verknallt in Schrift und Buchstaben

Kategorie: Antiquitäten (Seite 10 von 13)

Von Vintage über historisch bis antik, in Stein gemeißelt, gemalt, als Relief oder traditionell gedruckt – in dieser Kategorie landet alles, was garantiert schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat.

28.06.2024

Als typographisches Fundstück der Woche präsentiere ich heute mal wieder eine Inschrift auf einem verfallenen alten Bahnhofsgebäude, gefunden im Moselland. Der Bahnhof selbst ist zwar für Regionalzüge als reine Bahnsteigstation mit Wartehäuschen nach wie vor in Betrieb, aber das angrenzende ehemalige Stationsgebäude ist eingezäunt, mit Spanplatten vernagelt und verlassen. Irgendwie ironisch, dass solche Relikte aus einer Zeit, in der das Schienennetz der Bahn bis zu 20.000 Kilometer länger als heute war*, nach außen einen Grad der Vernachlässigung aufweisen, der dem Fahrgefühl des oft unzuverlässigen Bahnbetriebs der Gegenwart hinter seiner modernen Fassade ziemlich gut entspricht … 🤔🙁🛤📉 



* 1955 hatte die Gesamtlänge des Schienennetzes in Gesamt-Deutschland mit insgesamt 53.700 km ihren bisherigen Höhepunkt erreicht. 2023 waren es nur noch 33.430 km.



Weiterführende Links:



➡️ https://interaktiv.morgenpost.de/bahn-schienennetz-deutschland-1835-bis-heute/

➡️ https://www.allianz-pro-schiene.de/themen/infrastruktur/schienennetz/

14.06.2024

Das typographische Fundstück der Woche verdient diese Bezeichnung diesmal im wahrsten Sinne des Wortes. Im Zuge der schon länger peu à peu ablaufenden Sichtung des Nachlasses im Wohnhaus der vor einiger Zeit verstorbenen Schwiegereltern tauchten diese Woche die dazu gehörenden Bauzeichnungen von Anfang der 1980er Jahre auf. Es sind definitiv Unterlagen aus der »Prä-Computer-Ära«, alles manuell erstellt, analog vervielfältigt und von Hand beschriftet.

Ich war sofort fasziniert davon, dass der verantwortliche Architekt offenbar nicht nur ein Händchen für die präzise Darstellung von Grundrissen und technischen Details hatte, sondern auch ein Talent für kalligraphisches Schreiben. Zwei Beispiele davon habe ich für meine dieswöchige Galerie einmal (anonymisiert und mit freundlicher Genehmigung aller Beteiligten) abfotografiert. 

Beeindruckend!

07.06.2024

Immer noch auf Reisen, daher auch diese Woche wieder ein unkommentiertes Potpourri mehrerer »typographischer Fundstücke«, diesmal eingefangen in den schönen Küstenstädten Stralsund und Greifswald.

31.05.2024

Etwas versteckt hinter dem modernen Teil des ehemaligen Potsdamer Hauptbahnhofs*, am Treppenzugang über eine Autobrücke, präsentierte sich das heutige »typographische Fundstück der Woche«, am Endpunkt einer Wanderung. Interessant fand ich insbesondere die Zweifarbigkeit – und natürlich die Frage, wohin sich wohl das m abgesetzt hat. 🤓



(* Heute heißt der Bahnhof »Potsdam Pirschheide«. Als »Potsdam Hauptbahnhof« war er zwischen 1960 und 1999 der wichtigste Personenbahnhof der Stadt.)



