verknallt in Schrift und Buchstaben

Kategorie: Reisefunde (Seite 5 von 16)

Ich reise gerne und oft, innerhalb Deutschlands, aber auch in Europa. Und natürlich ist unterwegs immer die Kamera dabei, sodass auf jeder Tour neue Fundstücke in meiner Sammlung landen.

18.08.2025

Das typographische Montagsbonbon besteht heute aus einem Vierer-Potpourri mit Bildmotiven, die ich vor wenigen Tagen in Kopenhagen aufgespürt habe. Ich finde es immer wieder spannend, wie fantasievoll Schriftgestalter*innen und/oder Grafikdesigner*innen sind, wenn es darum geht, für ein und dasselbe Schriftzeichen ganz individuelle Formlösungen zu finden, die dennoch eindeutig, erkennbar und gut lesbar sind – hier beim dänischen Ø. 

Einfach schøn! 🤓 🔠



(Urlaubsbedingt halte ich meine begleitenden textlichen Ausführungen vorübergehend ein wenig kürzer als üblich. 😉)

15.08.2025

Das typographische Fundstück der Woche ist erneut ein Logo. Es gehört zu einer kleinen Kopenhagener Craft-Beer-Brauerei, in der ich während der vergangenen drei Urlaubs-Auftakt-Tage meinen »Sundowner« genoss. Das Logo gefällt mir nicht nur aus ästhetischer Sicht sehr, ich finde es überdies auch faszinierend (zumindest geht es mir so), dass ich es korrekt als GAMMA lese, obwohl die Anzahl der »Wellen«, die zur korrekten Darstellung von zwei M eigentlich erforderlich wären, nicht stimmt. Eigentlich müssten es vier Wellenberge/M-Spitzen sein (GAΛΛΛΛA), es sind aber nur drei. Doch irgendwie verschmelzen die Bögen für mich beim Betrachten harmonisch zu zwei gelesenen M.



Und ich schwöre: Das war schon vor dem ersten Bier so. 😉🍺🤓🔠🤞

11.08.2025

Das typographische Montagsbonbon ist heute ein zufällig erspähtes Logo aus der Innenstadt Lemgos, das mir spontan sehr gut gefallen hat. Sehr minimalistisch, nur in schwarzweiß, rein typographisch gelöst, gelungene Schriftwahl (wenngleich es der derzeit etwas inflationär genutzte Font »Montserrat« zu sein scheint, aber hier passt er perfekt), stimmig komponiert und im Sinne des auftraggebenden Unternehmens auf den Punkt visualisiert.

Warum nicht einfach mal unbekannterweise die Arbeit einer Kollegin oder eines Kollegen aus der Zunft des Grafik-Design loben? 

🙂 👍 🤓 🔠

08.08.2025

Das typographische Fundstück der Woche entdeckte ich während meines diesjährigen Pfingsturlaubs in Regensburg. Ich war sofort angetan von der klassischen, breit laufenden Schriftart mit dem eleganten Schweif am Ende des R, der dezenten Farbgebung und der auffälligen Diagonale, die aus den Ü-Punkten erwächst. Der Schriftzug erinnerte mich an andere Logos, bei denen Buchstabenelemente, wie z.B. einzelne Oberlängen, markant »gestreckt« werden, um eine plakative und merkfähige Wortmarke zu gestalten, wie etwa im früheren Logo der Zigarettenmarke »dunhill« oder im ebenfalls schon etwas älteren Logo des Konkurrenten »Marlboro«.



Der Betrieb, an dessen Fassade die Beschriftung prangt, hat eine interessante Branchenreise hinter sich. Gegründet 1926 begann die Firmenchronik als Wappen- und Schildermalerei, ab Mitte der 1950er Jahre hält die Elektrik Einzug und das Unternehmen wird vom Nachkommen des Inhabers als Schilder- und Lichtreklameanbieter fortgeführt. 1999 wird der Staffelstab an die dritte Generation weitergereicht und die Tätigkeitsfelder Elektroinstallation, Veranstaltungstechnik und Pyrotechnik kommen hinzu.



