In letzter Zeit fragte ich mich gelegentlich, ob ich eventuell zu oft Fundstücke poste und bespreche, die schon relativ alt sind: Werbeschilder von geschlossenen Geschäften, Steinreliefs aus früheren Jahrhunderten, Retro-Verpackungen … Aber dann denke ich: Nein, das ist schon gut so. Es gibt so viele schöne, amüsante, lehrreiche, interessante, kreative und nach wie vor top-aktuelle »alte« Dinge – ich bleibe dabei!
Auch das heutige typographische Montagsbonbon ist wieder ein solcher »Vintage«-Beitrag. Es ist das vordere Umschlagmotiv eines Buches, das als Geschenk eines lieben Freundes seinen Weg aus dessen elterlicher Bibliothek (mit Erlaubnis der Eltern) in unseren Haushalt fand:

Zur Erläuterung: Seit vielen Jahren bin ich nicht nur ein großer Fan der Kult-Familienserien »Ein Herz und eine Seele« (»Ekel Alfred«) und »Familie Heinz Becker«, sondern auch der deutlich weniger bekannten »Familie Hesselbach«, einer in schwarzweiß gedrehten, sehr erfolgreichen Fernsehserie der ARD aus den Jahren 1960/61, die auf einer ebenso populären Hörspielserie aus den späten 1940er-Jahren des Hessischen Rundfunks basiert. Die einzelnen Episoden haben in sich geschlossene Handlungen und verquicken auf ebenso kurzweilige wie gekonnte Weise den Arbeitsalltag in einer mittelständischen Druckerei mit turbulenten Ereignissen im Privatleben der Inhaberfamilie. Die Serie lebt vor allem von der zentralen Figur des temperamentvollen Patriarchen Karl »Babba« Hesselbach, gespielt von Wolf Schmidt, der als Drehbuchautor auch für die ausgesprochen eloquenten und amüsanten Dialoge verantwortlich zeichnete. In vielen der Monologe und Stoßseufzer Vater Hesselbachs finden sich gesellschaftskritische, politische oder philosophische Bonmots, die bis heute nichts an Aktualität verloren haben.
»Wenn sich wegen jeder Falschmeldung in der Presse ein Redakteur aufhängen würde, dann wäre dieser Berufsstand schon längst ausgestorben.«
S01 E07, »Die Panne« (1960)
»Männer haben die Weltgeschichte gemacht. Und so sieht sie auch aus.«
S01 E15, »Mehr Frauen in die Politik!?« (1961)
Alle Folgen der TV-Serie werden sowohl auf dem Pay-TV-Sender »ARD Plus« als auch auf dem YouTube-Kanal »TV-Klassiker« im Stream abrufbar.
Die Besonderheit des Buchumschlags, in einem typischen collage-artigen Stil der 1960er-Jahre, besteht im Wesentlichen aus den handschriftlich-kalligrafischen Schriftzügen, die statt normaler Satzschriften für die Gestaltung genutzt wurden. Ich finde, auf diese Weise kommt die persönlich-anekdotische Note der Erzählungen im Buch, die auf vier der Seriengeschichten beruhen, bereits auf dem Cover schon besser zur Geltung als mit einer statischer wirkenden Grotesk- oder Antiqua-Schrift. Und der stilisierte, unter dem Portrait des Protagonisten installierte Sockel nimmt ironisch dessen Platz als Familien- und Firmenoberhaupt aufs Korn.
Das Buch ähnelt somit durchaus der Fernsehserie: Von außen vielleicht etwas »oldstyle« – inhaltlich aber keineswegs. 🤓 🔠 📺
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