24.05.2024

Diese Woche präsentiere ich gleich neun typographische Fundstücke auf einmal und ausnahmsweise auch mal ohne langen erklärenden Text. Es sind beiläufige Schnappschüsse schöner oder interessanter Buchstabensichtungen, die ich während meines Pfingsturlaubs in den Kirchen und Gassen Regensburgs eingefangen habe. Es war mir wieder einmal ein Vergnügen, abseits meiner kulturellen und kulinarischen »Verpflichtungen« in dieser schönen historischen Stadt auf Fotosafari gehen zu können. 🙂 📸 🔠



10.05.2024

Das Fundstück von heute stammt ebenfalls wieder aus dem direkten Umfeld meines Wohnviertels. Wer noch die Ära der Röhrenfernseher erlebt hat, erinnert sich sicherlich, wie wichtig ein Fernseh-Reparaturdienst damals war, wenn das geliebte und oft genutzte Gerät kurz vor einer sehnsüchtig erwarteten Sport- oder Krimi-Ausstrahlung den Geist aufzugeben drohte. Der Fernsehmechaniker, der nach dem »Notruf« dann schnellstmöglich zum Hausbesuch vorbeikam, war der Superheld der geretteten Abendunterhaltung.



Auch in Berlin sehe ich oft von der südlichen Ringbahnschleife aus am Tempelhofer Feld ein großes Werbemotiv für Jäger, den ehemals größten Fernsehreparaturdienst der Hauptstadt, an einer der Häuserwände neben der Bahntrasse: »Fernsehkummer? Jägernummer!«. Diese Zeiten sind inzwischen vorbei. Die heutigen und günstigeren Geräte haben eine weniger anfällige Technik, aber auch eine insgesamt kürzere Nutzungsdauer. Ist das preiswerte Gerät defekt, wird oft gleich ein neues angeschafft, anstatt es reparieren zu lassen – sofern eine Reparatur der oft fest verklebten Elektronik überhaupt möglich ist.

Das Einsatzfahrzeug im Bild samt seiner Beschriftung stammt wohl ebenfalls noch aus dieser glorreichen Röhrenfernseher-Ära, denn der abgebildete VW Transporter T3 wurde von 1979 bis 1992 produziert. Besonders gefällt mir neben der Farbkombination grün-gelb die dynamische Schreibschriftzeile mit ihrer ungewöhnlichen, oben offenen »e«-Form. Ich habe das Fahrzeug digital ein wenig aufpoliert, um dem früheren Glanz Rechnung zu tragen. 😉 


Das Elektrogeschäft existiert übrigens nach wie vor (Update, 30.08.2025: Es hat Ende August 2024 geschlossen – der Inhaber ist in den Ruhestand gegangen), ein klassischer kleiner Einzelhandelsladen mit reich bestücktem Schaufenster und einem Angebot vom Radio übers Bügeleisen bis zum Gefrierschrank. In Zeiten von Media Markt und Online-Elektronikshops eine kleine Rarität.



VW Transporter T3: 


➡️ https://de.wikipedia.org/wiki/VW_T3

Gedenkseite für den Fernsehdienst Jäger:


➡️ https://www.jaeger-fernsehdienst.de/

03.05.2024

Als Hamburger mit Zugriff auf den gut getakteten ÖPNV besitze ich kein Auto und lege meine Wege innerhalb der Stadt zu Fuß, mit dem Rad oder Bus & Bahn zurück. Meine Erfahrung daraus ist: Ich sehe dadurch mehr von der Stadt, was mir auf Autofahrten entgangen wäre. Fahrten mit dem Auto innerhalb der Stadt sind meiner Meinung nach viel stärker fokussiert auf Start- und Zielpunkt. Auf der Wegstrecke von A nach B muss man sich als Fahrer auf den Verkehr konzentrieren oder beschäftigt sich anderweitig durch Musikhören oder Gespräche mit Beifahrer*innen. Ein Parkplatz wird meist möglichst nah an der Anfangs- und Endposition gesucht, sodass längere Fußwege zwischen Fahrzeug und Destination meist entfallen. Die Fahrstrecke an sich ist oft ein nebensächliches, notwendiges »Übel«.



