Während meines Kurzurlaub über Pfingsten erledigte ich zwischendurch einige Besorgungen im Donau-Einkaufszentrum (DEZ) im Regensburger Stadtteil Weichs. Um mich auf der Etage zurechtzufinden, blieb ich kurz vor der Filiale eines großen deutschen Modehändlers stehen und schaute mich um. Und wieder einmal blieb mein Auge instinktiv an einer typographischen Unstimmigkeit hängen, wenige Sekundenbruchteile, bevor mein Kopf erfasst hatte, was genau das störende Detail war. Wem fällt es auf?

Um das Rätseln nicht zu spoilern, habe ich unten einen Akkordeon-Block angelegt, in dem ich den amüsanten Lapsus verrate. Wie so oft, bin ich bei der Recherche zum Logo des Unternehmens mal wieder in ein »Rabbit Hole« gefallen und habe etliche interessante und kuriose Dinge über die Historie von Peek & Cloppenburg und das Erscheinungsbild der Marke gelernt, die ich als Bonusmaterial dazugepackt habe.
Viel Spaß! 🤓 🔠 🤔 💭
Auflösung

Wie schon mehrfach hier im Blog passierte bei der Anbringung der Innenräume (Punzen) der Buchstaben der Fehler, dass diese nicht korrekt platziert wurden. Bei einem Schriftzug, der als Negativform – hier mit milchig-weißem Plexiglas und von hinten beleuchtet – angefertigt wird, liegen alle Punzen in Form kleiner Einzelteile vor, die an der korrekten Stelle (und mit der richtigen Orientierung!) platziert werden müssen. In diesem Fall haben die Handwerker*innen bei allen drei e die kleinen Innenräume versehentlich um 90° im Uhrzeigersinn gedreht aufgeklebt.