Obwohl ich im Internet keine Informationen zur Entstehung des Logos finden konnte, vermute ich, dass es eine Eigenkreation der früheren Inhaber mit dem Schwerpunkt Schildermalerei ist. Inspiriert vom Stil der 1920er bis 1950er Jahre, hat die Formsprache auch die nachfolgenden Jahrzehnte aus meiner Sicht gut überdauert und wirkt auch heute noch zeitlos schön. Die Schriftart erinnert in ihren Proportionen an die moderne Art-Deco-Verwandte »Aviano« von Jeremy Dooley (insigne Design, 2007), ein ähnlicher Schwung am R findet sich bei der »Quantum Latin« von Hitesh Malaviya (Indian Type Foundry, 2015). 



Ein schönes Beispiel dafür, dass ein gut gemachtes, klassisches Logo gleichzeitig einprägsam und trendresistent sein kann. 😉 🤓 🔠 



Aviano Sans:
➡️ https://www.myfonts.com/de/collections/aviano-sans-font-insigne

Quantum Latin:


➡️ https://www.myfonts.com/de/products/semibold-quantum-latin-391326

04.08.2025

Das heutige typographische Montagsbonbon stammt aus meiner Schnappschuss-Ausbeute während eines Aufenthaltes in Stralsund im Juni diesen Jahres. Besonders gefiel mir an dem Schild die spürbar »loriot-eske« Formulierung »Für die Dame, für den Herren, für das Kind«. 😄 



Die Schriftart, in der die zweifarbigen Texte auf dem rustikalen Holzschild aufgebracht sind (vermutlich über Stempel oder Schablonen), mag dem Einen oder Anderen irgendwie bekannt vorkommen. Ihre Ursprünge liegen über 100 Jahre zurück und doch ist sie in all ihren Varianten bis heute eine beliebte Wahl, vor allem für Anwendungen mit leicht nostalgischem, historischen oder traditionsbehaftetem Kontext wie Tabakwaren, Flohmärkte, Trödelläden, Spirituosen, Museen, Antiquitäten o.ä.



Die »Originalversion« der Schrift mit dem Namen »Bernhard Antiqua Schmalfette« wurde vom Schriftgestalter Lucian Bernhard 1911/12 als einer von mehreren Schriftschnitten der »Bernhard Antiqua« für die deutsche Schriftgiesserei Flinsch entworfen, welche 1916 vom Konkurrenten Bauer aufgekauft wurde. In den folgenden Jahrzehnten entstehen – auch unter verschiedenen Namen wie Bernhard Antique, Bernhard Bold Condensed oder Bernard Condensed (mit und ohne h) und von mehreren Schriftenhäusern, u.a. Elsner+Flake, Letraset, Linotype/Adobe/Monotype, Scangraphic oder URW – zahlreiche Neuschnitte und Varianten dieser Schriftart, die jedoch alle deren Ursprung in den organischen Formen des Jugendstils wahren. Sie eignet sich aufgrund ihrer Schlankheit und Eigenständigkeit gut für den großformatigen Einsatz auf eng begrenzten Gestaltungsflächen, wie Album-/Buchcover, Werbeplakate oder eben Firmenschilder.



Unter dem Namen Bernard MT ist die Variante, die auch für das fotografierte Schild genutzt wurde, seit 1993 im lizenzierten Schriften-Set des Microsoft Office Pakets enthalten. Sie unterscheidet sich vom Original vornehmlich durch ihre deutlich weniger gerundeten Formen und eckigeren Serifen. Was noch auffällt, ist, dass einige der Großbuchstaben am Wortanfang von den Urheber*innen des Schildes »zu groß« angelegt sind (bei »Für« z.B. ist die Versalhöhe korrekt, bei »Dame«/»Herren«/»Kind« deutlich erhöht). Nennen wir es künstlerische Freiheit … 😉 🤓 🔠 



Kurzportrait von Lucian Bernhard (PDF) beim Klingspor-Museum: 


➡️ https://www.klingspor-museum.de/KlingsporKuenstler/Schriftdesigner/Bernhard/LucianBernhard.pdf

Anwendungsbeispiele der Schrift auf der Website »Fonts In Use«:
➡️ https://fontsinuse.com/typefaces/42235/bernhard-antique