Beim Radfahren und insbesondere beim zu Fuß gehen habe ich eine ganz andere Wahrnehmung. Ich bewege mich mit gemächlicherem Tempo, habe mehr Gelegenheiten zum Betrachten der Umgebung und mehr Muße, die zurückgelegte Strecke selbst als Teil meines Weges zu erleben. Ich kann auch mal in Sackgassen, auf Schleichwege, schmale Gassen und Seitenstraßen ausweichen und komme an Orten vorbei, die mir mit dem Auto nicht zugänglich wären oder verborgen blieben. Das gefällt mir.



Auf einem kleinen Einkaufsstreifzug in der Mittagspause entdeckte ich so fußläufig die beiden »Typographischen Fundstücke« dieser Woche: die Sockelbeschriftung der Brücke am »Ring 2« über die Fuhlsbüttler Straße (die Graffiti wurden zugunsten des Fokus auf das Hauptmotiv entfärbt) und eine Gebäudebeschriftung oberhalb eines durchfahrbaren Portals in einem Wohnblock.



Auch dafür kann »Entschleunigung« im Alltag gut sein. 🙂 🔠 



19.04.2024

Dieses Fundstück stammt diesmal von einem Ort 24 m unter der Erde: aus dem Alten Elbtunnel (St. Pauli Elbtunnel) in Hamburg, der im Jahr 1911 eröffnet wurde. Neben den zahlreichen wunderschönen Kacheln mit dreidimensionalen Abbildern verschiedener Meerestiere des Keramikers Otto Gottlieb Hermann Perl (1878–1967) finden sich dazwischen auch einige Keramikschilder, die mit einer interessanten kunstvoll-kantigen Schrift ausschließlich in Großbuchstaben über technische Details des Tunnels informieren. Ob Herr Perl auch für die Gestaltung dieser Beschriftungen verantwortlich war, konnte ich leider nicht herausfinden.



Den Stil dieser Schrift würde man aus heutiger Sicht wahrscheinlich als »Art Déco« bezeichnen, es gibt in den Proportionen und bei den Buchstabenformen deutliche Ähnlichkeiten zu vielen kommerziell erhältlichen Fonts aus der betreffenden Epoche (ca. 1910–1930) wie z.B. »ITC Willow« oder »VLNL Melk« (Links zur Ansicht: s.u.). Erstgenannte wurde vor einigen Jahren in einer modifizierten Variante als Titelschrift der TV-Serie »American Horror Story« genutzt, die zweitgenannte basiert auf den Buchstaben einer Wandinschrift am Gebäude der historischen Molkerei »De Sierkan« in Den Haag. 



Als käuflichen Font konnte ich die Elbtunnelschrift zwar nicht ausfindig machen, aber der Schriftgestalter Peter Wiegel aus Wolgast hat sie – wohl ebenfalls nach einem Besucht des Alten Elbtunnels – als komplettes Alphabet umgesetzt, dazu fehlende Lettern ergänzt und stellt sein Werk im TrueType-Format unter einer Creative-Commons-Lizenz zur Verfügung.

Wieder was gelernt! 🙂🔠 



FontITC Willow:
➡️ https://www.myfonts.com/de/collections/willow-font-itc

American Horror Story:
➡️ https://de.wikipedia.org/wiki/American_Horror_Story

VLNL Melk:
➡️ https://www.myfonts.com/de/collections/vlnl-melk-font-vetteletters

Molkerei De Sierkan:
➡️ https://shie.nl/bedrijven/sierkan-de-melkinrichting-1878/

Elb-Tunnel Font:
➡️ https://www.peter-wiegel.de/ElbTunnel.html

12.04.2024

Und noch ein letzter Schnappschuss aus dem inzwischen vergangenen Osterurlaub: Diesmal kommt das typographische Fundstück der Woche aus dem pittoresken Städtchen Saarburg. Diese schöne Retro-Ladenfassade mit dem klassischen Neonschriftzug, vermutlich aus den späten 1950er oder frühen 1960er-Jahren wollte ich meiner LinkedIn-Followerschaft nicht vorenthalten. 🙂

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