Bei meiner Bildersuche zu den Filialen des Unternehmens kamen tatsächlich noch einige weitere solcher Unfälle zutage. Auf Fotos der Filiale in der Stuttgarter Königstraße z.B. steht die Punze im P etwas nach links versetzt. Bei vielen (jüngeren?) Filialen besteht die Ladenbeschriftung auch aus dreidimensional gefertigten, beleuchtbaren Einzelbuchstaben, bei denen solche Installationsfehler nicht mehr unterlaufen können. Auf einen weiteren Fall bei einem anderen, parallel genutzten P&C-Markenzeichen komme ich später noch zu sprechen.
Neu war für mich die Erkenntnis, dass Peek & Cloppenburg – ähnlich wie ALDI Nord und ALDI Süd – schon lange (seit 1911!) aus zwei unabhängigen Einzelunternehmen, ansässig in Hamburg und Düsseldorf, besteht. Anders als bei der offenbar friedlichen Koexistenz der beiden Discounterketten scheint es hier jedoch hinter den Kulissen bisweilen zu Konflikten zu kommen, denn sie liefern sich Online-Quellen zufolge immer wieder juristische Auseinandersetzungen um Markenrechte, ihre parallelen Online-Auftritte, die Grenzen ihrer Werberegionen oder Vertriebsgebiete.
»Seit über 100 Jahren existieren unter dem Namen Peek & Cloppenburg zwei Modeunternehmen. Die P&Cs sind sich in herzlicher Abneigung verbunden und streiten sich im Zweifel auch vor Gericht.«
Quelle: WirtschaftsWoche, 24.04.2023
Zum Düsseldorfer Konzern gehört unter anderem zudem auch die ANSON’S Herrenhaus GmbH & Co. KG, die auf ihrer Website eine ausführliche Chronik der Unternehmensgeschichte bereithält:
»1869 von den Kaufleuten Johann Theodor Peek und Heinrich Cloppenburg in Rotterdam gegründet, eröffnete Peek & Cloppenburg 1901 seine ersten deutschen Verkaufshäuser in Berlin und Düsseldorf. Durch die Gründung einer zweiten Gesellschaft entstanden 1911 zwei unabhängige Unternehmen mit ihren Hauptsitzen in Düsseldorf und Hamburg.«
Quelle: ANSON’S Karriereseite – »Unsere Unternehmensgeschichte«
Warum sich beide Unternehmen, anders als die ALDI-Brüder, dazu entschlossen hatten, mit einem annähernd identischen Look auf dem Markt aufzutreten, ist mir nicht bekannt. Auch nach tieferer Beschäftigung mit dem Thema war ich nicht in der Lage, das Gesamtbild zu 100% schlüssig für mein Verständnis aufzulösen.
- Es gibt die Peek & Cloppenburg KG mit Sitz in Hamburg, deren Verkaufsgebiet sich auf den Norden Deutschlands konzentriert. Dazu gehören Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, dazu Westfalen (Münster), Ostwestfalen-Lippe (Bielefeld, Paderborn), Nordhessen (Kassel) sowie südliches Sachsen (Dresden, Chemnitz).
- Die Peek & Cloppenburg B.V. & Co. KG mit Sitz in Düsseldorf ist aktiv in Nordrhein-Westfalen (außer Ostwestfalen-Lippe), Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Mittel- und Südhessen, Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen, Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und im nördlichen Sachsen (Leipzig).
- Beide Unternehmen betreiben separate Internetauftritte, die Peek & Cloppenburg KG (Hamburg) unter www.peek-und-cloppenburg.de und die Peek & Cloppenburg B.V. & Co. KG (Düsseldorf) unter www.peek-cloppenburg.de. Ebenso existieren für beide getrennte Wikipedia-Einträge: »Peek & Cloppenburg (Hamburg)« und »Peek & Cloppenburg (Düsseldorf)«
- Peek & Cloppenburg Düsseldorf ist laut WirtschaftsWoche das größere der beiden Unternehmen.
- Im März 2023 beantragte Peek & Cloppenburg Düsseldorf ein Schutzschirmverfahren, kurz darauf folgte die Insolvenz in Eigenverwaltung. Anfang Oktober 2023 konnte das Insolvenzverfahren erfolgreich abgeschlossen werden. P&C Nord mit Sitz in Hamburg war von dem Verfahren nicht betroffen.
Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden bei Ladenbeschriftungen und Firmenlogos stieß ich auf feine Unterschiede beim Design des »Peek & Cloppenburg«-Schriftzuges, die ich nicht alle verlässlich den einzelnen Gesellschaften zuordnen konnte, wohl aber mit einiger Sicherheit bestimmten Zeitfenstern. Alle unten gezeigten Beispiele liegen im Zeitraum nach der Aufspaltung in zwei getrennte Unternehmen.

Ich konnte leider nicht eindeutig identifizieren, ob die Wortmarken auf Basis kommerzieller Schriftarten gestaltet wurden. Es gibt zwar deutliche Ähnlichkeiten zu einigen klassischen schmalfetten Schriftarten wie z.B. »Impact« (Geoffrey Lee für Monotype, 1965) oder »Compacta« (Fred Lambert für Letraset, 1963), aber 100% identisch mit dem Logo war keine, die ich fand. Erneut findet sich in vielen Varianten des Schriftzuges ein »K mit Knick«, wie bereits in der Kräutergeist-Wortmarke des Beitrags vom vergangenen Montag. Es ist gut möglich, dass dieses besondere k jenes typographische Merkmal ist, welches seit jeher die Logos des Düsseldorfer Unternehmens von denen aus Hamburg unterscheidet, denn wie man sieht, kommt in den beiden oben gezeigten Beispielen aus Norddeutschland ein »normales« k zum Einsatz. Aber das ist nur eine Vermutung.
Im November 2022 wurde u.a. in einem Artikel der Werbe-Fachpresse angekündigt, dass P&C Düsseldorf einen umfassenden Marken-Relaunch plane, der bis 2026 abgeschlossen sein sollte. Dazu gehörte auch die Neugestaltung der Wortmarke (s.o. im Bild) und des parallel genutzten »P-und-C«-Emblems. Beauftragt mit der Entwicklung wurde das Berliner Büro der britischen Designagentur Pentagram. Auf einer eigenen Projektseite wird über den Case berichtet. Anders als zuvor, soll das lange Zeit klein und eher unauffällig gesetzte »Ampersand«-Zeichen (&) künftig »als Symbol für ›Togetherness‹« nun eine deutlich sichtbare Hauptrolle in dem neuen Markenauftritt spielen.
Das eben erwähnte P-und-C-Emblem führt uns abschließend noch zu einem filigranen Kuriosum, das mir ebenfalls bei meinen Recherchen auffiel. Das Emblem kommt seit jeher in einem »Marken-Asset« in Form eines links rot, rechts blau gefärbten Wappenschildes vor, mit dem weißen Firmenkürzel darauf. Oft sieht man es als Branding-Element an den Gebäuden oder als Türgriffe an den Eingängen der Ladengeschäfte. Auch hier existieren zwei separate Varianten für Düsseldorf und Hamburg. In der Düsseldorfer Variante steht statt des Ampersand ein U für »und«, die Hamburger hingegen nutzen das »&« (Quelle: Wikipedia Englisch).
»Vor genau 100 Jahren, im Jahr 1926, entstand das unverwechselbare blau-rote P&C Wappen.«
Quelle: www.peek-cloppenburg.com (Düsseldorf) – »Unternehmen und Historie«

