebenfalls nur Großbuchstaben enthalten, fügt jedoch eine enger laufende Variante hinzu (No3). Und diese erkenne ich in den ersten beiden Zeilen des Brandschutzschildes wieder. Die dritte Zeile kann der No1 zugeordnet werden. Ob die behördlichen oder gewerblichen Ersteller*innen des Schildes exklusive, leicht abweichende Schriftdateien genutzt haben oder die minimalen sichtbaren Unterschiede entweder beim Bedrucken, durch die Fotoperspektive oder aufgrund von Verformungen des Blechs entstanden, vermag ich nicht zu sagen. Am zielführendsten bei der Bestimmung der Schrift waren für mich der große Bogen des R und die bis auf die Grundlinie zulaufende Spitze des M.

Die zweite kommerzielle Version der Schrift, die im Jahr 2019 und ebenfalls unter dem Namen »Signal« erschien, stammt von Production Type (Emmanuel Besse und Team) und baut die Schrift auf insgesamt 8 Schnitte – Extra Light, Light, Regular, Bold, jeweils zzgl. Italic – aus, inklusive Kleinbuchstaben, Sonderzeichen, Diakritika und Piktogramme. Hinzu kommt die ebenfalls 8 Schnitte umfassende Monospace-Version »Signal Mono« sowie ein besonders eng laufender »Compressed«-Schnitt. Der Detailvergleich mit den Buchstabenformen des eingereichten Fundstücks zeigt jedoch, dass Schnitte dieser neueren Familie darin nicht zum Einsatz gekommen sind.
»Production Type’s new Signal series completes and extends the pre-existing set of styles. The palette is an extrapolation of previously unexisting roman lowercases in four weights and their matching italics, a complete set of accents for multilingual typesetting, numerous arrows and pictograms, and characters for mathematical typesetting. An extra Compressed style, skewed and excessive, wittily rounds out the family.«
Quelle: productiontype.com – »About this font«
Mit diesen Erkundungsergebnissen möchte ich den Beitrag rund um diese Einreichung für heute beenden. Bei dem typographische Ausflug ins Nachbarland Frankreich habe ich wieder etliches gelernt und ich hoffe, es geht Euch ebenso. 🤓 🔠 🪧 🇫🇷
