01.08.2025

Das heute gepostete typographische Fundstück der Woche – eigentlich sind es zwei – widmet sich heute dem Thema »Verbotsschilder«. Wer kennt sie nicht, die unzähligen – sicher zumeist berechtigten und sinnvollen – Schrifttafeln, etwa auf Privatgrund am Straßenrand (»Parken verboten! Unberechtigt parkende Fahrzeuge werden kostenpflichtig abgeschleppt!«), in Grünanlagen (»Rasen betreten verboten!«) oder an Baustellenzäunen (»Betreten der Baustelle verboten! Eltern haften für ihre Kinder!«). Unser Alltag ist voll von Schildern, Plaketten, Zetteln und Aufklebern, die uns Dinge verbieten, entweder, weil es gesetzwidrig ist, weil wir ansonsten unsere oder fremde Gesundheit, Leben oder Sachwerte gefährden oder einfach, weil jemandem dies missfällt. Meistens sind die Schriften auf Verbotshinweisen fett, groß und massiv. Es wird nicht gespart mit Ausrufezeichen oder harschen Formulierungen, bisweilen schreien einen die Hinweise ausschließlich in Großbuchstaben an und neben sattem Schwarz werden auch gern Signalfarben wie Rot oder Gelb hinzugezogen.



Im Abstand mehrerer Monate habe ich jedoch zwei Verbotsschilder fotografiert, die beide etwas anders machen. Das erste begegnete mir kürzlich auf einem Kirchhof in Greifswald und richtet sich vermutlich an Eltern und deren Kinder, die sich von dem berankten Eisengitter, an dem das Schild hängt, zum Klettern animiert fühlen. Ich mochte den freundlichen Tonfall des Schildes ebenso wie das Material und die handgeschriebenen Schriftzüge. Die Botschaft wird deutlich ausgesprochen, aber bietet Anlass zu einem Schmunzeln.



Das zweite Schild knipste ich vergangenen März in Kopenhagen. Dass es um Fahrräder geht, war mir klar, aber ich ließ es mir nachträglich komplett übersetzen und dort steht sinngemäß »Widerrechtlich abgestellte Fahrräder werden entfernt«. Ohne Ausrufezeichen und mit einem hübsch verschnörkelt gestalteten Substantiv am Anfang. Mir sagt diesen Schild, dass die Person, die es anbrachte, prinzipiell gut gelaunt ist, es sei denn, die angesprochenen Radfahrer setzen sich über dieses Verbot hinweg.



Vielleicht habt Ihr ja auch schon mal witzige, schöne oder anderweitig besondere Verbotsschilder gesehen, dann würde ich mich freuen, davon zu erfahren. Mein All-Time-Favorit war einst (leider ohne Foto) eine Messingplakette über der Toilette in einem britischen Ferienhaus. Wo über einem deutschen Klo zu lesen wäre »Keine Abfälle, Binden oder Hartpapier in das WC werfen!« stand dort »Please don’t put anything down this toilet that hasn’t been eaten first«. Very british. 🤓 🔠

28.07.2025

Heute kommt das typographische Montagsbonbon zwar nicht erneut aus dem Keller, aber wir bleiben in der Gegend, in der sich das Haus und der Keller befinden. Bei einigen Ausflügen fielen mir an den Ziegelwänden der älteren Wohn- und Bauernhäuser hier die »Signaturen« der früheren Ziegeleien auf, die alle paar Meter in einzelne Steine eingeprägt sind. Offenbar befanden sich in der Ortschaft Kuhlhausen in Westbrandenburg und in Rathenow ehemals mindestens zwei dieser Betriebe, mit denen dann im Umland die lokalen Gebäude errichtet wurden. 



Besonders markant fand ich im ersten Foto die Formgebung des kleinen g, erinnert doch das aufrecht stehende »Fähnchen« mitten auf dem Kopf des Buchstabens frappant an das gleiche Charakteristikum, das mir in einem älteren Posting zu Straßenschildern in einem historischen Seemannsviertel aufgefallen war. Bemerkenswert sind aber auch die fehlenden Serifen an der Basis des kleinen l, man könnte fast schon meinen, die Firma Siggel hätte damals schon so etwas wie ein eigenständiges »Logo« besessen. Das Herstellungsdatum des Ziegels im ersten Bild liegt etwa zwischen 1885 und 1910 (der Dauer der Geschäftstätigkeit der Ziegelei Siggel), das passt auch zum Baujahr des betreffenden Hauses – 1890.



Natürlich enttäuscht das Internet auch bei diesem Thema nicht und stellt einen interessanten Beitrag zu den sog. »Ziegelstempeln« aus der Region bereit:
➡️ https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_Rathenower_Ziegelstempel

Nun bin ich gespannt, ob ich demnächst noch weitere dieser Reliefprägungen hier in der Gegend finden werde … 🤓 🔠 🙂 🧱

11.07.2025

Acht Motive liegen noch in meinem Ordner mit typographischen Fundstücken aus Barcelona. Es wird allerdings nicht einfacher, aus den verbliebenen Bildern sinnvolle Cluster zu bilden, die ich turnusmäßig hier posten kann. Zweien der Fotos jedoch könnte man die Überschrift »Kultur« zuweisen, somit soll dies das Motto des heutigen Beitrags sein.



