Einen vorletzten Schnappschuss aus Kopenhagen für ein typographisches Montagsbonbon habe ich noch anzubieten … 🙂
In direkter Nachbarschaft meiner letzten Unterkunft kam ich regelmäßig auf dem Weg von der Ziel-Metrostation Enghave Brygge zum Hauseingang an einem großen, mit Bauzäunen abgesperrten Areal am Kanal Sydhavn vorbei. Auf den Bauzäunen wurde die Errichtung eines dreiteiligen Neubaugebietes mit mehr als 1.000 Wohnungen auf drei in den Kanal vorgelagerten, künstlich angelegten Landzungen angekündigt. Jedes der drei Wohnanlagen trägt einen eigenen Namen – Lanternebryggen, Ankerbryggen und Sejlbryggen. Auf der Website des Bauprojekts visualisieren Renderings, wie das Siedlungsprojekt letztlich aussehen soll. »Bo ved vandet i byen« heißt es da – »Wohnen am Wasser in der Stadt«. Im Gegensatz zu Deutschland mit rund 47 % liegt die Wohneigentumsquote in Dänemark bei über 60 %. Insofern ist es nicht unüblich, dass bei solchen Projekten mehrheitlich Eigentumswohnungen entstehen, aber die Projektgesellschaft kündigt auch Mieteinheiten an. Ich persönlich finde die modern interpretierte Backstein-Architektur der Wohnhäuser sehr gelungen. Überhaupt fällt mir in Kopenhagen immer wieder auf, dass Stadtwohnungen fantasievoller und ästhetischer als in vielen deutschen Städten und mit klarerem Fokus auf die Lebensqualität der Bewohner konzipiert zu werden scheinen.
Der Name des gesamten Bauvorhabens ist identisch mit dem Stadtviertel – Enghave Brygge Syd – und an dem Bauzaun war auf großen schwarzen Bannern u. a. auch das übergreifende Logo plakatiert. Ich finde, die fetten, modernen Grundformen kontrastieren ansprechend mit den Freiräumen, die durch das Weglassen von Buchstabenelementen entstehen. Weil mir die Wortmarke so gut gefiel, habe ich sie fotografiert. Das Design stammt vermutlich von der auf Immobilienprojekte spezialisierten, aus Schweden stammenden Marketingagentur Make Moves AB mit Büros in Malmö, Kopenhagen und Odense.


Ebenfalls aus der Website wird ersichtlich, welche Schriftart für das Corporate Design des Projekts ausgewählt wurde und die gleichzeitig auch die Basis für das Hauptlogo darstellt. Sie heißt »IvyMode«, stammt von dem dänischen Type Designer Jan Maack bzw. seinem Schriftbüro Ivy Foundry und wurde im Jahr 2018 veröffentlicht.
Die Wortmarke »SYD« arbeitet mit dem Stilmittel des Weglassens von Formelementen, wobei Erkennbarkeit und Lesbarkeit erhalten bleiben. Ich hatte hier im Blog früher schon einmal ein Logo auf Basis dieses Gestaltungsprinzips vorgestellt.

Bei dieser Gegenüberstellung kann man sehr schön sehen, wie bedeutsam harmonische Zwischenräume für die Gesamtwirkung sind (Die Buchstaben links stehen relativ zueinander an denselben Positionen wie die bearbeiteten Zeichen rechts!). Die Abstände im linken Arrangement wirken jedoch unharmonisch – der Abstand vom S zum Y ist größer als der vom Y zum D. Im Ensemble rechts hingegen entsteht durch das Fehlen des oberen S-Bogens und des Aufstrichs beim Y ein angenehmer und ausgeglichener Eindruck. Der/die Logo-Designer*in hat die Abstände somit nach der Modifikation optisch passend nachjustiert.
Ich finde, diese Wortmarke ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie man mit minimalen Mitteln, ganz ohne den Einsatz von Farben oder hinzugefügten Bildelementen, allein aus einer sorgsam ausgewählten Schriftart und mit gestalterischem Sachverstand ein Logo entwickeln kann, das ästhetisch, originell, modern und merkfähig ist. Like! 🤓 🔠 🧱






