Die im Netz anzutreffenden Blautöne bei beiden Emblemen variieren zwischen hellem Kobaltblau, kräftigem Ultramarin und dunklem Nachtblau, daher sind die Farben meiner Beispielabbildungen nicht verbindlich. Aber auch innerhalb dieser beiden Wappen-Umsetzungen ist die Vielfalt der online kursierenden Variationen groß: Man findet z.B. bei dem Düsseldorfer Emblem an einzelnen Filialen 3D-Objekte mit fetterem U (Troisdorf), mit breiterem U (Hilden) oder mit abgeschrägten Ecken unten am U-Bogen (ohne Ortsangabe).
Bei der Recherche zu dem Hamburger Emblem fielen mir – neben unterschiedlichen Schriftarten für das »&« – in einer weit verbreiteten Fassung wiederum minimal verrutschte Punzen auf, allerdings lediglich bei der zweidimensionalen Umsetzung für Print- und Online-Medien. In dreidimensionalen Objekten an Gebäuden wirkt das Ampersand harmonisch.

Und als ob das nicht genug der feinen Unterschiede wäre, kursieren auch noch Umsetzungen, die sich an der Grenze zwischen den beiden Hintergrund-Farbflächen unterscheiden. Hier zwei (qualitativ nachbearbeitete) Fotos davon, die ich kürzlich an ein und derselben Filiale in der Stralsunder Fußgängerzone – die somit unter Zuständigkeit der Hamburger P&C-Gesellschaft steht – gemacht habe.

Die erstaunlichste Erkenntnis meiner Recherchen war für mich auf jeden Fall, dass ich trotz aller sowohl augenfälligen wie homöopathischen Unterschiede beim Außenauftritt der beiden Unternehmen jahrzehntelang überhaupt nicht gewusst bzw. bemerkt habe, dass es sich um zwei getrennte Firmen handelt. Ich hatte zwar hier und da leichte Inkonsistenzen wahrgenommen, aber hielt diese immer nur für Relikte der Marken-Evolution oder die üblichen Unschärfen, Freiheiten und Nachlässigkeiten bei der Umsetzung des Corporate Designs in Unternehmen mit sehr vielen daran beteiligten Mitarbeiter*innen.
Mein Fazit: Einerseits ist es bemerkenswert, dass zwei »rivalisierende« Unternehmen mit demselben Ursprung so lange – und offenbar bewusst – mit einem so gleichartigen Aussehen auf dem B2C-Markt agieren, ganz anders als z.B. die ebenfalls zerstrittenen Gründer und Brüder Adolf und Rudolf Dassler mit ihren Firmen Adidas und Puma. Andererseits ist das ja vielleicht auch ein Denkanstoß dazu, dass Gemeinsamkeiten oft viel nachhaltiger (auf Kunden) wirken können als Unterschiede. 🤓 🔠 👖 👗

