Das erste Motiv knipste ich am berühmten Altstadtboulevard »La Rambla«, hinter der Jalousie verbirgt sich das Geschäft eines Notenhändlers. Die Paillettenschrift im oberen Teil des Fotos ist sehr wahrscheinlich eine Eigenkreation. Die handgemalten Buchstaben der Schrift darunter erinnern vage an »softe« Serifenschriften aus den 1970er- und 1980er-Jahren, aber einen 100%igen Treffer bei der Identifikation konnte ich nicht landen – vermutlich war auch hier bei der Erstellung einiges an typographischer Fantasie im Spiel.



Das zweite Motiv entdeckte ich an der belebten Straße »Carrer Gran de Gràcia«, hoch über den Köpfen der Passanten: eine alte Inschrift, vermutlich u.a. für eine einst dort ansässige öffentliche Bibliothek (BIBLIOTECA PUBLICA). Sie wirkt, als sei sie einst komplett unter Putz versteckt worden, der dann jedoch im Laufe der Zeit wieder abblätterte. Der zweite noch halbwegs lesbare Begriff oben (PENSIONES DOTES [?]) wird übersetzt mit »Mitgiftrenten«. Eine interessante Kombination – und daher ist es wohl angebracht, anzunehmen, dass diese beiden Services auf getrennten Etagen untergebracht waren … 😉 🤓 🔠

07.07.2025

Und wieder ist es Zeit für ein typographisches Montagsbonbon – heute beschäftigt es sich mit dem »Reiz des Unvollständigen«. Geknipst habe ich es Mitte Juni in Stralsund. Zunächst versuchte ich die Zeichenfolge aus der Ferne spanisch/italienisch/arabisch zu entziffern, doch beim Näherkommen lösten sich die Verständnisschwierigkeiten beim Durchschauen der aufgetragenen Übermalung schnell auf … 🤓 🔠 ⁉️😃☝️

04.07.2025

Wenn die Hitze drückt, brauchen Körper und Geist erstens genug Flüssigkeit und Elektrolyte und zweitens eine reichliche Zufuhr von Nervennahrung wie Obst, Schokolade, Gebäck oder Konfekt, die gut schmeckt, die Endorphinausschüttung anregt und im Idealfall etwas kühlt. Deshalb steht das Bilderbündel, das ich heute als gesammelte typographische Fundstücke der Woche aus meinem »Barcelona-Bestand« poste, unter dem Motto »Leckereien«. Im Angebot sind Süßwaren (1), Confiserie (2), ein feines Brunch (3) und Tapas (4).



Die meisten Schriften in den Bildern sind wieder garantiert handgefertigt, insbesondere bei Bild (3) und basieren höchstens teilweise auf kommerziellen oder historischen Vorlagen, ihre Bestimmung ist daher sehr diffizil. 



Die augenfälligsten Merkmale bei der Schrift auf dem Vorhang der Bonboneria (1) sind der spitze Winkel beim M und der gerade Abstrich des R – eine kommerzielle Schrift mit beiden Merkmalen gleichzeitig konnte ich nirgends finden. Beim oberen Schriftzug auf demselben Bild fallen insbesondere die schlanken Proportionen, der Winkel in den Serifen beim E und der große »Bauch« des R auf, aber auch hier kam ich bei einer Identifikation nicht weit. 



Das Metallrelief bei der Pastisseria (2) zeigt mal wieder eine Schrift mit Urspüngen im Art Déco oder den beiden Jahrzehnten danach. Hier böte sich der Font »ITC Juanita« als Vorlage an: 



➡️ https://www.myfonts.com/de/collections/juanita-font-itc

Im Foto mit den Tapas (4) fallen die kurzen Unter- und Oberlängen, der gerade Abstrich des y und das abstrichlose u auf, ein als Vorlage hätte z.B. die Schrift »HK Nova Semi Bold« gedient haben können:



➡️ https://www.myfonts.com/de/products/semi-bold-hk-nova-590740

Aber jetzt gibt’s erstmal ein Eis! 🤓 🔠 🍧

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